Korbach

85 neue Brüder auf einen Schlag

- Korbach. Raus aus Korbach, rein in ein fremdes Land. Aber nicht als Tourist, sondern mit dem Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun: Johanna Heide (19) berichtet über ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Indien.

Rikschas, Scooties, Fahrräder, Autos, Kühe, unglaubliche Hitze und Menschen, Menschen, Menschen. Das waren die ersten Eindrücke, die auf mich einprasselten, als ich vor etwas mehr als einem Monat aus dem Flugzeug gestiegen bin. Mittlerweile ist das alles für mich schon Alltag geworden und Baroda, die für indische Verhältnisse mittelgroße Stadt, in der ich lebe, zu meiner zweiten Heimat, genauer gesagt das „Don Bosco Snehalaya“; so heißt das Straßenkinderprojekt, in dem ich für ein Jahr arbeiten und wohnen werde. „Live Life Lovingly“ („Lebe das Leben liebevoll“) heißt es auf dem Schild, das jeden Besucher begrüßt, der ins Snehalaya kommt, und getreu diesem Motto wurden ich und meine Mitvolontärin Amelie auch willkommen geheißen, sodass es uns überhaupt nicht schwerfiel, uns einzuleben. Vom ersten Tag an waren wir die Didis (Hindi: Schwester) für die zurzeit etwa 85 Jungs, die ich mittlerweile schon so ins Herz geschlossen habe, als wären sie meine eigenen Brüder. Nach nun fast zwei Monaten kenne ich auch endlich alle Namen. Anfangs war das eine echte Herausforderung, da die Namen so ungewohnt waren und sich noch dazu alle Gesichter zu ähneln schienen. Inzwischen, und mit ein paar Brocken Hindi, klappt die Verständigung jedoch super, und ich weiß nun bestens, welcher der Jungen wie „tickt“ und wer welche Spiele, Scherze mag. Umso trauriger ist es jetzt jedes Mal, wenn einer der Jungen wegläuft, was schon relativ häufig vorkommt, da die sogenannte „Open Door Policy“ („Politik der offenen Tür“) verfolgt wird, das heißt, wer gehen will, kann das Projekt jederzeit verlassen. Da aber auch ständig neue Jungs dazukommen, bleibt die Zahl relativ konstant.

Mehr lesen Sie in der WLZ-Ausgabe vom Samstag, 24. Oktober 2009.

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