Mehr als 80 Interessenten sammeln bei „Bürgerwerkstatt“ Ideen für die Entwicklung des Diemelsees

Natur steht bei Ufergestaltung oben an

+
Der Landschaftsarchitekt Prof. Gerd Aufmkolk stellte zu Beginn der „Bürgerwerkstatt“ in Heringhausen die bisherige Planungen zur Umgestaltung des Ufers am Diemelsee vor.

Diemelsee-Heringhausen - „Natur und Landschaft“ - unter diesen zentralen Leitbegriffen soll das Ufer des Diemelsees attraktiver gestaltet werden.

Soll eine Hängebrücke für Fußgänger über die Heringhäuser Bucht gebaut werden? Sollen auf einem Weg rund um den See auch Inlineskater fahren? Wie könnte eine „Uferpromenade“ aussehen? Mehr als 80 Interessenten sammelten am Donnerstagabend im „Haus des Gastes“ bei einer „Bürgerwerkstatt“ Ideen, wie das Ufer des Diemelsees für Besucher ansprechender gestaltet werden könnte.

Nur, fragte eine Teilnehmerin: Welche Touristen sollten denn damit angesprochen werden? Erst müsse ein „Profil“ der Ferienregion festgelegt werden, forderte sie: Welche Zielgruppen wolle der Diemelsee erreichen? Daran müssten sich dann Ausstattung und Angebote ausrichten. Der „Kundenkreis“ müsse definiert werden, „man kriegt nicht das ganze Publikum“, sagte auch Prof. Gerd Aufmkolk. Der Landschaftsarchitekt sammelte als Moderator die Ideen der Besucher. Seine Nürnberger Gesellschaft „WGF Landschaft“ soll das Konzept für die Ufergestaltung entwerfen. Er hatte zunächst die bisherigen Planungen für das Nordufer und das Heringhäuser Ufer vorgestellt - der Bericht dazu folgt noch.

Wichtig sei, das „Alleinstellungsmerkmal“ herauszustellen, sagte er. Da waren sich die Besucher rasch einig: Seen gibt es viele in der Umgebung - siehe den Kasten links. Was den Diemelsee auszeichne, seien seine Natur und die bergige Landschaft. So stießen auch von Prof. Aufmkolk gezeigte Bilder von anderen Sauerland-Seen teils auf Kritik. Beispiel: Eine Begrenzung der Uferpromenade? Schön und gut als „optische Führung“. Aber muss sie aus Beton oder Stein sein? „Das passt nicht hierher“, rief eine Frau.

Auch die Hängebrücke fand Befürworter und Kritiker. „Es braucht Attraktionen“, gab Prof. Aufmkolk zu bedenken. Die Brücke habe einen „Spaßeffekt“, urteilte die Geschäftsführerin der Diemelsee-Touristik, Maike Breuker. Sie mahnte, den Gästen müsse etwas geboten werden, das „Spaß und Leben bringt“. Ihr Anspruch sei, mehr Gäste zu gewinnen und sie „glücklich zu machen“.

„Erlebnisstationen“ bauen

Bürgermeister Volker Becker sprach sich dafür aus, am See „Erlebnisstationen“ etwa für Kinder zu schaffen. Er forderte zudem, das Verkehrsleitsystem zu verbessern, damit Besucher von der Autobahn zum See fänden. Unschön sei, dass viele herrenlose Boote am Ufer lägen, Anlegestege sollten für mehr Ordnung sorgen. Und bei der anstehenden Verbesserung der Beleuchtung ließen sich vielleicht Farbspiele an der Stormbrucher Brücke einrichten, sie sei ein beliebtes Fotomotiv.

Ein Nieder-Marsberger rief auf, auch Anwohner, Gastronomen und andere Unternehmer mit einzubeziehen und die Ökologie nicht zu vergessen - für Prof. Aufmkolk alles Selbstverständlichkeiten, wie er betonte. Angesprochen wurden auch ausreichende Toiletten und Ruhebänke oder die Aufstellung von Hinweistafeln auf Besonderheiten der Natur und Fische im See. „Sie sind die Experten vor Ort“, sagte der Moderator. So bekam er viele Hinweise auf lokale Besonderheiten - ob Platzprobleme am Heringhäuser Bootsverleih, „gammelige Buden“ oder Hundekot auf Wegen. Besucher sprachen mehrfach die Sauberkeit an - auch die neu gebauten Projekte müssten gepflegt werden.

Die Infrastruktur werde so ausgelegt, dass die Gemeinde sie auch stemmen könne, berichtete Prof. Aufmkolk. Eine kleine Gemeinde wie Diemelsee müsse sie bezahlen und auch erhalten können. Immer wieder kamen widersprüchliche Wünsche auf. Die einen forderten einen festen Belag für den Uferweg, damit Radfahrer oder Skater den See gut umrunden könnten. Andere wollten ihn möglichst naturbelassen haben. Denn wer gehe mit Rollator oder Kinderwagen schon den ganzen Weg ab.

Bei der Ideen-Abwägung für das Konzept will sich Prof. Aufmkolk an den Leitbegriffen „Natur und Landschaft“ orientieren und dazu ein „Profil“ entwickeln. „Der See ist Ihnen unheimlich wichtig. Sie sind mit viel Herzblut dabei“, stellte er anerkennend fest. Becker war überrascht von der unerwartet großen Resonanz. „Wir haben viele Anregungen bekommen“, bilanzierte er nach etwa zwei Stunden. „Ich freue mich schon auf die weitere Diskussion.“

Der Zeitplan

Nach der Ideensammlung am Donnerstag will die „WGF Landschaft“ ein „tragfähiges Konzept“ für die Ufergestaltung entwerfen. Über das beraten die Diemelseer Gemeindevertreter – die das Geld für Projekte bereitstellen müssen. Im Anschluss soll es eine weitere Bürgerinformation geben, bei der die Pläne diskutiert werden. Parallel dazu müssen Fördergelder besorgt werden, die wohl frühestens 2015 fließen. Für Bürgermeister Volker Becker gilt es, schon früh „gemeinschaftlich Pflöcke einzuschlagen“. Manches lasse sich auch ohne ?viel Geld bereits umsetzen.

Kommentare