700 Jahre Nieder-Schleidern: Waschtag wie zu Oma Zeiten auf Festmeile am 23. Juni

Der mühsame Weg zur weißen Weste

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Waschen wie zu Großmutters Zeiten (v.l.): Gertrud, Karin und Lara Schlichtherle zeigen, wie mit Waschbrett, guter Kernseife und viel Muskelkraft auch anno dazumal die Wäsche porentief rein wurde.

Korbach-Niederschleidern - Fast wie früher: Auf der Wiese hinterm Haus liegt die weiße Wäsche zum Bleichen im Gras. Lange Unterhosen, Bettwäsche, Handtücher. Gertrud Schlichtherle kann sich noch gut erinnern: „Als Kinder mussten wir aufpassen, dass keine Enten oder andere Tiere über die Wäsche gelaufen sind.“

Was früher Schwerstarbeit für die Frauen war, soll bei der Festmeile zur 700-Jahr-Feier in Nieder-Schleidern am 23. Juni ein Vergnügen für Jung und Alt werden: Im Garten von Familie Schlichtherle ist Waschtag wie zu Großmutters Zeiten angesagt.

Aus der Aar, die wenige Meter entfernt am Garten vorbeiplätschert, holten sie damals das Wasser, um die in der Sonne bleichende Wäsche feucht zu halten.

Lange Plackerei

Waschen war eine tagelange Plackerei. Erst in den 60er Jahren setzten sich die ersten vollautomatischen Waschmaschinen durch und erleichterten den Hausfrauen das Leben. Auf der Festmeile zur 700-Jahr-Feier am 23. Juni will Gertrud Schlichtherle aber wie zu Großmutters Zeiten den alten großen Waschkessel einheizen.

So einen hatte vor 50, 60 Jahren fast noch jeder Nieder-Schleiderner Haushalt in der Waschküche stehen. Die Bauern nutzten ihn auch, um Kartoffeln für die Schweine zu kochen, um Wurst oder auch Zwetschgenmus herzustellen. „Wer nicht so viel Wäsche hatte, reinigte sie auf dem Herd im Einkochkessel“, sagt Gertrud Schlichtherle.

Waschtag war nur alle vier bis sechs Wochen. In großen Bottichen, Zubern und Trögen weichte die Wäsche zuerst über Nacht ein. In aller Frühe ging dann der eigentliche Waschtag los. Dabei halfen sich die Nachbarsfrauen oft gegenseitig. Im Kessel dampfte die heiße Lauge, in der die Wäsche mit einem Holzlöffel gestampft werden musste.

„Als Waschmittel verwendete man Kernseife und Schmierseife“, sagt Schlichtherle. War die Wäsche sehr schmutzig, musste sie kräftig mit der Hand auf dem Waschbrett gerieben werden. „Und hier auf dem Land hatten wir oft sehr schmutzige Wäsche.“

Wie das Leben anno dazumal war, wollen die Nieder-Schleiderner an vielen Stationen auf der Festmeile zeigen, die sich am Sonntag, 23. Juni, durch das Dorf ziehen wird. Ein Schmied stellt sein Handwerk vor, ein Fuhrwagen mit Pferdegespann ist unterwegs, Kräuterfrauen aus Lengefeld ziehen durchs Dorf und auch historische Schaukämpfe soll es geben. Viele Attraktionen, Sehenswürdigkeiten und Unterhaltung für Jung und Alt sowie kulinarische Genüsse sollen den Festbesuchern geboten werden. Kräuter aller Art stehen etwa bei Sabine Briehl im Mittelpunkt. In der Kräuterteestube in ihrem Garten können sich die Gäste aus frischen Kräutern einen Tee zubereiten lassen. Außerdem hängt sie Gebetsfahnen auf, zeigt geflochtene Weidenobjekte und Körbe und stellt das Kinderbuch „Der Wind in den Weiden“ vor. Geplant ist auch eine Gartenlotterie zugunsten der Dorfjugend.

Ihrer gemeinsamen Namenspatronin, der heiligen Ursula, haben die katholische und die evangelische Kirchengemeinde mehrere Aktionen gewidmet. Und auch für Kinder gibt es ein abwechslungsreiches Programm. Unter anderem lassen die Grundschule Eppe und der Kindergarten Hillershausen alte und fast vergessene Kinderspiele wieder aufleben.

Hintergrund

„Man trifft sich!“ ist das Motto: 1313 taucht der Name Nieder-Schleidern zum ersten Mal in einer Urkunde auf. 700 Jahre Ortsgeschichte wollen die rund 170 Einwohner des Korbacher Stadtteils deshalb mit ihren Gästen in diesem Jahr groß feiern. Für die Jubiläums-feier am 22. und 23. Juni hat Nieder-Schleidern ein buntes Programm mit Musik, Tanz und Festmeile auf die Beine gestellt.(lb)

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