Korbach

Nach Fahrt in die Schweiz: Beeindruckt von neuer Kiliansorgel

- Korbach. Hinter die Kulissen einer Orgelbauwerkstatt blickte am Wochenende eine Reisegruppe aus der Kreisstadt. Im Schweizerischen Männedorf begutachteten die Reisenden die neue Kiliansorgel. Ihr Urteil fiel eindeutig aus.

„Wahnsinn.“ Die Gäste aus Korbach sind beeindruckt. Mit großen Augen stehen sie vor der neuen Kiliansorgel. Von hinten drücken die, die noch nicht in die große Halle eingetreten sind, leicht nach, um einen Blick zu erhaschen. Rund 800 000 Euro stehen da vor ihnen. Angelegt in Eichen- und Fichtenholz, handgefertigte Pfeifen und eine gehörige Portion Handwerkskunst.

Seit einem Jahr planen und bauen die Spezialisten vom schweizerischen Orgelbauer Kuhn an dem neuen Instrument für die gotische Altstadtkirche. Wie viel Technik und Fertigkeit im Innern schlummern, wird vielen Besuchern erst jetzt klar. Jede Taste des Spieltisches ist über zig Abgänge mit dem Ventil verbunden, das den Holz- und Zinnpfeifen einen Ton entlockt. Von Hand gefertigt, von Hand eingesetzt und für die nächsten Generationen von Kirchenmusikern haltbar.

Seit zwölf Stunden sind die interessierten Korbacher inzwischen auf den Beinen. Die Müdigkeit nach der Bustour ist in der Werkstatt allerdings wie weggeblasen, so aufgeregt sind viele angesichts des imposanten Neubaus. Vorausgegangen war eine Besichtigung der Betriebsräume. Geschäftsleiter Hans-Peter Keller und Orgelbauer Christoph Jedele hatten die 20-köpfige Truppe durch Intonationswerkstatt, Zinnpfeifenmacherei und Zuschneiderei geführt.

„Im Grund machen wir immer noch dasselbe wie vor 150 Jahren“, lenkte Orgelbauer Jedele den Blick auf die etablierte Handwerkskunst. Fast alle Teile an der Orgel wurden auf dem eigenen Grundstück hergestellt und verarbeitet. Das fängt bei der Verkleidung an und hört bei den Holzkupplungen im Innern auf.

In der zehn Meter hohen Halle haben die Mitarbeiter tausende Einzelteile zusammengebaut. Mitte Januar wird jedes Stück wieder eingepackt und auf die Reise nach Korbach geschickt. Bis zur Woche vor Ostern 2011 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Von Stimmgewalt und Klangfarben einer Kuhnorgel überzeugten sich die deutschen Besucher bei zwei Kirchenbesichtigungen. Den ersten Stopp hatten sie bereits am Freitag in der Heidelberger Jesuitenkirche eingelegt. Hier spielte Bezirkskantor Markus Uhl Stücke von Nicolaus Bruhns und John Rutter.

Den letzten Zweifel fegte dann das Orgelkonzert in Chur zur Seite. Dommusikdirektor Andreas Jetter hatte in der Kathedrale ein Konzert vorbereitet, das alle Möglichkeiten des Instruments darstellen sollte. Mit geschlossenen Augen und gefangen von der Musik hatten die Besucher den beeindruckenden Klang auf sich wirken lassen.

Mehr lesen Sie in der WLZ-Ausgabe vom Mittwoch, 3. November 2010.

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