Nina Wawrczeck aus Vöhl wandert nach Afrika aus und heiratet dort ihren Freund

In Namibia die große Liebe gefunden

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Brautschuhe, Tasche, Flagge und Studienbücher: Nina Wawrczeck hat die wichtigsten Dinge für ihre Auswanderung bereits zusammen. Im Oktober heiratet sie in Namibia ihren Freund Lorenzo Balzer.Fotos: Theresa Demski/Lisa Gross

Vöhl. - Nina Wawrczeck aus Vöhl sitzt auf gepackten Koffern: Am 27. Mai fliegt sie nach Namibia - ohne Rückflugticket. Die Auswanderin hat ihre große Liebe in dem fernen Land gefunden und mit ihm auch eine neue Heimat.

Nina Wawrczeck hat schweres Gepäck: Nicht nur, dass in der Reisetasche der 25-Jährigen ihre Studienbücher Platz finden müssen, vor allem dem Sondergepäck darf nichts zustoßen. Denn in einer großen, weißen Verpackung reist mit der jungen Vöhlerin auch ihr cremefarbenes Brautkleid. Sie haben eine lange Reise vor sich.

Am 27. Mai fliegt Nina Wawrczeck nach Namibia - samt Brautkleid. Und wenn ihr zukünftiger Mann Lorenzo sie in Windhoek in die Arme schließt, dann beginnt ihr neues Leben. Rund 10000 Kilometer entfernt von ihrer alten Heimat. „Meine Vorfreude ist so groß, dass ich das Auswandern gar nicht abwarten kann“, sagt sie.

Fremd und vertraut

Und das aus einem guten Grund: Denn mit Lorenzo Balzer hat die junge Vöhlerin in Namibia ihre große Liebe gefunden. „Mit dem Projektchor der Kirchengemeinde in Korbach bin ich 2004 zum ersten Mal nach Windhoek gereist“, erzählt sie. Dort wohnte sie bei der Familie des Onkels ihres zukünftigen Mannes. Als sie den jungen Afrikaner traf, war Nina Wawrczeck gerade 17 Jahre alt. „Wir wussten ja damals nicht, dass es mal so ernst werden würde“, sagt sie heute schmunzelnd. Doch auf ihren Besuch der Partnergemeinde in Namibia folgten sieben weitere Besuche. „Nach dem Abitur bin ich für fast drei Monate nach Namibia gegangen, später bekam ich dort einen Praktikumsplatz“, erzählt sie.

Nie zuvor habe sie so große Gastfreundschaft und Offenheit erlebt. „Die Menschen sind viel ärmer, aber geben viel mehr“, erzählt sie. Sie habe sich in das wunderschöne Land, in seine Menschen verliebt. „Aber Vieles war mir auch fremd“, sagt sie. Ihr Freund, der zum Volk der Damara gehört, spricht eine Klicksprache - mit seiner zukünftigen Frau verständigt er sich auf Englisch oder Afrikaans. Der Autoverkehr läuft auf der linken Straßenseite, auch im Winter ist es 25 Grad warm und zum Abendessen werden Ziegenköpfe serviert. „Und dann bin ich zum ersten Mal als Praktikantin in die Townships gefahren, um die Kinder zu behandeln“, sagt sie, „da habe ich ein ganz neues Verständnis von Ungerechtigkeit bekommen“, sagt sie. Afrika hat sie verändert.

Und doch findet Nina Wawrczeck auch in ihrer neuen Heimat immer wieder Dinge, die sie an Deutschland erinnern. „Dann bin ich jedes Mal überrascht“, sagt sie und denkt an die Spuren, die die Kolonialzeit in Namibia hinterlassen hat - deutsche Cafés, bekannt klingende Straßennamen und Schnitzel auf der Speisekarte.

Hochzeit im Oktober

„Ein großartiges Land“, sagt sie, „mit vielen sehr schönen und sehr schlimmen Seiten“. Sie würden auf der Straße nicht angestarrt, freut sie sich. Zwar blieben in Windhoek Weiße meistens unter sich, dennoch präge die Atmosphäre der Großstadt die Menschen. „Auf dem platten Land in Deutschland hätten Lorenzo als Afrikaner und ich es wohl schwerer gehabt“, sagt die Ergotherapeutin.

Seit 2008 sind die beiden inzwischen verlobt - im Oktober heiraten sie auf einer Lodge unweit von Windhoek. „Die meiste Zeit des Jahres verständigen wir uns nur über Skype“, beklagt sie, „ich bin so froh, dass sich das endlich ändert“. Sie hat bereits einen Job als Ergotherapeutin in der namibischen Hauptstadt und nur selten mit Abschiedsschmerz zu kämpfen. „Nach so vielen Jahren fügt sich nun endlich alles“, sagt sie strahlend. (resa/ali)

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