Korbach

Millionenlast mit Spätzünder

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- Korbach (jk).Besser als befürchtet ist die Finanzlage der Kreisstadt. Ein neues „Korbacher Wunder“ bleibt jedoch vorerst aus: Die Stadt muss abermals Millionensummen an Gewerbesteuern zurückzahlen – plus Zinsen.

Im Finanzausschuss des Parlaments kommt am Mittwochabend der Jahresabschluss 2010 auf den Tisch. Der hätte so hoffnungsvoll sein können – wenn dem Stadtkämmerer Ralf Buchloh nicht wieder eine Rückforderung alter Gewerbesteuern ins Haus geflattert wäre. Schon 2007/2008 hatte die Kreisstadt harte Einschläge zu verkraften. Im Hintergrund stand vor allem Contis Übernahme der Siemens-Tochter VDO. Der Conti-Konzern musste den milliardenschweren Kauf durch Kredite finanzieren. Korbach wiederum musste deshalb Millionensummen an Gewerbesteuern für 2007 zurückzahlen und ging für 2008 weitgehend leer aus. Zusammen mit kleineren Einbußen addierte sich dies auf satte 16 Millionen Euro in nur zwei Jahren.

Die VDO-Übernahme wirkt bis heute, denn bei Korbachs größtem Brötchengeber brummt die Produktion nach der Wirtschaftskrise längst wieder auf Hochtouren. Conti strebt neuen Rekordmarken im Werk Korbach entgegen. Doch die Gewerbesteuer des Konzerns bleibt weiterhin aus. Da ist es nur ein schwacher Trost, dass auch andere Standorte in Deutschland davon betroffen sind. Nachträglich hat die Stadt zudem weitere 2,3 Millionen Euro zu verkraften durch eine Rückzahlung: 1,6 Millionen Euro Gewerbesteuer plus Zinsen, die seit 2002/2003 aufgelaufen sind. Dahinter stecke eine geänderte Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, die sich auf Wertabschreibungen für Auslandsbeteiligungen beziehe, bestätigt Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich auf WLZ-Nachfrage. Rückwirkend haut diese Summe bei der Stadt ins Kontor. Und abermals dreht es sich dabei offenbar um Korbachs größten Arbeitgeber. Folge: Statt rund 7,5 Millionen Euro an Gewerbesteuer erreicht die Kreisstadt zum Jahresabschluss 2010 nur 5,2 Millionen Euro – und liegt damit noch unter der Planung von 5,5 Millionen Euro für das vorige Jahr. Trotzdem würden die Löcher im Etat kleiner ausfallen als befürchtet, bestätigt Friedrich.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Mittwoch, 8.Juni

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