Glockenturm läutet Umnutzung des Kirchsaals ein · Drei Vereine unter einem Dach

Neue Impulse für das Dorfleben“

Willingen-Schwalefeld - Nachdem die Zukunft des alten Kirchsaals lange ungewiss war, läuten die Schwalefelder mit dem Aufbau eines kleinen Glockenturms vor dem Gebäude die Umnutzung ein. Einheimische und Gäste sollen profitieren.

Um im Kirchsaal Platz für Neues zu schaffen, entscheiden die Schwalefelder im Juli, einen Ehrenplatz für die alte Kirchenglocke zu suchen (wir berichteten). Sie hatte die Schwalefelder laut Ortsvorsteher Wilfried Schnautz seit den 30er-Jahren zum Gottesdienst in den Kirchsaal gerufen, denn eine eigene Kirche bekamen sie erst viele Jahre später. „Als der Glockenturm auf dem Dach den Schwingungen nicht mehr standhielt, hängten wir die Glocke in einem Türmchen im Kirchsaal auf“, berichtet Schnautz.

„Ausbau in Eigenleistung“

Von diesem vertrauten Anblick müssen sich die Schwalefelder dank des neuen Kirchsaal-Konzepts, das Ortsbeirat und Vereine erarbeitet haben, auch in Zukunft nicht trennen: Heimische Metallbauer, Zimmerleute und Dachdecker legten sich ins Zeug, um auf dem Vorplatz des Kirchsaals – noch dazu im Schatten des alten Turms – einen schmucken Glockenturm zu errichten. „Die Glocke nimmt nun keinen Platz mehr weg und uns sind nur Materialkosten entstanden“, bedankt sich Schnautz für das ehrenamtliche Engagement und blickt voraus: „Nun kann der Ausbau des Kirchsaals, der ebenfalls in Eigenleistung erfolgt, weitergehen.“ In den Saal zieht sowohl die Spinnstube der „Wollläuse“ samt Webstuhl ein als auch der Verkehrsverein. Die Spinnefrauen wollen zur Freude von Bürgermeister Thomas Trachte öffentliche Kurse anbieten.

„Auf Geschichte getrimmt“

Da die Gemeinde die Außenstelle der Tourist-Information geschlossen hatte, als sie den Saal an einen Unternehmer vermieten wollte, planen die Mitglieder des Verkehrsvereins einen Info-Punkt für Touristen: Im frei zugänglichen Eingangsbereich erhalten Gäste den ganzen Tag über Prospekte. Die dahinter liegende „Amtsstube“ will der Verkehrsverein nach Angaben des Ortsvorstehers vormittags besetzen. Eine Bürgersprechstunde des Ortsvorstehers ist ebenfalls angedacht. „Der Innenausbau soll einem Fachwerkhaus ähneln, also auf Geschichte getrimmt sein“, erläutert Trachte.

Ganze Kisten voller Heimatgeschichte bringen auch die „Freunde der Schwalenburg“ mit in den Kirchsaal: Zusammen mit dem Heimat- und Geschichtsverein Willingen, dem sie sich angeschlossen haben, richten sie im Obergeschoss ein Archiv ein. Schnautz: „Auch ein kleines Ortsarchiv wird dort Platz finden.“

„Der Saal wird aus Sicht der Gemeinde nun besser genutzt als vorher“, betont Trachte. Das Büro der Tourist-Information sei nur noch wenig frequentiert gewesen. „Jetzt wirken drei Vereine in zentraler Lage, davon verspreche ich mir einen aktiven Ortsmittelpunkt und viele neue Impulse für das Dorfleben.“

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