Kabarett und Comedy mit Bernd Stelter

Vom Neandertaler zu Lothar Matthäus

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Kamillentee im Bücherregal im Nutellaglas: Bernd Stelter lockte mit seinem Eheberatungsprogramm viele Besucher in die Stadthalle.Foto: Hennig

Korbach - „Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht gehabt hat.“ Mit diesem Programm bescherte Bernd Stelter dem vhs-kulturforum eine volle Stadthalle.

Und das trotz der zeitgleichen Übertragung des Champions-League-Halbfinales FC Barcelona gegen FC Bayern München. Beim Durchzählen der ersten Reihe, mit der die Kontaktaufnahme gleich nach der Standortwürdigung erfolgte, stellte der Kabarettist allerdings fest, dass auf sieben Frauen nur drei Männer kamen. Er unterstellte dabei, dass die Ehegatten von ihren Gemahlinnen in die Stadthalle argumentiert oder komplimentiert worden waren und vielleicht insgeheim einen Groll wegen ihrer Anwesenheit hegen könnten.

Ein Wasser zwischendurch

Die Erklärung, warum verheiratete Männer trotz gelegentlichem oder anhaltendem Verdruss über ihre Angetraute älter werden als Singles, lieferte er in einem Satz: „Alleinstehende Männer haben niemand, der ihnen sagt: Trink doch mal ein Wasser zwischendurch.“ Stelter, selbst seit 24 Jahren verheiratet, gab zu, dass er seine Frau nicht immer verstehe, auch wenn er in entsprechenden Situationen den Subtext an ihrem Lächeln ablesen könne. Etwa ihre Reaktion bei der Heimkehr auf seine mehrstündige, vergebliche Suche nach Kamillentee: „Ohne mich bist du lebensuntüchtig“, liest er in ihren Mundwinkeln, während sie ihn darauf hinweist, dass sich der Kamillentee doch im Bücherregal im Nutellaglas mit der Aufschrift „Salz“ befindet.

Ein Argument im persönlichen Plädoyer, dass sich Frauen und Männer gar nicht in jedem Punkt verstehen müssen. Mit einem anthropologisch-kulturgeschichtlichen Rundumschlag vom Neandertaler zu Lothar Matthäus brachte Stelter die Entwicklung zwischen Mann und Frau von der Steinzeit bis in die Gegenwart auf den Punkt und stellte dabei überall aus dem Boden sprießende Ü-Parties als die Ausprägung der Reihenbeziehung vor. Für den Neandertaler mit der Keule, der die Neandertalerin in seine Höhle gezerrt hätte, sei Dauer nie ein Thema gewesen.

Die Einehe ginge auf das Christentum zurück, genauer gesagt auf den vom zölibatären Gründervater Apostel Paulus aufgezeigten Ausweg für alle, die zu schwach waren, um ihm bis zum nahen Weltende auf seinem Weg zu folgen. Das Weltende würde zwar immer wieder in Boulevardmedien verkündet, doch letztlich habe das Christentum mit seinem Verbot der Ehe unter Verwandten nur das Ende der alten Römer bedeutet, von denen nur noch die EHE, sprich errare humanum est, geblieben sei.

Bis zum Treppenlift

Nach fast 2000 Jahren Christentum sei die Einehe ein Auslaufmodell, der aktuelle Trend, der sich in Gala, Amica und Co. anhand der Beziehungsverläufe von Prominenten nachvollziehen lasse, seinen Nacheinanderehen. Im anschließenden Couplet „Liebe geht durch den Magen“ stellte er die bange Frage nach der Dauer der Gefühle und ob Beziehungen heutzutage noch bis zum Treppenlift halten können.

Das an sich unlösbare Problem, sich als Mann in eine Frau hineindenken zu müssen, umging er mit „Sabses Blog“, dem öffentlichen Nachfolger des einst in aller Privatheit und Stille geführten Tagebuchs. Die junge Frau berichtete darin vom Check eines über ein Partnerschaftsportal gefundenen Bräutigams ihrer besten Freundin. Der Kandidat habe allerdings erst grünes Licht bekommen, nachdem die Freundinnen seine ebay-Bewertungen, die Rechtschreibung der Twitter-Posts und Facebook und das Restnetz auf eventuell peinliche Bilder überprüft hatten.

Trendfarbe „Greige“

Der zweite Blog behandelte die Auswahl des Brautkleides aus Modellen in 2000 unterschiedlichen Weißtönen und der neuen Trendfarbe „Greige“ (Grau und Beige). Beim Brautkleidgewicht von 13 Kilo, das der DFB-Meisterschale entspricht, gerät die Hochzeit zum physischen Härtetest für die Braut, die das Gewicht über die gesamten Feierlichkeiten tragen muss und zur finalen Herausforderung für den Bräutigam, der vor der Hochzeitsnacht das massiv erhöhte Gewicht seiner Angetrauten über die Schwelle stemmen muss.

Von Armin Hennig

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