Kindernotfälle: Ärzte und Rettungspersonal trainieren seltene Einsätze beim DRK

100 Minuten bis zur Kinderklinik

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Korbach - Weil sie so selten sind, sind Kindernotfälle für Ärzte und Rettungspersonal eine besondere Herausforderung. Das Rote Kreuz (DRK) in Korbach trainiert den Umgang mit verletzten und erkrankten Kindern.

Von durchschnittlich 1700 Notarzteinsätzen in Korbach pro Jahr sind nur rund 40 Kindernotfälle. Das entspricht etwa 2,5 Prozent. In der Praxis sammeln Notärzte und Rettungspersonal daher nur wenige Erfahrungen im Umgang mit verletzten und erkrankten Kindern. „Training ist deshalb besonders wichtig“, erklärt Bernd Warnecke, Lehrrettungsassistent beim DRK Korbach-Bad Arolsen. Mit einem Fachseminar am Freitag und einer Fortbildung am Samstag hat das Rote Kreuz am Wochenende einen Schwerpunkt auf das Thema Kindernotfälle gesetzt.

Bis der Rettungsdienst im Landkreis Kinder in die Hand von Experten übergeben kann, dauert es: „Aufgrund der weiten Distanzen zur nächsten Kinderklinik sind Transportzeiten von einer Stunde die Regel, plus Standzeit an der Notfallstelle“, sagt Warnecke.

Beim Seminar „100 MinutenKindernotfall“ im Korbacher Krankenhaus stellte Ulrich Atzbach, Rettungsassistent beim DRK Odenwaldkreis, den 88 Zuhörern ein von ihm mitentwickeltes Notfallkonzept vor. Teilnehmer waren Notärzte, Hausärzte, Krankenpflegekräfte aus den Notfallaufnahmen im Landkreis sowie Rettungsdienst­personal aus Waldeck-Frankenberg, dem Hochsauerland- und dem Schwalm-Eder-Kreis.

Schnell das Notwendige tun

„Gerade bei Kindernotfällen ist es oftmals durch aufgeregte Eltern wichtig, schnell die notwendigen Maßnahmen einzuleiten“, fasst Warnecke zusammen: Ein venöser Zugang muss gelegt, Notfallmedikamente verabreicht werden. „Für den Rettungsdienst ist deshalb auch eine gute Kommunikation eminent wichtig, damit alle gewonnenen Informationen schnell von allen im Team gehört und entsprechend umgesetzt werden“, sagt der Lehrrettungsassistent. Anschließend dis-kutierten die Korbacher Kinderärztin Dr. Maike Bökemeier, der Leiter des neuen Kasseler Mutter-Kind-Zentrums Dr. Stefan Blume und Dozent Ulrich Atzbach auf dem Podium.An speziellen Kinderübungspuppen probten am Samstag 20 Notärzte und Klinikärzte mit Dr. Alin Schaumberg, Leiter des Gießener Simulationszentrums für Anästhesiologie und Notfallmedizin, und Julia Kolbe sowie Ulrich Atzbach realitätsnah verschiedene Kindernotfälle, wie schwere Asthma bronchiale Anfälle, Sportverletzungen mit Frakturen, Pseudokrupp, Kreislaufkollaps oder die Reanimation. Die Mediziner diskutierten außerdem über verschiedene Notfallstrategien. (lb)

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