Diemelseer Fremdenverkehrsstatistik vorgelegt: Übernachtungen im Vorjahr um ein Prozent gestiegen

„Natursee“ wird für Gäste attraktiver

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Bei der Vorstellung der Diemelseer Fremdenverkehrsstatistik: Bürgermeister Volker Becker, Maike Breuker von der Tourist-Info und Norbert Lange von der Tourismus-Gemeinschaft.

Diemelsee - Mehr Gäste will die Gemeinde nach Diemelsee locken. Natur und Ruhe sollen sie finden, die Angebote werden erweitert.

Aber auch mit dem Erreichten ist die Gemeinde zufrieden: Mit Maike Breuker von der Diemelseer Tourist-Info und Norbert Lange von der Tourismus-Gemeinschaft stellte Bürgermeister Volker Becker gestern in der Verwaltung die Zahlen für das vorige Jahr vor. Da verzeichnete die Ferienregion

l 70 793 Übernachtungen, ein Plus von einem Prozent,

l 21 182 Ankünfte, ein Plus von 0,6 Prozent.

l Im Durchschnitt blieben die Gäste 3,3 Tage am Diemelsee, so lange wie im Vorjahr.

„Das ist schon positiv im Vergleich zu anderen Kommunen“, sagte Becker - wie berichtet, sank die Zahl der Übernachtungen kreisweit um zwei Prozent. In Diemelsee seien die Zahlen erneut konstant geblieben - und das trotz des langen Winters und des eher schlechten Wetters im Mai und Juni. Beckers Fazit: Mit diesem Ergebnis „können wir zufrieden sein“.

Zahlen ausbauen

Ziel sei, die Zahl zu halten und möglichst noch auszubauen. Derzeit listet die Diemelseer Tourismus-Gesellschaft 54 Betriebe von der Pension bis zum Hotel auf, hinzu kommen Campingplätze und der Jugendzeltplatz. In die Statistik fließen aber nur Anbieter mit mindestens zehn Betten ein. Da ist laut Breuker im vorigen Jahr in Heringhausen ein Betrieb hinzugekommen, den ein Niederländer betreibt. Größte Anbieter sind Göbel in Heringhausen und der Ottonenhof in Ottlar. Sie seien „Leistungsträger“, die zusätzliche Werbung betrieben, sagte Becker. „Das ist absolut wichtig für uns.“

Lange mahnte, die Zahl der Betten noch auszuweiten, schon jetzt gebe es in der Saison mit hoher Nachfrage Engpässe. Auch die Betriebsnachfolge ist ein Thema: Mittelfristig drohten gerade bei Pensionen Schließungen, wenn ältere Inhaber keinen neuen Betreiber fänden, sagte Breuker. Die Tourist-Info biete Hilfen an, ob über die IHK, die Tourismus-Akademie oder eine Unternehmensberatung.

Auf der anderen Seite gebe es neue Anbieter, etwa bei Ferienwohnungen, die in Sudeck, Deisfeld und Giebringhausen hinzugekommen seien. Immer mehr Betreiber kämen aus den Niederlanden, die in ihrer Heimat um Gäste würben. Die Tourist-Info biete auch Seminare an, etwa zur Gestaltung der Internetseiten von Betrieben.

Es seien auch schon Betriebe über das „Leader“-Programm der Europäischen Union gefördert worden, sagte Becker. So könnten leer stehende Scheunen als Gästequartiere umgebaut werden. Er hoffe, dass der Tourismus ein Schwerpunkt der neuen Förderperiode bleibe.

Gästen muss etwas geboten werden. Die Gemeinde habe ihre Bäder, die Grube „Christiansen“, das Flechtdorfer Kloster, „Geopark“-Einrichtungen und ab 2015 das neue Heringhäuser Haus des Gastes mit der „Erlebnisausstellung“, sagte Becker.

