12 Tenöre ziehen das Korbacher Publikum in ihren Bann

Munterer Wechsel der Stimmen

Faszinierende Stimmen und große Show boten die 12 Tenöre in der Stadthalle: Kommunikator Alexander Herzog inmitten seiner Kollegen bei „Delilah“, der ersten Gelegenheit zum Lachen und Mitmachen. Fotos: Armin Hennig

Korbach - Beeindruckend choreografierter Belcanto mit einem Schuss Komik: Mit dieser Mischung begeisterten „The 12 Tenors“ erneut das Publikum in der ausverkauften Korbacher Stadthalle.

„Seit unserem letzten Besuch ist aus Korbach eine Hansestadt geworden“, blickte Kommunikator Alexander Herzog, der mit Carl Davies und Lutz Thase zum harten Kern der Gruppe gehört und bislang jedes Mal dabei war, auf die Veränderungen zurück.

Er forderte die eingeschworene Fangemeinde gleich zu Beginn auf, nicht hinter der beeindruckenden Begeisterung früherer Jahre zurückzufallen. Dabei erwies sich das mit 12 Tenorstimmen eindrucksvoller denn je angestimmte „O Fortuna“ als ideale Starthilfe.

Mitreißender Ausbruch aus der Routine

Der Eingangschor aus Carl Orffs „Carmina Burana“ gehörte zu den Neuheiten des aktuellen Programms. Bei zahlreichen gern wieder gehörten Klassikern sorgten geänderte Rollenverteilungen oder frische Stimmen mit überwältigenden Klang­eigenschaften für einen mitreißenden Ausbruch aus der Routine. Allen voran Edwin Cotton, der mit seiner tänzerischen Grazie seine Eröffnungstakte von „Volare“ oder „Delilah“ mit zusätzlichem Schwung versah, der sich auf seine Kollegen übertrug.

Eine weitere tragende Rolle hatte der Neuzugang als dunkler und schlagfertiger Sidekick zu seinem gewichtigen Kollegen Alexander Herzog. Im Stil zahlreicher Hollywoodkomödien, in denen die unterschiedliche Hautfarbe als Reibungsfläche fungiert, zogen sich die beiden immer wieder auf und aneinander hoch.

Auf der musikalischen Ebene verweigerte sich die Show der 12 Stimmen aber typischen Zuordnungen. Den Michael-Jackson-Part überließ das Multitalent aus New York den britischen Kollegen Carl Davies und Oli Reynolds, die mit „The Man in the Mirror“, „Beat it“ und „Thriller“ eine atemberaubende Hommage an den King of Pop in Szene setzten. „Nessun dorma“ von Giacomo Puccini erwies sich nicht nur als Opern-Highlight der ersten Hälfte, sondern auch als ideale Gelegenheit für Oliver Metcalfe, Maciej Dziemianczuk, Alexander Herzog und Michael MacAveety, vor der Pause noch einen unvergesslichen Eindruck zu hinterlassen.

Ging die erste Hälfte denkbar klassisch zu Ende, so läutete das von Sergey Kustov gespielte Piano-Pattern von „The Voice“ die zweite Hälfte mit Pop-Sounds ein. Erwies sich die Hommage an die Achtziger als von 12 gestandenen Chorknaben vorgetragene homogene Hymne, so brach beim von Krzysztof Ciupinski-Swiatek angestimmten „Libiamo“ (Trinklied) aus Giuseppe Verdis „La Traviata“ der Spieltrieb durch. Denn beim munteren Wechsel der Stimmen durch die Strophen versuchten Maciej Dziemianczuk, Oli Reynolds und Carl Davies einander nicht nur mit sängerischen Mitteln zu überbieten, auch auf der Bühne ging es zunehmend lebhafter zu.

Überhaupt war der zweite Durchgang stärker auf Kontrast gestellt. Bezeichnend war dabei die Kombination Bond-Medley/Imagine. Konnten sich die Zuhörer bei John Lennons Ballade zurücklehnen und zu den beruhigenden Klängen des Ex-Beatle die Augen schließen und von einer besseren Welt träumen, so waren diverse Weltrettungsmissionen von 007 mit wechselnden vokalen Hauptdarstellern als echte Hingucker in Szene gesetzt.

Ging Monty Normans „Bond-Theme“ noch als Ouvertüre für 12 Agenten über die Bühne, so lösten sich Justin Moore (From Russia with Love), Carl Davies (Skyfall) und Michael MacAveety (Golden Eye) aus dem Kollektiv der Begleitstimmen, um im Dienst der Zuhörer ihre vokale Mission zu erfüllen.

Der Tenor-Wettstreit mit „O Sole Mio“ zwischen Alexander Herzog und Herausforderer Ollie Metcalfe wurde mit mehr Lagerdenken und Leidenschaft denn je ausgetragen, endete letztlich trotzdem mit einem klaren Unentschieden.

Mit dem Queen-Medley und „We will rock you“ als unwiderstehlicher Aufforderung zum Mitmachen setzten die 12 Tenöre eine Verpflichtung zur Zugabe an den Schluss des offiziellen Programms.

Das Finale mit dem Strip zu einer vielstimmigen Version von Joe Cockers „You can leave your hat on“ ist schon so etwas wie ein Ritual, regelmäßiger Modellwechsel bei den nackten Tatsachen Pflicht.

In der Tradition des britischen Humors

Nach der vergleichsweise züchtigen Vorstellung vom letzten Mal gewährte Matthew Hobbs den Zuschauerinnen an diesem Abend unverstellte Blicke auf sein Tattoo. In bester Tradition des britischen Humors nahmen die Tenöre die lautstarken Wünsche nach Zugabe auf die Schippe: Denn als erste Reaktion auf die lautstarken Wünsche nach einer weiteren Zugabe traute sich der gewichtige Alexander Herzog schon ein paar Knöpfe mehr als noch 2013 und drohte für das nächste Gastspiel schon einmal den „full Monty“ (Strip bis auf den Slip wie die Chippendales) an.

Mit „Time to say goodbye“ klang die gelungene Mischung aus Show, Komik und „Belcanto“ endgültig aus.Von Arimin Hennig

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