Mitglieder des Kommunalen Serviceverbundes Eisenberg fordern Verbot des umstrittenen Verfahrens

„Nein“ zu Fracking in allen Kommunen

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Adler South – das Gebiet, in dem das Unternehmen BNK Deutschland GmbH erkunden will, ob dort mit dem Frackingverfahren Gas wirtschaftlich gewonnen werden kann. Die Firma hat mit dem Antrag zur „Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwassersstoffen“ erreicht,

Korbach. - Die Stimmen gegen Fracking werden immer entschiedener: Gemeinsam haben die Mitglieder des Kommunalen Serviceverbundes Eisenberg eine Resolution gegen das umstrittene Gasgewinnungsverfahren unterschrieben.

Diemelsee, Korbach, Lichtenfels, Medebach, Vöhl, Waldeck, Willingen - die Bürgermeister der sieben Kommunen, die dem Kommunalen Serviceverbund Eisenberg angehören, formulierten gemeinsam ein eindeutiges „Nein“ zum Ansinnen des Unternehmens BNK Deutschland GmbH, in Nordhessen Erdgas mit dem Frackingverfahren zu gewinnen.

Noch hat das Unternehmen beim Regierungspräsidium (RP) Kassel keinen Antrag auf Erkundungsbohrungen gestellt, erklärt RP-Sprecher Michael Conrad auf Nachfrage der WLZ-FZ. Doch mit dem Ersuchen auf eine „Erlaubnis zur Aufsuchung von Kohlenwasserstoffen“ in Nordhessen hat es das Gebiet abgesteckt, in dem es erkunden will, ob dort mit dem Frackingverfahren Gas wirtschaftlich gewonnen werden kann. „Das Unternehmen hat damit erreicht, dass kein Konkurrenzunternehmen in diesem Bereich erkunden darf“, erklärt Conrad.

„Erkundung und Aufsuchung von unkonventionellen Lagerstätten werden wegen möglicher Umweltauswirkungen sehr kontrovers diskutiert. Besorgnisse bestehen insbesondere wegen des Einsatzes von Chemikalien als Zusatzstoffe beim Fracking“, unterstrich Heinz-Willi Müller, Geschäftsführer des Kommunalen Serviceverbundes Eisenberg (KSVE), im Korbacher Rathaus.

Dort waren die Bürgermeister der KSVE-Mitgliedskommunen zusammengekommen, um gemeinsam eine Resolution zu unterzeichnen, in der sie das Land Hessen, das Land Nordrhein-Westfalen und die Bundesregierung auffordern, „die geologische Aufsuchung und Förderung von Erdgas durch Fracking so lange zu verbieten, bis die Umweltverträglichkeit und die gesundheitliche Unbedenklichkeit des Verfahrens wissenschaftlich erwiesen sind“, heißt es in der Resolution. Außerdem versagen die Bürgermeister der Kommunen die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen: „Es werden grundsätzlich für kommunale Grundstücke keinerlei Nutzungsgenehmigungen für Such- sowie Förderbohrungen oder sonstige Tätigkeiten erteilt.“

„Es ist erschreckend, dass Nordrhein-Westfalen die Aufsuchung von Feldern und damit Probebohrungen erlaubt hat. Wir beziehen Wasser aus Brilon und Marsberg“, machte der Diemelseer Bürgermeister Volker Becker deutlich, dass die Auswirkungen des Fracking-verfahrens nicht an den Grenzen haltmachen. „Die Zweifel an der Unbedenklichkeit des Verfahrens sind sehr begründet. Das ist ein Grund, eine Genehmigung rechtssicher zu versagen“, unterstrich Bürgermister Thomas Trachte. „Wir werden unsere Infrastruktur wie Kanäle und dergleichen nicht für das Unternehmen zur Verfügung stellen“, betonte Bürgermister Klaus Friedrich. „Es ist wichtig, dass wir gemeinsam sprechen. Das sind wir unserer Bevölkerung schuldig. Ist das Grundwasser erst einmal belastet, wird es für Jahrzehnte belastet sein“, unterstrich Müller.

Unterzeichnet haben die Resolution die Bürgermeister Volker Becker (Diemelsee), Klaus Friedrich (Korbach), Uwe Steuber (Lichtenfels), Thomas Grosche (Medebach), Harald Plün­necke (Vöhl), Jörg Feldmann (Waldeck) und Thomas Trachte (Willingen).

Stichwort: Fracking

Bei der Fracking-Methode wird ein Gemisch aus Sand, Wasser und zum Teil toxischen Chemikalien in das Gestein gepresst, um es aufzubrechen und Gas freizusetzen. Die Technologie birgt laut Gutachten vor allem wegen der Chemikalien und der Entsorgung des anfallenden Abwassers große Risiken. Gefahren liegen besonders in der Vergiftung von Grund- und Oberflächenwasser und unkontrolliertem Entweichen von Erdgas. (r)

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