Die Ferienregion hat ein klares Profil: Nach dem 2012 verabschiedeten Tourismuskonzept der Gemeinde wirbt der Diemelsee als „Natursee“ um Gäste. Damit liegt er im Trend: „Die Gäste suchen zunehmend Natürlichkeit und Qualität“, sagte Breuker. Sie wollten relaxen, „die Seele baumeln lassen, sich etwas Gutes tun“ und sich bewegen. Ein Nischentrend seien die „Entschleunigung“ und „Spiritualität“, Gäste wollten ausbrechen aus der Hektik des Berufslebens - dem kommen auch die Pläne fürs Flechtdorfer „Klosterforum“ entgegen. Und gerade Ältere suchten nach Gemeinschaft. Die Angebote müssten zur Region passen. So wollten Gäste auch regionale Produkte auf dem Teller haben. Es gelte der Grundsatz „Qualität vor Masse“, betonte Breuker.

Und an der Qualität wird weiter gearbeitet. Der bei Wanderern geschätzte „Diemelsteig“ werde dieses Jahr neu zertifiziert, sagte Becker. Dabei soll er auch eine eigene Internetseite mit Hinweisen auf die Gastronomie erhalten.

Ein wichtiges Projekt sei, alle Wanderwege der Gemeinde digital aufzunehmen und ins beliebte Wanderportal www.outdooractive.com einzustellen, erklärte Breuker. Es erfasst auch Radwege und Loipen. Am Rechner lassen sich dann Höhenunterschiede oder Streckenlän- gen anzeigen. Interessenten kön- nen sich per Mausklick individuelle Touren zusammenstellen und auf ihr Smartphone herunterladen, es dient dank der GPS-Ortungsdaten auch als Wanderführer. Auch Breuker kann Gäste in der Tourist-Info besser über Touren beraten.

Alle Wanderwege markieren

Aber auch, wer ohne Technik unterwegs ist, soll sich in der Landschaft gut zurechtfinden: Die Gemeinde will als Mitglied des Projekts „Sauerland-Wanderdörfer“ alle Wege markieren lassen. Die Federführung hat ein Fachbüro, vor Ort sollen die Dörfer helfen. Ziel sei, das Wegenetz zu „perfektionieren“ und das Qualitätssiegel „Wanderbares Deutschland“ des Deutschen Wanderverbands zu erhalten, erklärte Lange. „Wanderer müssen eine Infrastruktur haben“, fügte Breuker hinzu.

Seit 2013 gibt es geführte Wanderungen mit zwei ausgebildeten Naturparkführern. Beim 2013 modernisierten Jugendzeltplatz seien die Buchungszahlen für dieses Jahr gestiegen, berichtete Lange. Schwerpunkte seien die Ferienzeiten, zur besseren Auslastung will der Naturpark verstärkt in Schulen um Gruppen werben.

Außerdem verwies Lange auf den ebenfalls im vorigen Jahr eröffneten Golfpark in Heringhausen. Die neue Saison beginne je nach Wetterlage um den 13. April herum. Noch werde ein Pächter gesucht, der die Gastronomie betreibe.

Dieses Jahr gibt es wieder Ferienspiele für alle Kinder, erstmals soll es auch an Ostern ein Programm geben.

Bad Arolsen, der Edersee, Willingen und der Diemelsee werben zudem erstmals als „Die vier Wanderbaren“ bei Karstadt-Sport in Bochum um Gäste - das Geschäft liege in einem Einkaufszentrum mit jährlich zehn Millionen Besuchern, sagte Breuker. „Wir sind gespannt, was dabei herauskommt.“

Interessenten im Internet

Gestiegen sei auch das Interesse an den Internetseiten, sagte Lange: Nach der Neugestaltung 2010 seien es 2011 rund 500 Besucher am Tag gewesen, derzeit seien es 1100. Täglich würden Einträge aktualisiert.

Gäste stammten hauptsächlich aus den Niederlanden und aus Nordrhein-Westfalen - und da gerade aus dem Ruhrgebiet, berichtete Breuker. Angler kämen aus ganz Deutschland. Außerdem seien 2013 viele Belgier an den Diemelsee gereist.

Ob Tourist-Info oder Tourismus-Gemeinschaft: „Es wird gute Arbeit geleistet“, betonte Becker. Auch in den Betrieben werde den Gästen einiges geboten. Das Preis-Leistungs-Verhältnis sei gut. Beste Voraussetzungen, um den Wirtschaftsfaktor Tourismus auszubauen.

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