Projekttag in Louis-Peter-Schule: Initiative Black & White bringt Afrika näher

Musik erzeugt schnell Nähe

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Afrikanische Lebensfreude. Daniel Fartong trommelt, redet und lacht mit den Schülern.  

Korbach. Was geht mich Afrika an, das ist doch so weit weg! Der Kakao im Küchenschrank oder das meist im Kongo gewonnene Erz Coltan, das in jedem Handy steckt, können leider nicht reden.

Doch es gibt Sprachrohre für den schwarzen Kontinent: Die Mitglieder der Initiative Black & White aus Wanfried reden drüber, gehen näher ran, indem sie selbst erlebten Alltag aus Afrika erzählen. Das können sie, weil die Gruppe bis auf einen Deutschen aus Afrikanern besteht. Ihre Zuhörer sind an diesem Mittwoch die Schüler und Schülerinnen der Klassen 5 bis 8 der Louis-Peter-Schule in Korbach. Die Schülervertretung hat für sie diesen Projekttag organisiert, der von Schulleiter Michael Gering und den Lehrern unterstützt wird. Wie nähern sich Menschen freundschaftlich an, die sich fremd sind und aus zwei unterschiedlichen Kulturkreisen kommen? – Durch kulturelle Angebote.

Tanz, Gesang oder Musizieren ist wie der Sport eine Schnittmenge für weltweites Völkerverständnis. Zusätzlich setzt die Initiative Black & White auf den Mitmach-Effekt, denn sie bietet den Schülern Trommel-, Tanz- und Singworkshops an und hofft, dass die Kinder in der aktiven Rolle bemerken, dass sich eine Begegnung mit Menschen anderer Hautfarbe nicht anders anfühlt als jedes andere Treffen auch.

Ein Kurzbesuch in den Workshops Gesang und Trommeln zeigt, dass die Musik schnell Nähe erzeugt. Gabriel Funde übt mit seinem „Schulchor“ ein afrikanisches Lied ein und übersetzt die Worte ins Deutsche, der Trommler Daniel Fartong schlägt zwischen den Klängen seiner Djembe-Trommel, die dann alle Schüler mitschlagen, auch verbale Töne gegen Vorurteile an, die allerdings etwas plump und daherkommen: „Viele Europäer sagen immer noch, alle Afrikaner sind schlecht, glaubt das nicht, es gibt schlechte Afrikaner, aber auch viele gute, das ist in Afrika nicht anders als in Europa oder Amerika.“ Schulisch wird es im vierten Workshop, der die Informationen liefert. „Wenn unsere Arbeit von den Schülern weitergegeben wird an Freunde und Familie, haben wir unser Ziel erreicht“ sagt Wolfgang Lieberknecht, der einzige Deutsche und Weiße in der Initiative Black&White.

Der ehemalige Journalist hat diese Initiative vor rund 20 Jahren mit seiner afrikanischen Frau Eunice gegründet. Lieberknecht zeigt Fotos aus Ghana und verfügt dabei über eine Sprache, die vor allem junge Zuhörer in ihren Bann ziehen kann. Das belegt die Stille im Raum, während des Vortrags. Er hofft, dass das eine oder andere im Kopf der Zuhörer hängen bleibt, etwa dass 60 Kinder in einer Schulklasse in Ghana sitzen, die Schuluniform Pflicht ist, der Schulbesuch Geld kostet. Lieberknecht stellt in seinem Vortrag „Leben in Afrika und was wir damit zu tun haben“ auch wirtschaftliche Verbindungen von Afrika in den deutschen Privathaushalt her. Er thematisiert auch den Klimawandel, die Regenwaldzerstörung und schließt daraus, dass die heutige Flüchtlingswelle in Zukunft noch ganz andere Höhen erreichen werde. Sein Appell: „Wir müssen alle mehr tun!“

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