Bürgermeister glaubt weiter an Neubau in Vasbeck

Neue Pläne für Kannenberg-Internat

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Diemelsee - Vasbeck - „Es ist alles offen“, betont Dieter Klein vom Fachdienst Jugend des Landkreises mit Blick auf die geplante Nachfolgeeinrichtung für das „Trainingscamp Lothar Kannenberg“ in Rhoden. Der Standort Diemelsee ist nicht vom Tisch.

Die Mitglieder des Rhoder Trägervereins „Durchboxen im Leben“ um Lothar Kannenberg planen seit mehreren Jahren, ein Internat zu errichten. Ziel ist, die straffällig gewordenen Jugendlichen, die das Trainingscamp erfolgreich absolviert haben, in Kooperation mit der Schlossbergschule in Wabern (Schule für Erziehungshilfe) weiter zu betreuen und in den (Schul-)Alltag zu integrieren. Sie sollen ihr individuelles Bildungsziel erreichen und selbstständige Menschen werden, heißt es in Kannenbergs Konzept.

„Noch nichts geklärt“

Zusammen mit Diemelsees Bürgermeister Volker Becker stellte Kannenberg die Weichen, um sein Projekt in Vasbeck umzusetzen. Den Bauantrag für das zweistöckige Gebäude in Hufeisenform mit 22 Plätzen an der Marsberger Straße (Foto), dessen Kosten Kannenberg auf rund 1,5 Millionen Euro beziffert, stellte er 2010. Wenig später präsentierten Kannenberg und Becker die Pläne den damaligen Staatsministern Jürgen Banzer und Silke Lautenschläger. Auch Ministerpräsident Roland Koch signalisierte Unterstützung.

Die Fördermittel aus Wiesbaden blieben jedoch aus, das Projekt kam in die Warteschleife. „Das ist bedauerlich, weil sich Gemeinde und Ort sehr für das Projekt starkgemacht haben und es auch um die Schaffung neuer Arbeitsplätze geht“, hatte Becker Mitte März auf WLZ-Anfrage betont und kritisiert: „Wir sind bei der Bauleitplanung in Vorleistung gegangen, haben alle Anforderungen der zuständigen Ministerien erfüllt und dennoch tut sich nichts.“

Inzwischen gibt es allerdings andere Pläne für die Jugendhilfe-Einrichtung („Weitere Chance fürs Leben“, WLZ, 11. April): Kannenberg sowie Vertreter des Sozialministeriums, des Landkreises und der Schlossbergschule haben bereits Gespräche mit dem Waldeckschen Diakonissenhaus Sophienheim (WDS) geführt. Laut Dieter Klein vom Fachdienst Jugend des Landkreises hat das WDS, das eine Jugendhilfeeinrichtung im Sophienheim betreibt, die Zusammenarbeit angeboten.

„Es ist aber noch nichts geklärt“, betont Klein mit Blick auf Trägerschaft und Standort. Fest steht nach Angaben des Experten bisher nur, dass Jugendamt und Sozialministerium eine kompetente Jugendhilfeeinrichtung in das „riesige Projekt mit politischer Brisanz“ einbinden wollen.

Aufnahmebereitschaft zählt

Das WDS, das zu den 16 Jugendhilfeeinrichtungen im Landkreis gehöre, sei ein möglicher Träger. Aufgrund der fachlichen Voraussetzungen und der bislang guten Zusammenarbeit steht der Fachdienst Jugend der Kooperation nach Angaben Kleins offen gegenüber. „Wenn ein anderer Träger einen Vorschlag zu Umsetzung des Projekts macht, werden wir uns damit aber ebenso befassen“, stellt der Fachmann klar.

Ebenso ergebnisoffen betrachtet Klein die Standortfrage - allerdings mit einer kleinen Einschränkung: „Die vorgelegten Neubaupläne in Vasbeck lassen sich so nicht umsetzen“, erklärt er, ohne konkrete Gründe nennen zu wollen. „Stattdessen suchen wir eine leer stehende Immobilie. Diese kann überall im Landkreis sein.“ Da die zuständigen Stellen bislang nichts geeignetes gefunden hätten, könnten auch die Diemelseer ein Gebäude anbieten.

Gerade weil noch kein geeignetes Gebäude in Sicht ist, will der Diemelseer Bürgermeister weiter um den Standort in seiner Gemeinde kämpfen: „Ich sehe nach wie vor Chancen für einen Neubau in Vasbeck. Im Ergebnis ist dieser wirtschaftlicher zu betreiben als ein Altbau, der umgebaut werden muss“, ist Becker überzeugt. Darüber hinaus verweist er erneut auf die „nicht unerheblichen Kosten“, die der Kommune während des mit den zuständigen Ministerin abgestimmten Planverfahrens entstanden seien.

Viel wesentlicher als die Standortfrage ist für Becker jedoch ein weiterer Punkt: „Die Immobilie ist das eine, die Bereitschaft der Bürger, die Jungs aufzunehmen, ist das andere.“ Lothar Kannenberg hatte immer betont, dass er nur dort baue, wo er willkommen sei, denn nur dann könne die Wiedereingliederung gelingen. Nach anfänglichen Diskussionen signalisierten die Vasbecker diese Willkommensbereitschaft und warteten daher in den vergangenen Monaten auf den Spatenstich.

Becker kritisiert Wiesbaden

Als alternativen Standort für die Jugendhilfe-Einrichtung nennt Becker das ehemalige Hotel Westfalenblick in Vasbeck. Es liegt ebenfalls an der Marsberger Straße, direkt neben dem gemeindeeigenen Grundstück, mit dem Kannenberg in der Vergangenheit plante. Zwei Voraussetzungen müssten allerdings erfüllt sein: „Der Eigentümer müsste bereit sein, das Objekt zu verkaufen und das Ministerium müsste das Gebäude anerkennen.“

An die Zustimmung des Ministeriums glaubt der Bürgermeister indes nicht: „Wir haben entsprechende Signale bekommen, obwohl der Westfalenblick bei einem Ortstermin vor einigen Jahren noch eine Alternative war“, erläutert Becker und resümiert: „Wiesbaden sucht nach Gründen, um das Projekt abzulehnen.“

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