Glänzend aufgelegte Sänger bei „Musical Highlights“ · Defizite bei Kostüm und Tanz

Musikalisch top, szenisch flopp

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Überzeugte das Publikum mit seinen Stimmen: Das Ensemble von „Musical Highlights“.

Korbach - Einen musikalisch abwechslungsreichen Streifzug durch die Welt des Musicals unternahm das stimmlich glänzend aufgelegte Ensemble von „Musical Highlights“.

Insbesondere bei den Film-Hits „Greased Lightnin‘“, „Stayin alive“ oder „Time of my life“ gingen die Zuhörer in der Stadthalle klatschend mit auf die Reise. Wer allerdings auf die spektakuläre Hebefigur beim Dirty-Dancing-Hit spekuliert hatte, wurde enttäuscht: Im szenischen und choreographischen Bereich führte dieses Jahr wohl der Rotstift Regie.

Immerhin waren die musikalischen Leistungen durch die Bank dazu angetan, das Publikum aus dem Alltag zu entführen, wie von Petter Bjallö bei der Eingangsmoderation versprochen.

Der Tenor übernahm auch gleich die Führungsrolle bei „Sei hier Gast“ und in der großen Arie „Wie kann ich sie lieben“ aus „Die Schöne und das Biest“. Mit der Jazz-Ballade „Have you met Miss Jones“ brillierte der Sänger auch im nächsten Themenblock: der eindrucksvollen Hommage an die Swing-Ära. Die Hits aus Broadway-Musicals der Zwanziger und Dreißiger wurden Jazz-Klassiker, die Jahrzente später in neuem Gewand auf die Musical-Bühne zurückkehrten.

Die Ensemble-Versionen von „Sing, Sing, Sing“ (Benny Goodmann) und „It don‘t mean a thing“ (Duke Ellington) umrahmten auch den ersten Auftritt von Alvin Le Bass. Der Neuzugang im Ensemble hinterließ mit seiner verhaltenen Version von „Mister Bojangles “ einen guten ersten Eindruck. Nach der Pause drehte der Bariton als Frontman „Judas“ beim „Jesus-Christ-Superstar-Medley“ und erst recht mit den „Burn-Baby-Burn“-Rufen beim „Disco-Inferno“ richtig auf.

Die Konstellation „Unvereinbare Paare“ bescherte den Urgesteinen Daniel Dodd-Ellis und Sabine Neibersch den ersten großartigen Duo-Moment bei „Gefährliches Spiel“. Das gespenstische Duett aus „Doktor Jekyll and Mister Hyde“ bewegte sich szenisch und musikalisch in großer Nachbarschaft zu Andrew Lloyd-Webbers „Phantom of the Opera“. Dem Großmeister des neueren Musicals war eine umfassende Hommage gewidmet, als dessen Höhepunkt sich das gruselige Katzenduett um den mysteriösen kriminellen Kater „Macavity“ erwies, das Janina Goy und Sabinie Neibersch mit größtmöglichem Biss auf die Bühne brachten.

Als wahre Stimmungsrakete erwies sich das „Licht am Ende des Tunnels“. Beim Spiritual aus „Starlight-Express“ übernahm Daniel Dodd-Ellis die Führungsrolle. Der Bass im Ensemble begeisterte auch als falsettierender Vortänzer beim Disco-Klassiker „Staying alive“. Mit seiner vielschichtigen Interpretation von „Wenn ich einmal reich wär‘“ hatte er auch als Solist Zeichen gesetzt.

Im zweiten Swing-Block mit Stücken aus dem Musical „Chicago“ gaben die Frauen den Ton an, allen vorn Karen Hylander, die bei „All that Jazz“ im Rampenlicht stand und beim „Zellenblocktango“ als Erste mit ihrem Mord und den Motiven herausrückte.

Das erste und das letzte Solo blieb dem weiblichen Neuzugang vorbehalten: Janina Goy stellte sich dem Korbacher Publikum mit einem eindrucksvollen „Farbenspiel des Windes“ vor und beendete die erste Zugabe mit „I will follow him“ aus „Sister Act“.

Die Routiniers im Publikum wussten, dass bislang jede Vorstellung der „Musical Highlights“ mit einem besonderen Gutenachtlied ausgeklungen war und wurde auch dieses Mal nicht enttäuscht: „Hinterm Horizont“ erwies sich als abschließendes und mitsingfreudiges Farbenspiel der Stimmen.

Musikalisch war an diesem Abend alles im grünen Bereich, im szenischen Bereich gab es dafür etliche Defizite zu beklagen. Die im Vorjahr zumindest noch teilweise rollentypischen Kostüme (Hair, Rocky Horror Picture Show) waren inzwischen komplett aufgegeben. Immerhin gab es beim letzten Mal noch den einen oder anderen schön choreographierten Augenschmaus. In diesem Jahr blieb entweder keine Probenzeit, oder der diesmal ausschließlich für die Choreographie verantwortliche Philipp Hägeli war eine glatte Fehlbesetzung auf der Szene. So gut gesungen und trefflich interpretiert die Höhepunkte aus 80 Jahren Musicalgeschichte auch waren, so hinterließ dieses Korbacher Gastspiel doch den Eindruck, dass die beliebte Reihe szenisch und choreographisch kaputt gespart wird.

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