Die vielen beruflichen Stationen des Frankenbergers Pierre Brandenstein zeugen von einem rastlosen Leben

Nächster Halt: Korbach, Amtsgericht

+

Korbach/Frankenberg - Ab Donnerstag ist Pierre Brandenstein neuer Direktor des Korbacher Amtsgerichts. Bislang war er Vizepräsident des Landgerichts in Kassel.

Davor hat der 43-Jährige innerhalb der hessischen Justiz ganz unterschiedliche Funktionen wahrgenommen. Brandensteins politische Heimat ist die CDU. Der Wechsel vom Landgericht in Kassel zum Korbacher Amtsgericht bringt für Brandenstein viele Veränderungen. Als Vorsitzender der Wirtschaftskammer hat Brandenstein in Kassel aufsehenerregende Strafprozesse geführt, in denen es beispielsweise um Anlagebetrug mit Millionenschaden, um Steuerhinterziehung im großen Stil und um professionellen Zigarettenschmuggel ging.

In Korbach indes werden den Richter Ladendiebstähle, Verkehrsdelikte und zivilrechtliche Prozesse vom Mietstreit bis zu Auseinandersetzungen zwischen Versicherungen und Versicherten beschäftigen. „Beides hat seinen Reiz“, sagt Brandenstein. Während er in Kassel mitunter mit einem einzigen Verfahren über Zeiträume von bis zu einem halben Jahr beschäftigt gewesen sei, komme es in den kleineren Prozessen in Korbach schneller zu Ergebnissen.

„Und man hat im Amtsgericht mehr mit Menschen zu tun“, sagt der Richter, der während seiner Tätigkeit in Kassel vor allem viele Akten gewälzt hat. – Neben der Rechtsprechung hat Brandenstein in Korbach auch eine Behörde mit immerhin 70 Mitarbeitern zu leiten, die mit Aufgaben vom Schreibdienst bis zum Gerichtsvollzug befasst sind.

Erst durch die Zusammenlegung mit dem Bad Arolser Amtsgericht zum Anfang dieses Jahres sei die Stelle des Direktors in Korbach genauso hoch dotiert worden wie Brandensteins bisheriger Posten in Kassel. Damit habe sich auch der Wechsel erst kurzfristig ergeben. Für den Richter aus Frankenberg ist es längst nicht der erste Wechsel in seiner bisherigen beruflichen Laufbahn.

Brandensteins Vita zeugt von einem rastlosen Leben: Aufgewachsen in Guxhagen und Kassel, absolvierte der Wahl-Frankenberger nach dem Abitur im Jahr 1987 zunächst eine Ausbildung bei der Finanzverwaltung. Nach dem Abschluss als Diplom-Finanzwirt im Jahr 1990 begann Brandenstein in Frankfurt sein Jura-Studium, das er 1995 mit dem ersten Staatsexamen abschloss. Danach arbeitete er als Steuerrechtler für einen US-Konzern. Nach dem Referendariat in Frankfurt gab es 1997 zunächst keine freien Richter-Stellen in Hessen. Brandenstein übernahm eine Stelle in der Finanzverwaltung in Magdeburg, wohin er von Frankfurt aus pendelte.

Etwa ein Jahr später bekam Brandenstein kurzfristig seine erste Stelle als Richter – aufgeteilt jeweils zur Hälfte in Tätigkeiten in Kirchhain und Gießen. Anfang 1999 wechselte Brandenstein dann nach Frankenberg. Am Amtsgericht in der Ederstadt hätte er Richter auf Lebenszeit werden wollen und zog deshalb mit seiner Familie um. Doch noch im gleichen Jahr folgte der nächste berufliche Wechsel – zum Marburger Landgericht. In den nächsten Jahren ging es nicht weniger rastlos weiter: Brandenstein war zwischenzeitlich unter anderem im Justizministerium in Wiesbaden beschäftigt, um sich in einer Arbeitsgruppe mit der Wirtschaftlichkeit von Gerichten zu befassen.

Im Mai 2005 wurde Brandenstein erstmals Chef eines Amtsgerichts – und zwar in Kirchhain. Ab 2008 war der Richter dann als Vizepräsident am Landgericht in Kassel tätig. Nebenbei engagiert sich Brandenstein schon seit seiner Guxhagener Zeit politisch. Für die CDU in Frankfurt war er Mitglied in einem Ortsbeirat, in dessen Bezirk unter anderem Flughafen, Museumsufer und Waldstadion liegen. Bei der CDA, einem Arbeitnehmer-Flügel der CDU, ist Brandenstein Vize-Landesvorsitzender.

Über diese Schiene kam es dazu, dass der CDU-Kreisvorstand Marburg-Biedenkopf den Richter gefragt hat, ob er bei der Bürgermeisterwahl in Stadtallendorf kandidieren würde. Dort musste sich Brandenstein im vorigen Oktober in der Stichwahl geschlagen geben. Frankenberger CDU Auch in der Frankenberger CDU engagiert sich Brandenstein. Zunächst war er nur im Stadtverband aktiv, seit der Kommunalwahl im vorigen Frühjahr ist er auch Mandatsträger – er gehört der CDU-Stadtverordneten-Fraktion an. Nach dem Wahl-Desaster der CDU bei der Frankenberger Bürgermeisterwahl am Sonntag ruhen innerhalb der Partei dem Vernehmen nach einige Hoffnungen darauf, dass Brandenstein künftig in der parlamentarischen Arbeit wie auch im Stadtverband mehr Verantwortung übernehmen könnte.

Auch privat wird dem rastlosen Richter nicht langweilig: Mit seiner Ehefrau hat er sechs Kinder, das erste davon ist 1996 zur Welt gekommen, die jüngste Tochter wird nächste Woche vier Jahre alt. Trotz des bunten Familienlebens hat Brandenstein noch ein Hobby: sein Motorrad. Seine musischen Interessen als Posaunenchor-Bläser und Kantorei-Sänger hat Brandenstein indes aus Zeitmangel aufgegeben. Etwas Zeit wolle er ja auch noch mit seiner Großfamilie verbringen können.

Und wie lange wird er den Direktorposten im Korbacher Amtsgericht ausüben? „Ich komme sicher nicht mit dem Ziel, nach drei Tagen wieder zu gehen“, sagt Brandenstein. Aber viele Dinge könne man eben nicht planen. So habe er sich auch in seiner bisherigen Laufbahn nie selber ins Spiel gebracht, wenn es um neue Aufgaben ging, sondern ihm seien jeweils Angebote unterbreitet worden. Welche die nächste berufliche Station ist und wo die sich befindet, ist also offen. Erst einmal aber heißt es heute für Brandenstein: nächster Halt: Korbach, Amtsgericht. (jos)

Kommentare