Wetekam-Energie will dieses Jahr zwei neue Leitungsstränge in Vasbeck verlegen

Nahwärme für weitere Häuser

Diemelsee-Vasbeck - Während die Überlegungen des Ortsbeirats für ein Energiedorf Vasbeck weitergehen, wird das Nahwärmenetz erweitert.

Unabhängig von Öl und Gas werden und umweltfreundlich wie preisgünstig heizen mit erneuerbaren Energien? Diese Idee findet immer mehr Anhänger im Dorf. So viele, dass die Nachfrage nach einem Anschluss ans Nahwärmenetz inzwischen größer ist als die Kapazität der Biogasanlage, die Heinrich, Stephanie und Hendrick Wetekam als Gesellschafter auf der Brede betreiben. Das habe eine Versammlung Ende Januar im Gasthaus „Vasbecker Flotte“ ergeben, berichtete Heinrich Wetekam gestern der WLZ. Auch die Restkapazität soll deshalb genutzt werden: Noch in diesem Jahr soll das Netz ausgebaut werden. Die Gemeinde will dabei den Kindergarten und das benachbarte Freibad anschließen. Bis zur Heizperiode im Herbst sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Der Ausbau läuft parallel zu Überlegungen unter der Federführung des Ortsbeirats, Vasbeck zu einem Bioenergiedorf zu entwickeln. Biogasanlage und Nahwärmenetz wären zentrale Ecksteine des Konzepts. Wie berichtet, hat die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie finanziert, die bis Ende Januar vorliegen sollte. Über Ergebnisse wird derzeit intern beraten. Seine Gesellschaft sei zur Zusammenarbeit bereit, es habe schon viele Gespräche gegeben, betont Heinrich Wetekam. Aber ihm sitzt der Zeitdruck im Nacken. Noch länger zu warten, ergebe keinen Sinn: Der neue Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel habe angekündigt, die Förderung für Biogas zu kappen. Außerdem seien bereits Vorleistungen für die Netzerweiterung erbracht worden, da erwarte die Hausbank auch sichtbare Ergebnisse. Seit 2010 läuft die Biogasanlage, die mit nachwachsenden Rohstoffen wie Ganzpflanzensilage sowie Stallmist und Rindergülle betrieben wird. Mit dem so gewonnenen Methangas erzeugt die Wetekam-Energie in zwei Blockheizkraftwerken Strom – eins steht direkt neben der Anlage, das andere am Hof der Familie im Unterdorf. Die derzeit 500 Kilowattstunden reichen zur Versorgung von etwa 1100 Haushalten. Bei der Verstromung fällt Wärme an. Je nach Wetter werden bis zu 38 Prozent als Prozesswärme für die Biogasanlage benötigt. Den Rest vermarkten die Wetekams über ihr Nahwärmenetz. Das Prinzip: Im Blockheizkraftwerk wird Wasser auf 80 Grad erhitzt und über das Netz in die Häuser geleitet. Dort steht statt der Heizung eine „Übergabestation“ mit einem Wärmetauscher, der Wasser für die Zentralheizung oder die Dusche erhitzt. Bislang bestehen zwei Leitungsstränge, die 25 Häuser an Lindenstraße und Massenhäuser Straße versorgen, darunter das Pfarrhaus und eine Gastwirtschaft, auch bis zur Kirche liegt die Leitung. Wärmeleistung derzeit: 1007 Megawatt, das entspricht einem Jahresverbrauch von 100 500 Litern Heizöl. Das Netz wollen die Wetekams ab Frühjahr ausbauen. Im März sollen die Verträge unter Dach und Fach sein. Geplant ist: l Ein Strang erschließt im Unterdorf auch die Gembecker Straße und den Weg „Unterm Feldborn“. Sechs bis sieben Hausanschlüsse sind möglich. l Ein neuer Strang fürs Oberdorf soll die Marsberger Straße queren und durch die Straße „Auf der Walme“ bis zu Kindergarten und Freibad führen. Die Gemeinde begrüßt den Anschluss, dies sei ein Beitrag zum Umweltschutz und schone den Geldbeutel der Gemeinde, erklärt Bürgermeister Volker Becker gestern. Dabei könnten auch neun bis zehn Häuser entlang der Trasse versorgt werden. Der Leitungsabschnitt von der Brede durchs Feld zum Dorfrand liegt bereits. Mit dem Ausbau würden pro Jahr weitere 120 000 Liter Heizöl eingespart, berichtet Stephanie Wetekam. Damit wäre die Kapazität der beiden Blockheizkraftwerke auch ausgeschöpft. Angesichts der größeren Nachfrage sucht die Wetekam-Energie nach Lösungen. Eine Erweiterung der Biogasanlage sei technisch möglich, auch ein neues Blockheizkraftwerk ließe sich bauen, berichtet Heinrich Wetekam. Problem sei derzeit, dass es keine weiteren Zulieferer für die Biogasanlage gebe. Zurzeit fahren Landwirte im Umkreis von sechs Kilometern ihr Material an. Wetekam hat Gespräche mit den Marsberger Stadtwerken aufgenommen, die im benachbarten Borntosten eine Biogasanlage betreiben und noch Restwärme übrig haben. Sie könnte über eine Leitung durch den Wald das Oberdorf versorgen. Wer sein Haus anschließen will, muss die „Übergabestation“ einbauen und die Hausanschlüsse legen. Bruttokosten je nach Leitungslänge: 2000 bis 6000 Euro, wobei es einen Zuschuss der Bank KfW gibt.Wegen anfänglicher Vorbehalte gegenüber der neuen Technik hätten einige Kunden nur eine Teilwärmeversorgung gewollt, erläutert Wetekam. Das heißt: Seine Gesellschaft verpflichtet sich lediglich, die Restwärme aus den Blockheizkraftwerken an ihre Kunden abzugeben. Einige hätten noch ihre alte Ölheizung im Keller stehen, berichtet er. Doch der große Vorteil beim Nahwärmenetz sei gerade, dass Nutzer die Ausgaben für Öltanks und Heizung, Schornsteinfeger, Wartung und Reparaturen sparen. Und den Öleinkauf. Mittelfristig rechnet Wetekam mit der Umstellung auf die Vollversorgung, also die garantierte Wärmelieferung im gesamten Jahr. Technisch sei das kein Problem, ein „Hot Mobile“ mit Ölbrenner als Sicherheit sei schnell besorgt. Aber erst einmal will die Familie das Wärmenetz komplett ausbauen.

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