Fachforum Elektromobilität mit Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und Professor Hannes Brachat

„Müssen Kunden vor Ort überzeugen“

Korbach - Bis 2050 wird es Benzin- und Dieselkarossen geben, doch ehrgeizig wird in der Automobilbranche auf die Weiterentwicklung anderer Antriebe gesetzt. Beim Fachforum für Elektromobilität mit Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und Professor Hannes Brachat wurde das deutlich.

Beide sind exzellente Kenner der Automobilbranche – aus verschiedenen Blickwinkeln. Der eine als Vorstandsvorsitzender der Adam Opel AG, damit verantwortlich für das operative Geschäft von Opel/Vauxhall – und das in für den Automobilmarkt wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Der andere als Professor für Automobilwirtschaft und Herausgeber des Fachmagazins „Autohaus“ – und damit als unabhängiger Beobachter des Automobilmarktes (siehe „Zur Person“). Zusammen zeichneten Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke und Professor Hannes Brachat beim Fachforum Elektromobilität, zu dem die Innung des Kfz-Gewerbes und die Kreishandwerkerschaft Waldeck-Frankenberg für Freitagabend ins Korbacher Bürgerhaus eingeladen hatten, ein differenziertes Bild von der Zukunft der Mobilität: „Wir werden andere Fahrzeuge bekommen – und müssen davor keine Angst haben“, unterstrich Brachat, was Stracke zuvor in seinem Redebeitrag schon angedeutet hatte: In Bezug auf Opel pries Stracke die Einführung des Elektroautos „Ampera“ als weltweit erstes alltagstaugliches Elektrofahrzeug seiner Art. Er unterstrich damit die Vorreiterrolle, die Opel als europäischer Hersteller auf dem Elektromobil-Markt habe – und setzte ehrgeizige Ziele für den „Ampera“, der mit (noch) teuerer Lithium- Batterie betrieben wird: „In drei Jahren sollen die Kosten halbiert und die Speicherkapazität erhöht werden“. Grundsätzlich halte der „Trend zu mehr Technologie an, das bedeutet höhere Anforderungen an Service-Betriebe und Ausbildung“. Dabei sei Elektroantrieb nur ein Modell der Zukunft, erklärte Stracke: Langfristig würden sich Wasserstoffantrieb oder Brennstoffzellen durchsetzen, ist sich Stracke sicher: „Wir müssen ein Wasserstoffauto entwickeln“. Das nicht zuletzt, weil China den Markt für Lithium kontrolliert – und, wie Brachat ausführte, oberste Priorität auf Elektromotoren für den eigenen Markt setzt. Professor Hannes Brachat mahnte wiederholt, neue Mobilitätskonzepte, die der Kunde auch finanzieren könne, über Kooperationen zu entwickeln und sich dabei nicht nur auf Elektromobilität zu konzentrieren. „Wir haben automobilistisch eine ganz tolle Zukunft, wenn wir offen sind für neue Konzepte“, riet er: „Wir müssen sämtliche Systeme, die es gibt, miteinander verknüpfen“. Den Kfz-Betrieben und -Händlern, die zunächst vor der Aufgabe „Elektroauto“ stehen, legte er nahe, die Entwicklung offen zu begleiten, dann könne in Deutschland ein guter Markt dafür erschlossen werden. Einen Elektroauto-Arbeitsplatz einzurichten koste rund 3800 Euro – für markengebundene Werkstätten sei das tragbar. „Sie müssen die Kunden vor Ort überzeugen; können auch Elektrofahrräder verkaufen – sind die Kunden einmal mit den Vorzügen des Systems vertraut, sind sie auch offener für Elektroautos“, schwärmte er während seines kurzweiligen Vortrags. „Solange es Autos gibt, werden wir gebraucht“, blickt Brachat zuversichtlich in die Zukunft. Obermeister Frank Maurer und sein Stellvertreter Reinhold von Eynern dankten für das Fachforum, das Thomas Korte moderierte und zu dem am Freitag rund 50 Interessierte gekommen waren.

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