Dr. Gero Hütte-von Essen ist neuer Forstamtsleiter in Vöhl

Von Natur, Wissenschaft, Diplomatie

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Neuer Chef im Vöhler Forstamt: Dr. Gero Hütte-von Essen hat die Nachfolge von Eberhard Leicht und zählt auf die Zusammenarbeit mit ganz verschiedenen Partnern.

Vöhl - Ein Moderator will er sein, der in seinem neuen Revier einen Blick für Naturschutz, Tourismus und Wirtschaft hat: Seit November ist Dr. Gero Hütte-von Essen neuer Leiter des Vöhler Forstamtes.

Mit einem Spaten am Gepäckträger und einem Blumenbestimmungsbuch in der Jackentasche machte er sich als Kind mit dem Rad auf den Weg in den Wald. Gemeinsam mit einem Freund hatte er dort ein Feuchtgebiet angelegt und beobachtete Teich, Tiere und Pflanzen. Als er älter wurde, zog Gero Hütte-von Essen mit dem Fotoapparat los und fotografierte Pflanzen. „Damals entdeckte ich die Liebe für Details in der Natur“, sagt er.

Wissenschaftliche Ader

Fremd allerdings waren ihm Wald und Feld auch vorher nicht: Als ältestes von sieben Kindern wurde Gero Hütte-von Essen vor 47 Jahren in eine Forstfamilie hineingeboren. „Mein Vater leitete das Forstamt in Montabaur“, erzählt er, „und jeden Sonntag musste die Familie zum Waldspaziergang aufbrechen“. Zu Weihnachten gab es Fachbücher. Was dem Jungen zuweilen langweilig erschien, sollte ihm später den beruflichen Weg weisen.

Nach dem Abitur, einem zweijährigen Dienst bei der Bundeswehr und einem Praktikum im Forstamt in Bayern entschied er sich 1986 für ein Studium der Forstwissenschaften. 1991 machte er in München seinen Abschluss. „Damals dachte ich noch darüber nach, vielleicht in die Entwicklungshilfe zu gehen“, erinnert er sich. Stattdessen absolvierte er das Referendariat in seiner Heimat Rheinland-Pfalz. „Wohin mich der Weg allerdings führen sollte, das wusste ich damals noch nicht“, sagt er.

Also liebäugelte er mit der Forstamtsverwaltung ebenso wie mit der Europäischen Union und entschied sich schließlich, das Studium mit einer Promotion zu krönen. Ob er eher Wissenschaftler oder Macher sei? „Ich habe das Bedürfnis nach beidem“, sagt er. Pläne, die Forstpolitik von Brüssel aus mitzubestimmen oder ins Ausland zu gehen, wurden schließlich von dem Wunsch nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie abgelöst.

2001 bewarb sich Gero Hütte-von Essen beim frisch gegründeten Landesbetrieb Hessenforst - mit Erfolg. „Das war eine spannende Zeit“, erzählt er. Er wirkte beim Aufbau des Eigenbetriebs in Kassel mit. „Was mir fehlte, war die Menschenführung und die Zeit im Wald“, sagt er.

„Ich will Moderator sein“

Nach zwei Jahren als Leiter des Internen Rechnungswesen, wechselte er ins Forstamt nach Burgwald. Das war vor sieben Jahren. Damals zog er bereits nach Frankenberg. Nach einem kurzen Abstecher ins Ministerium nach Wiesbaden, trat er eine Stelle im Forstamt Witzenhausen an. „Dort widmete ich mich vor allem Erneuerbaren Energien“, erzählt er. Anschließend ging er als Bereichsleiter der Produktion ins Forstamt Kirchhain. Im November trat er nun in Vöhl die Nachfolge von Eberhard Leicht als Forstamtsleiter an - der wechselte nach Burgwald.

Was Vöhl für ihn so reizvoll macht? „Hier gibt es so viele verschiedene Partner“, erzählt er. Denn die rund 20000 Hektar Wald gehören zum kleinsten Teil dem Land. Etwa 14000 Hektar bewirtschaftet Hessenforst für Kommunen, rund 1700 Hektar gehören Privatleuten. „Dazu kommt die Zusammenarbeit mit Vertretern aus Naturschutz, Tourismus und Wirtschaft“, sagt Gero Hütte-von Essen, „gemeinsam mit ihnen möchte ich Ideen entwickeln“. Wie diese Interessen unter einen Hut passen? „Ich verstehe mich als Moderator“, sagt der 47-Jährige, „und wünsche mir, die Interessen in Einklang zu bringen“. Viele Partner hat er deswegen heute zum Gespräch eingeladen.

Vielfältig und einzigartig sei das Gebiet, das von Freienhagen bis Dodenhausen reicht - geprägt von Edersee und Nationalpark. „Die Menschen sollen den Wald erleben dürfen“, sagt er, „dafür sollten sie sich ein bisschen Zeit nehmen“. Autos seien ohnehin nicht erlaubt, Wanderer sehr willkommen, Reiter und Radfahrer auf ausgewiesenen Routen ebenfalls. „Wir müssen alle Rücksicht aufeinander nehmen“, wünscht er sich.

In Aufforstung investieren

Und noch andere Aufgaben stellen sich dem neuen Forstamtsleiter: „Die westlichen Gebiete, die besonders unter den Stürmen gelitten haben, müssen wieder aufgeforstet werden“. Notwendige Investitionen müssten gewagt werden, um die Hungerjahre zu überstehen.

Wenn er abends das Amt in Vöhl verlässt, dann kehrt er zurück zu seiner Frau und seinen drei kleinen Söhnen nach Frankenberg. „Sie sind das tragende Element meines Lebens“, sagt er.

Und was ist geworden aus den Ausflügen mit Spaten und Fotoapparat in den Wald? „Für die Details in der Natur habe ich heute nicht mehr viel Zeit“, sagt er, „aber wenn ich durch die alten Knorreichen den Edersee erblicke oder in Lichtenfels hinter den schneebedeckten Feldern die Sonne untergehen sehe, dann weiß ich, dass ich den richtigen Beruf ergriffen habe.“

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