Bericht zu Schulsozialarbeit und kommunaler Jugendarbeit · CDU fragt kritisch nach

„Mobbing ist ein akutes Problem“

Diemelsee - „Prävention vor Intervention“: Mit diesem Leitsatz überschreibt Nathalie Jakob ihren Bericht zur Schulsozialarbeit sowie zur kommunalen Jugendarbeit, den sie den Diemelseer Gemeindevertretern am Freitag in Adorf präsentiert – nicht ohne sich kritischen Fragen stellen zu müssen.

Um Schülern, Eltern und Lehrern eine vertrauensvolle Anlaufstelle zu bieten, wurde die Sozialpädagogin, die aus Adorf kommt und dort lebt, im September 2009 als Schulsozial- und Jugendarbeiterin angestellt. Wie in den Vorjahren erläutert Nathalie Jakob den Parlamentariern am Freitag im Rahmen ihres Jahresberichts absolvierte und geplante Projekte in ihren beiden Aufgabenbereichen. „Welchen Anteil nimmt die Arbeit an der Mittelpunktschule ein und welchen die für die Gemeinde?“, will Elke Jesinghausen (CDU) umgehend wissen. „In der Startphase war ich zu 70 Prozent an der Schule. Inzwischen nimmt die Jugendarbeit aber immer mehr Zeit in Anspruch“, antwortet Nathalie Jakob. Sie schätze das Verhältnis derzeit auf 60 zu 40 Prozent, rechnet aber damit, dass sich Schulsozialarbeit und Jugendarbeit bald die Waage halten werden.

„Viele Angebote locken“

Zur kommunalen Jugendarbeit zählt die Adorferin aktuell folgende Projekte: Jugendtreff Diemelsee: Die Jugendgruppe trifft sich jeden Dienstag von 16 bis 18 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Adorf. Nach den Ferien geht es am 14. August weiter. Silvia Radke, Jugendarbeiterin der evangelischen Jugend Diemelsee, und Nathalie Jakob betreuen sie zusammen. „Es war nicht leicht, die Jugendlichen zu regelmäßigen Treffen zu motivieren, aber inzwischen ist es uns gelungen, weil wir mit vielen Angeboten locken“, berichtet Nathalie Jakob. Im Mittelpunkt stehen Aktionen, die Mädchen und Jungen selbst vorschlagen.

Die Diemelseer waren zum Beispiel schon in der Kletterhalle, auf der Sommerrodelbahn und haben eine Kanutour gemacht. „Ramba Zamba“ heißt es seit Juni jeden zweiten Dienstag von 16 bis 17 Uhr, wenn sich die Jugendlichen mit Nathalie Jakob nach südamerikanischen Rhythmen fit tanzen. Tanz- und Aerobictraining soll in Kürze auch zum MPS-Nachmittagsangebot gehören.

Geplant sind im Jugendtreff des Weiteren: Kochduell, Geocaching, Beautytag, Bowling und Kinotag. Um einen schönen Start in die Sommerferien zu bieten, geht es morgen in den „Movie Park“ nach Bottrop. Nathalie Jakob unterstützt in den Ferien darüber hinaus das Zeltlager der evangelischen Jugend Upland in Bad Karlshafen

Jugendrat: Die Mitglieder unterstützen Nathalie Jakob bei der Planung der Projekte wie dem Juxturnier. Es handelt sich nicht um einen Jugendbeirat, den die Gemeindevertreter bei politischen Fragen einbeziehen können.

Fußball-Juxturnier: Zum dritten Mal sind Jugendmannschaften aus der Gemeinde und der Mittelpunktschule 2011 gegeneinander angetreten. 2012 ist eine Neuauflage geplant.

Segelkurs: Wie in den Vorjahren gibt es im Juli 2012 einen einwöchigen Segelkurs am Diemelsee. Zusammenarbeit mit dem „Mädchenbus Nordhessen“: Ziel ist, Mädchen im ländlichen Raum zu stärken.

