DRK-Kreisverband bildet erstmals Notfallsanitäter aus

Neuer Beruf im Rettungsdienst

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Seit kurzem bildet der DRK-Kreisverband Notfallsanitäter aus (von links): Sascha Hodem, Rettungsdienstleiter Jürgen Dezius, Lisa Neudert, Praxisanleiter Bernd Warnecke, Dominik Lerch und DRK-Geschäftsführer Gerd Brückmann.Fotos: pr

Korbach - Die Besatzungen von Rettungswagen sind bei Notfällen oft als erste Helfer vor Ort - noch vor dem Notarzt. Ihr Wissen kann Leben retten. Seit 2014 gibt es deshalb in Deutschland einen neuen Beruf, den Notfallsanitäter. Beim DRK Korbach-Bad Arolsen haben die ersten drei ihre Ausbildung begonnen.

„Sanitäter“ wird im Volksmund oft genannt, wer in den signalweißen Autos mit Blaulicht auf dem Dach durch die Straßen eilt. Bislang stimmte das nur bedingt: Ein Großteil der Mitarbeiter DRK-Rettungsdienstes sind Rettungsassistenten und verfügen über eine zweijährige Ausbildung - anders als Rettungssanitäter, die nur vier Monate lernen (siehe Hintergrund). Das Berufsbild des Rettungsassistenten wird nun durch das des Notfallsanitäters ersetzt.

45 haben sich beworben, drei haben ihren Dienst beim DRK angetreten

45 junge Leute haben sich bei Rettungsdienstleiter Jürgen Dezius für die neue Ausbildung beworben. Mit Lisa Neudert, Sascha Hoidem und Dominik Lerch treten die ersten drei Auszubildenden ihren Dienst beim Kreisverband an. „In den nächsten drei Jahren werden die drei Azubis viel erleben und erlernen, vor allem werden sie ein hohes Maß an beruflichen Selbstverständnis erlangen“, erklärt Praxisanleiter Bernd Warnecke.

„Einige Einsätze sind hochkomplex, zudem zeitkritisch und mit viel Technik- und Medikamenteneinsatz. Trotzdem leiden wir immer ein Stück weit mit unseren Patienten mit, da kann sich keiner davon freisprechen“, sagt Warnecke. DRK-Geschäftsführer Gerd Brückmann ergänzt: „Wir stehen hier schon in einer hohen Verantwortung gegenüber unseren Auszubildenden, da man im Rettungsdienst regelmäßig Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten hat, die sonst jeder andere Bürger eigentlich nie oder selten hat.“

Anders als in Pflegeberufen, dürfen und müssen Notfallsanitäter eine Auswahl von Medikamenten und Maßnahmen anwenden, die sonst durch Ärzte verabreicht werden. Durch die teilweisen weiten Wege in Waldeck-Frankenberg müssen die Rettungsdienstler schon jetzt viele Maßnahmen ohne den noch nicht eingetroffenen Notarzt anwenden. Kein Chef, kein Arzt in der Nähe, den man um Rat fragen könnte, hohe Dringlichkeit der Behandlung, hier ist immer sicheres Fachwissen, Empathie gegenüber dem Notfallpatienten und viel Verantwortung notwendig.

Bei einigen Notfalleinsätzen ist die Diagnostik wirklich schwierig, da durch das Alter, durch bereits eingenommene Medikamente das eigentliche Krankheitsbild nicht einfach feststellbar ist. „Auch hier lernen die Drei, die richtigen Entscheidungen zu treffen“, sagt Warnecke.

Wie in vielen Berufen geht das Lernen immer weiter. Dr. Rudolf Alexi, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Landkreises, überprüft jährlich jeden Mitarbeiter im Rettungsdienst nach 38-stündiger Fortbildung, ob sein Fachwissen und Können dem geforderten Behandlungskonzepten entspricht.

Für die vielen Rettungsassistenten im Landkreis bedeutet der neue Beruf auch, dass sie sich einer erneuten Ergänzungsprüfung nach dem neuen Berufsbild zu unterziehen haben. Ohne die Prüfung laufen sie Gefahr, ab 2021 nur noch den Rettungswagen als Fahrer fahren zu dürfen und bei der Behandlung ist eigene vorhandene Kompetenz nach der Ausbildungsverordnung als zu gering eingestuft worden.

In den kommenden drei Jahren werden Neudert, Hoidem und Lerch in den Krankenhäusern Korbach, Bad Arolsen und Wolfhagen ausgebildet und durchlaufen dort verschiedene Fachabteilungen. Außerdem sind sie auch an der Hildegard-Vöttele-Schule des DRK Kassel und danach wieder an ihrer Lehrrettungswache. Fachwissen aus den Bereichen Kommunikation, Anatomie, Physiologie, Diagnostik, Qualitätsmanagement, Anästhesie, Notfallmedizin, wissenschaftliches Arbeiten und vieles mehr wird ihnen vermittelt. „Es sind Puzzlestücke, die am Ende zu einem wirklich großartigen wie einzigartigen Beruf führen, dem Notfallsanitäter“, sagt Bernd Warnecke.(da/r)

Hintergrund

Die Einsatzzahlen steigen stetig, und mit ihnen auch die Bedeutung qualifizierter Hilfe. Inzwischen dürfen Rettungsassistenten – und künftig die Notfallsanitäter – Hilfemaßnahmen ergreifen, die früher nur Ärzten vorbehalten waren. Dazu zählen zum Beispiel das Intubieren oder das Legen eines Zugangs. Sanitäter waren früher meist freiwillige Helfer, die mit Krankenwagen Patienten möglichst schnell ins nächste Krankenhaus bringen sollten – qualifiziertes medizinisches Können am Einsatzort spielte damals keine Rolle. 1977 wurde der Rettungssanitäter etabliert. Dafür war eine dreimonatige Lehrzeit notwendig – als Ausbildungsberuf galt es nicht. Rettungssanitäter gibt es beim DRK in Korbach und Bad Arolsen noch heute: In der Regel absolvieren junge Leute während eines Freiwilligen Sozialen Jahres diese Ausbildung. Rettungssanitäter können als zweiter Mann auf Rettungswagen eingesetzt werden und – bei Einsatzerfahrung – auch Fahrer eines Notarzteinsatzfahrzeugs sein. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten war von 1989 bis Ende 2014 möglich und ist vom Notfallsanitäter ersetzt worden. (r/da)

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