Giulin-Quartett zieht 170 Zuhörer in ihren Bann · Intensives und beglückendes Konzert

Musiker halten die Spannung hoch

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Weit ausgesponnene melodische Bögen bei Dvoraks Klavierquintett: Joachim Hamm, Christiana Nobach, Yevgeniya Schott, Joachim Pries, Malte Meesmann.

Korbach - Großartige Musik für einen guten Zweck, diese Kombination garantiert in Korbach volle Säle.

Über diese Erfahrung freute sich Bernd Schlieter in seiner Eröffnungsrede zum Konzert des Giulin-Quartetts zugunsten des Integrationsprojekts MIT der Evangelischen Stadtkirchengemeinde im Bürgerhaus. Denn 170 Zuhörer sind eine stattliche Zahl für ein Kammermusikkonzert, in der Vorwoche hatten sich gerade mal 50 Unentwegte in der Stadthalle zusammengefunden.

Mit Haydns Lerchenquartett, Schostakowitschs Quartett Nummer 8 und Antonin Dvor?áks Klavierquintett standen allerdings auch drei überaus populäre Werke auf dem Programm. Schon im ersten Satz (Allegro moderato) ließen die melodischen Sololäufe von Primarius Joachim Hamm keinen Zweifel daran, wie Joseph Haydns Quartett zu seinem Namen gekommen war.

Auch beim liedhaften Adagio cantabile spannte das Giulin-Quartett einen weiten Melodiebogen und steigerte die tänzerische Verve beim Menuetto derart, dass das Publikum nicht anders konnte, als erst einmal spontan Beifall zu klatschen, ehe die quirlige Lerchenstimme im Finalsatz (vivace) noch einmal zu ihrem vollen Recht kam.

Dmitri Schostakowitschs 1960 komponiertes Streichquartett Nummer 8 ist eines der populärsten und zugleich der dichtesten Werke der Gattung. Denn unter dem Eindruck der Ruinen Dresdens und schwieriger persönlicher Umstände hatte der Komponist sein persönliches Requiem geschrieben und dabei die Höhe- und Wendepunkte seines Schaffens zu einer neuen Einheit verdichtet.

Christiana Nobach gab zuvor eine Einführung in das komplexe Werk, bei dessen ersten Takten sich trotzdem viele auf vertrautem musikalischem Terrain befanden, schließlich gehört die Tonfolge auf Basis der Initialen (D, Es, C, H) zum Kernbestand seines Schaffens – an besonders prominenter Stelle in der 10. Sinfonie nach dem Tod des Diktators, dessen lebensgefährlicher Unmut die Karriere des Komponisten mehrfach unterbrochen hatte. Die musikalischen Zitate des Revolutionslieds „Gequält von schwerer Gefangenschaft“ konnten als persönliche Stellungnahme zur aktuellen Situation gelten. Mit harten Strichen eröffnete das Giulin-Quartett das Allegro molto, spielte sich virtuos durch den schrillen Marsch, ließ es bei den Pizzicati im Allegretto prägnant ploppen, ehe Malte Meesmann mit fahlen Cello-Klängen den Totentanz ausklingen ließ. Nach dem bedrückend intensiven Ausklang herrschten etliche Sekunden ergriffen Stille. Tatsächlich hatten die vier Musikliebhaber mit ihrer grandios ausbalancierten Darbietung die Interpretationsversuche von Profi-Ensembles in die Schranken gewiesen. Schostakowitschs dichtes Quartett hatte Musikern wie Zuhörern volle Konzentration abverlangt, bei Antonins Dvor?áks Klavierquintett in A-Dur mit seinen einprägsamen und weiträumig ausgesponnen Melodien konnte sich das Publikum vor allem im Finalsatz (Allegro) zurücklehnen und einfach genießen.(ahi)

Die Eröffnungstakte hatte der Komponist dem Piano vorbehalten, Yevgeniya Schott nutzte die Soli an prominenter Stelle zu inspirierten Eröffnungen, zumal die Pianistin im weiteren Verlauf des ersten Satzes (Allegro ma non tanto – Dumka) eher Akzente an den Tasten setzen konnte, während sich das musikalische Geschehen bei den Streichern dramatisch zuspitzte, bis hin zu dichten Klangballungen bei der „Dumka“.

Die zarten, leicht tröpfelnden Eingangstakte zum zweiten, überaus melodischen Satz gerieten zum stillen Höhepunkt in einem intensiven Konzert, bei dem die Musiker die Spannung stets hoch hielten, in lyrischen Momenten wie dramatischen Passagen. Ein lang anhaltender Beifall und viel persönliche Ansprache im Anschluss an das Konzert waren der Lohn für dieses großartige Konzert für einen guten Zweck. (ahi)

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