Evangelischer Kinder- und Jugendchor Korbach begeistert in der Stadthalle mit seinem Musical „Schockorange“

Musikalische Krönung zum Geburtstag

Korbach - Zum zehnten Geburtstag des Ensembles krönten die jungen Sänger des Evangelischen Kinder- und Jugendchores ihre Arbeit: Am Samstagabend begeisterten sie vor ausverkaufter Stadthalle mit ihrem Musical „Schockorange“.

Kaum war der letzte Ton verhallt, brandete ein lauter Applaus auf – die Belohnung für einen großen Musicalabend. Zwei Stunden lang boten die Sängerinnen und Sänger des Kinder- und Jugendchores große Stimmen, begeisterndes Schauspiel und eine berührende Gemeinschaftsleistung. Und das ab dem ersten Moment: Als der Vorhang sich hob, die ersten Töne aus dem Orchestergraben durch die Stadthalle schwebten, da schien alle Aufregung wie weggeblasen. Von jetzt auf gleich kam der große, gut aufgelegte Chor in Bewegung, orange glitzernde Müllmänner erledigten singend ihre Arbeit und der musikalische Nachwuchs mit den Kehrbesen in den Händen blickte mit großen Augen ins Publikum. Das Spektakel begann. Zum zehnten Geburtstag hatte sich der Evangelische Kinder- und Jugendchor in Schale geworfen – alte Hasen ebenso wie die jüngsten Sänger bei ihrer Premiere. Und es war, als würde das gespannte Publikum an den Lippen der Schauspieler kleben, die die Geschichte von Müllmann Rocco Dilettanto und Bankmanager Arthur Richard Millionski erzählten. Schon ihre erste Begegnung auf der Bühne entpuppte sich für die Zuschauer als Hochgenuss: Anna Bödefeld, die beherzt den unzufriedenen Banker spielte, lief zur Hochform auf. Sie schauspielerte, was das Zeug hielt, und überraschte dann mit einer klaren und selbstbewussten Singstimme, die ihre Kollegen anzustecken schien. Und auch Entsorgungsentertainer Rocco hatte das Publikum vom ersten Moment auf seiner Seite: Malte Niem, der längst auf den Bühnenbrettern zu Hause ist, gab so überzeugt den Rhythmus der Müllmänner vor, dass auch im Publikum die ersten Füße zu klopfen begannen. „Das Zwerchfell muss wippen, sonst kann man nichts wuppen“, stellte er fröhlich fest und hatte die „Schockorange Combo“ im Rücken. Die gut aufgelegte Gruppe der Müllmänner bewies Talent: Vor allem, wenn die Band im Orchestergraben auf Sprechgesang umstellte, schienen die Jungs in ihrem Element zu sein. Sie trommelten und groovten, verwandelten Mülltonnen, Besen und Handfeger in Instrumente und wurden von den Bambini des Chores in ihren orangenen Westen tapfer unterstützt. Aus der ersten Begegnung der so grundverschiedenen Hauptrollen entwickelte sich eine heitere Geschichte mit Tiefgang: Der Müllmann und der Banker tauschten die Rollen und plötzlich stand die Welt kopf. Während sich Millionski im Milieu der Müllmänner an alte Zeiten als Schlagzeuger erinnerte, wurde Rocco zum Überflieger. Die Tastatur des Computers im Chefbüro verwandelte er kurzerhand in eine Klaviatur und plötzlich stiegen die Kurse. „Gute Laune, gute Kurse“: Sein Motto steckte die hohen Tiere der Bankwelt schnell an – und das Publikum auch. Als Malte Niem mit einem radebrechenden Wortschatz erst mit den Amis, dann mit Chinesen und Russen telefonierte, dabei von Feng-Shui bis Wodka keine Vokabel ausließ, da hielten sich die Zuschauer lachend die Bäuche. Den orangen Overall des Müllmanns hatte er da längst in einen orangenen Bankeranzug umgetauscht und drei Putzfrauen verwandelten sich durch sein Geld in aufstrebende Partygirls. Ohnehin machte die Besetzung bis in die kleinen Rollen Spaß: Elena Keudel, die als Chefsekretärin das Handtuch schmeißt und Blumenhändlerin wird, rockte die Bühne wie ein alter Hase und begeisterte mit einer großen Stimme. Und die Putzdamen Sina Ruland, Luisa Figge und Marie Jesinghausen sprachen mit hinreißendem Akzent, ließen die Hüften schwingen und tobten sich in ihren Rollen auch gesanglich aus.Als Rocco schließlich übermütig wird und sich in der Macht verliert, fallen die Börsenkurse ins Bodenlose. Er kehrt gut gelaunt zu seiner Combo zurück. Die Geschichte endete, wie sie begann: mit fröhlich fegenden Müllmännern – und einem hochzufriedenen, strahlenden Team um Thomas Schwill, Eberhard Jung und Georg Lungwitz, tosendem Applaus und stehenden Ovationen. (resa)

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