Früherer Vizekanzler und MdB Ullrich Meßmer bei der SPD im Upland

Müntefering kommt zur Ehrung

Ehrung mit prominenten Gästen bei der Willinger SPD (v. l.): Stephan Scharnhorst, Thorsten Kesper, Manfred Feistner jun., Brunhilde Panter, der frühere Vizekanzler und SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering, Manfred Feistner sen., Bundestagsabgeordneter

Willingen - Die Willinger SPD ehrte langjährige Mitglieder. Prominenter Gratulant war der frühere Vizekanzler und Bundesarbeitsminister Franz Müntefering.

„Ich hab Zeit. Ich muss nur um 16.22 Uhr am Bahnhof in Brilon-Wald sein“, meinte Franz Müntefering (72) augenzwinkernd. Für den früheren SPD-Vorsitzenden, Bundesarbeitsminister und Vizekanzler (2005 bis 2007) in der CDU/SPD-Koalition hört das Sauerland eben nicht an der westfälisch-hessischen Landesgrenze auf. Zum Katzensprung hinüber ins Waldecker Land hat der prominente Arnsberger Sozialdemokrat also schon oft angesetzt.

Bei der Bundestagswahl 2013 will „Münte“ nicht mehr antreten, signalisierte er zuletzt in Berlin. Die politische Basisarbeit bleibt ihm indes wichtig: Ehrungen verdienter Mitglieder, Rückblick und Ausblick, „das ist ein Stück, das die Politik braucht“, betonte Müntefering am Samstagnachmittag im Hotel „Hochsauerland 2010“.

Eingeladen hatte Thorsten Kesper, neuer Vorsitzender des Willinger SPD-Ortsvereins. Und neben Müntefering kam auch Ullrich Meßmer (Calden), Bundestagsabgeordneter im Wahlkreis Waldeck, zum Stelldichein ins Upland.

Auf dem Programm standen Auszeichnungen für 25-, 40-,50- und 65-jährige Mitgliedschaft, eine Zeitspanne, die Müntefering als Zeitzeuge aus sozialdemokratischer Sicht skizzierte: ob Neuorganisation der SPD nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 bis 1945) unter Kurt Schumacher, Wiederwahl Willy Brandts 1972 zum Bundeskanzler oder die politischen Umwälzungen in Osteuropa Ende der 80er-Jahre.

Kanzlerkandidat im Blick

Einen aktuellen „Bericht aus Berlin“ lieferte Ullrich Meßmer. Der SPD-Bundestagsabgeordnete gab Einblick in seine Arbeit als Mitglied im Verteidigungsausschuss und im Menschenrechtsausschuss des Parlaments. Aber auch die Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück war natürlich Thema in Willingen.

Die Debatte um Vortragshonorare des frisch gekürten SPD-Kanzlerkandidaten zog zum Wochenende weitere Kreise. CDU und FDP erhöhten den Druck. Doch Meßmer sieht in den Attacken eher scheinheiliges Ablenken von eigenen Schwächen. Die schwarz-gelbe Regierung sei offenbar sehr nervös, weil „Steinbrück die richtigen Antworten hat“ auf drängende poli­tische Fragen - ob Alterssicherung, soziale Gerechtigkeit, berufliche Perspektiven für junge Menschen oder Auswege aus der Finanzkrise.

Nach dem Ausflug in die große Politik nahmen langjährige Mitglieder der SPD in der Gemeinde Willingen ihre Auszeichnungen persönlich entgegen: Manfred Feistner jun. (25 Jahre), Herbert Wittenborn und Manfred Feistner sen. (40 Jahre) sowie Brunhilde Panter (65 Jahre).

Edwin und Brunhilde Panter sind aus Gelsenkirchen nach Willingen gezogen und lernten sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs bei den Jusos kennen. Brunhilde Panter (Jahrgang 1926) wurde im Januar 1946 SPD-Mitglied, also vor über 66 Jahren. Quicklebendig schilderte sie am Samstag Erfahrungen und Erlebnisse aus dieser Zeit. Von Jörg Kleine

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