In puncto Schulsozialarbeit will Nathalie Jakob 2012 folgende Schwerpunkte setzen: Anti-Mobbing-Arbeit: „Mobbing ist in Grund-, Haupt- und Realschule ein akutes Problem, das rund 70 Prozent meiner Beratungsarbeit einnimmt“, berichtet die Adorferin. Um dem entgegenzuwirken, habe sie getreu ihrem Leitsatz „Prävention statt Intervention“ ein Konzept mit Gruppenarbeit und Einzelberatung erstellt. Das Ziel lautet: keine Gewalt an der MPS. l?Mädchenarbeit: Unter dieses Stichwort fasst die Schulsozialarbeiterin ein Programm, mit dem sie gezielt Cliquenbildung und Zickereien unter Mädchen begegnet.

Ziele sind gegenseitiger Respekt und die Wiederherstellung einer guten Klassengemeinschaft.

Selbstbewusstsein stärken

Team- und Gruppentraining: Es kommt zum Tragen, wenn das Klassenklima verbessert werden muss. Mädchen und Jungen lernen, freundlich und respektvoll miteinander umzugehen. Kinder stark machen: Das Gewaltpräventionsprogramm für Erstklässler lehrt diese, „Nein“ zu sagen und soll so vor sexuellen Übergriffen schützen. Das Selbstbewusstsein älterer Schüler stärkt die Sozialpädagogin mit Sensibilisierungs- und Gefühlstraining.

Ostercamp: MPS-Lehrer und Schulsozialarbeiterin verbinden Unterricht und Freizeit in den Osterferien. Im Camp bereiten sich Abschlussschüler auf die Prüfungen vor. Spiel-, Sport- und Bastelangebote stehen allen Mittelpunktschülern offen, denn nicht jeder verreist in den Ferien. Raucher-/Alkoholprojekt: Kürzlich schloss die erste MPS-Klasse den europaweiten Wettbewerb „Be smart – Don’t start“, der das Nicht-Rauchen attraktiv machen soll, mit Zertifikat ab. Drei Klassen hatten teilgenommen. 2012 plant Nathalie Jakob den Fokus auf Alkoholprävention zu richten.

CDU-Kritik

„Von all diesen Projekten fühle ich mich fast erschlagen“, betont Dr. Beate Schultze (CDU) kritisch und fragt: „Warum wiederholen Sie Projekte wie das Raucherprojekt nicht von Jahr zu Jahr? Kontinuität ist wichtig.“ Sie arbeite problemorientiert, aber durchaus kontinuierlich, antwortet Nathalie Jakob. Ein Beispiel sei das Projekt „Kinder stark machen“, das sie jedes Jahr anbiete. „Außerdem werde ich irgendwann einen Pool haben, aus dem ich schöpfen kann.“ Fortbildungen seien dafür wichtig und derzeit wolle sie möglichst viel Wissen anhäufen, erklärt die junge Frau.

„Der Stoff aus dem Studium reicht oft einfach nicht aus, deshalb absolviere ich an den Wochenenden zum Beispiel eine dreijährige Ausbildung als systemische Beraterin und Therapeutin.“

„Überschaubare Kosten“

Kritisch hinterfragt Jörg Weidemann (CDU) die Mobbing-Problematik: „Wie ist die Lage im Vergleich zu anderen Schulen? Man kann sich ja seine Arbeit auch machen?“ Schulsozialarbeiter an anderen Schulen berichten laut Nathalie Jakob in der Tat von höheren Fallzahlen. Warum sie die Problematik dennoch so ernst nimmt, erklärt sie mit ihrem Leitsatz: „Prävention vor Intervention.“ Eine weitere wichtige Information bekommen die Gemeindevertreter durch die Nachfrage von Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling (SPD) nach den Finanzen: Neben den Personalkosten fallen laut Nathalie Jakob lediglich „überschaubare Materialkosten“ für die Schulsozial- und Jugendarbeit in Diemelsee an.

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