Vöhl

Mietfreies Wohnen für Kobolde

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- Vöh (resa)l. Ein Zuhause für Fledermäuse haben die Mitarbeiter des Vöhler Forstamtes auf dem Dachboden des alten Kutscherhauses geschaffen. Dafür bedankte sich der Naturschutzbund am Mittwoch mit einer Auszeichnung.

Auf der Suche nach einem Zuhause sind Fledermäuse wählerisch. Ihr Jagdgebiet muss in der Nähe liegen und die Natur sollte ihnen reichlich Möglichkeiten geben, um satt zu werden. Dass sich Fledermäuse in Vöhl wohlfühlen, dass wissen die Experten spätestens, seit mehr als 300 Fledermausdamen im Vöhler Kirchturm ihre Wochenstube eingerichtet haben. In großen Gruppen leben die Weibchen dort. Männchen sind aber nicht willkommen. „Und deswegen ist es wichtig, in der Nähe auch den Fledermausmännchen Wohnraum bereitzustellen“, erklärt Frank Seumer vom Naturschutzbund (NABU).

Das geschieht vorbildlich in Asel und seit vergangenem Jahr auch im Vöhler Forstamt. „Fledermäuse sind bei uns schon immer Zuhause gewesen“, erklärt Eberhard Leicht und erinnert vor allem an die Zwergfledermäuse und die Braunen Langohren auf dem Dachboden im Forstamt. Gleich nebenan im alten Kutscherhaus haben die Mitarbeiter des Forstamtes nun mit Unterstützung des Naturschutzbundes zusätzlichen Wohnraum geschaffen. „Die Tiere sind eine Bereicherung für uns und es macht Spaß, ihnen zuzusehen“, erklärte Forstamtsleiter Eberhard Leicht den Einsatz für die Kobolde der Nacht. Gleich hinter dem Forstamt beginne das Jagdgebiet der Fledermäuse, also brauchten sie dort auch eine Schlafmöglichkeit für den Tag.

Gemeinsam mit dem NABU haben die Forstamtsmitarbeiter deswegen eine spezielle Dachluke gebaut, die den Fledermäusen den Einflug erleichtert, ihn Tauben aber verwehrt. „Außerdem haben wir zwischen den Balken Spartenquartiere geschaffen“, erklärt Petra Gatz, die beim NABU in Hessen für Fledermäuse zuständig ist. Vor allem Zwergfledermäuse würden diese künstlichen Spalten als Sommerschlafplatz nutzen. „Damit sich die Fledermäuse auch im Forstamtsgarten wohl fühlen, haben wir spezielle Beete mit Blütenpflanzen angelegt, die Nachtfalter anlocken“, sagt Eberhard Leicht.

Für diesen Einsatz überreichte Hartmut Mai, Geschäftsführer des NABU-Landesverbandes Hessen dem Vöhler Forstamt gestern die Auszeichnung „Fledermausfreundlichen Haus“. Mehr als 80 Privathäuser und Institutionen haben das Prädikat in Waldeck-Frankenberg bereits erhalten – damit belegt der Landkreis in Hessen Platz Eins. „Wir freuen uns über diesen freiwilligen Naturschutz“, lobte Mai, „das Vöhler Forstamt gewährt seinen tierischen Mitbewohnern vorbildlich mietfreies Wohnen.“ Ob schon Fledermäuse eingezogen sind, können die Forstamtsmitarbeiter noch nicht sagen, schließlich wollen sie nicht stören. Die neue Luke aber haben sie im Blick.

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