Vier Bands und ein Männergesangverein · Strother Scheunenkonzert

„Mitsingen, Mitrocken, Mittanzen“

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Glorreicher Halunke: Marco Voigt heizt den Fans ein.

Korbach-Strothe - Die achte Auflage der Strother Rocknacht erwies sich als rundum gelungenes Rock-Vergnügen.

Je zwei Bands, die einander optimal ergänzten, brachten nicht nur die Fans in Stimmung, die beiden Opener „Steven Stealer Band“ und „Rotz und Wasser“ heizten mit ihren großartigen Auftritten so gut ein, dass auch die Hauptacts „Sweetheart“ und „Glorreiche Halunken“ mit höheren Betriebstemperaturen einsteigen konnten oder auch mussten.

Die ersten Takte überhaupt gehörten allerdings dem Männergesangverein Strothe und Dirigentin Ingrid Brandt hatte mit poppigeno Hound „Der Mann im oMond“ ebenso heitere wie atmosphärische Stücke aufs Programm gesetzt, ganz dem Anlass entsprechend, den bei den Auftritten der Glamrocker aus Aschaffenburg und der Hamburger Punkband „Rotz und Wasser“ spielte der Humor eine unübersehbare Hauptrolle.

„In Memoriam“ für Jon Lord

Mit dem ausführlichen Keyboardintro „Davy‘s on the road again“, begann für viele Fans so richtig die musikalische Zeitreise, der Hit von Manfred Manns Earthband geriet schnell zu mehr als einem Showcase für Tastenmagier Marc Universe, auch die Interaktion mit dem Publikum erreichte eine neue Dimension. Mit „Mighty Quinn“ hatte die Steven Stealer Band die andere ganz große Nummer aus (dem erfolgreichsten Album) „Watch“ aufs Programm gesetzt und die Rufe nach Zugaben geradezu heraus gefordert.

Die in Strothe gespielte Version von „Smoke on the water“ hätte Deep Purple auch zu Glanzzeiten gut zu Gesicht gestanden, das ausführliche Keyboard-Solo von Martin Ottmeier geriet zum beeindruckenden musikalischen „In Memoriam“ für den unlängst verstorbenen Jon Lord. „Mitsingen, Mitrocken und Mittanzen“ war dagegen bei „Jump“ das Motto der Rockfans in Strothe.

Die Bands im Vorprogramm der „Glorreichen Halunken“ hatten in den letzten Jahren die Arschkarte, da der eingeschworene Anhang der Onkelz-Coverband das Vorprogramm eher apathisch absaß oder gleich ganz ausließ. „Rotz und Wasser“ spielten mit ihrem eigenen Material teilweise ähnliche Themen an, mit der gebührenden Prise Ironie in den Texten wie in der Show, die Frontman Chris in wehendem Bademantel bestritt. Mit Titeln wie „Nutten, Koks und Kaviar“, „24/7 Rock‘n‘Roll“ (Die Gläser niemals leer und immer halb voll) oder „Bück dich, Fee“ brachte das Quartett aus Hamburg, dessen Name sich wie ein roter Faden durch die Texte zog, auch die Chefapathiker früherer Jahre in Wallung und an die Bühne.

Die musikalische Hauptattraktion sind die knackigen Hochenergie-Solos von Gitarrist Paul, die frühere Auftritte der „Glorreichen Halunken“ doch ziemlich instrumental unterbelichtet klingen ließen. Die Fans konnten auch dieses Mal nicht genug von Frontman Marco Voigt und seinen Mitstreitern bekommen.

Für Fans längst Kult

Absolut zu recht, die sonst eher runtergeschrammelten Instrumental-Passagen hatten Biss wie nie, als hätten Gitarrist Ronny Paul Wagner und die Rhythm-Section Wawra/Gosserau die Herausforderung aus Hamburg angenommen, gleichbedeutend mit dem bislang besten Auftritt der Halunken, die bis um zwei Uhr durchhielten und wohl 2012 zum fünften Mal nach Strothe kommen. Für 200 ihrer Fans sind die Scheunenkonzerte längst Kult.

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