Rathaus zieht zufrieden erste Bilanz · Ältere Fahrgäste beklagen teils Wartezeiten

Neuer Stadtbus unter der Lupe

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Haltestelle Hauptbahnhof: Auf möglichst kurzem Weg ins Zentrum, das ist die Leitlinie beim neuen Korbacher Stadtbussystem.

Korbach - Gut auf Linie ist das neue Stadtbussystem, bilanziert die Stadt. „Viele ältere Menschen schimpfen“, sagt hingegen die Korbacherin Ruth Iske. So bringt die neue Linienführung insgesamt etliche Verbesserungen - aber nicht für jedes Wohngebiet.

„Der Stadtbus soll neue Freunde gewinnen“, hieß das Motto am 10. Dezember. Mit dem Wechsel zum neuen Transportunternehmen änderte die Stadt deshalb zugleich den Fahrplan.

Nach wie vor sind zwei Busse in der Kernstadt unterwegs. Auch die Routen und Haltestellen sind weitgehend gleich geblieben. Doch aus dem früheren 40-Minuten-Takt ist ein Stundentakt geworden. Und statt mit zwei Linien ist das Netz neuerdings in fünf Linien unterteilt.

Fünf Linien im Netz

Vorteile: Aus den Wohngebieten am Rande sollen Fahrgäste möglichst auf kürzestem Weg ins Zentrum gelangen. Die neue Linie 5 verknüpft zudem erstmals das nordwestliche Gewerbegebiet zwischen Ziegelhütte, Lebenshilfewerk und Tankstelle Grebe mit dem Stadtbus. Das ist für Berufstätige ein Pluspunkt.

Die Fahrzeiten von den Rändern ins Stadtzentrum haben sich also insgesamt verkürzt, der 60-Minuten-Takt ist zudem leicht zu merken, schildert Ordnungsamtsleiter Carsten Vahland: „Bislang haben wir auf den neuen Stadtbus fast ausschließlich positive Resonanz.“

„Nicht im Regen stehen“

Ruth Iske beurteilt die Lage als Fahrgast jedoch ganz anders: „Der Stadtbus kann keine neuen Freunde gewinnen, wenn er die Menschen im Regen stehen lässt“, sagt die 83-jährige Korbacherin. In ihrem Bekanntenkreis gebe es zahlreiche ältere Menschen, die mit dem neuen Stadtbussystem ebenfalls unzufrieden seien.

Ruth Iske wohnt in der Marker Breite. Sie besucht häufiger Freunde in der Louis-Peter-Straße, möchte zum Krankenhaus, zum Friedhof oder zur Gymnastik. Früher stieg Ruth Iske an der Friedrichstraße in Linie 2 ein und kam via Hauptbahnhof in einer Schleife in rund 20 Minuten ans Ziel.

Wartezeiten beklagt

Mit dem neuen Fahrplan hat sich für Bewohner rund um die Marker Breite einiges verändert. Linie 2 ist nämlich mit Linie 3 und 5 verknüpft - und die halten weder in der Louis-Peter-Straße noch am Friedhof. Somit muss Ruth Iske am Hauptbahnhof beispielsweise in Linie 4 umsteigen - und das bedeutet Wartezeiten von bis zu 43 Minuten.

In dieser Zeit könnte sie zwar manchmal Einkäufe erledigen, aber müsste die Taschen dann die ganze Zeit im Bus und bis zum Friedhof mitnehmen. Fazit der Korbacherin: Das neue System sei stark auf Fahrten ins Stadtzentrum ausgerichtet. Die Fahrten von A nach B, also von Stadtviertel zu Stadtviertel, seien jedoch für sie viel schwieriger geworden.

„Wir können mit dem Stadtbus nicht für alle Idealverbindungen schaffen“, argumentiert Carsten Vahland. So gebe es mit dem neuen System insgesamt mehr Vorteile, manche Fahrgäste müssten aber auch von früheren Gewohnheiten abrücken, denn der Stadtbus in Korbach sei als „Grundversorgung“ ausgerichtet, verweist der Ordnungsamtsleiter auf die Kosten.

Trotzdem biete das neue Stadtbusnetz für die meisten Nutzer entsprechende Alternativen - auch für Ruth Iske, erläutert Vahland: Statt an der Haltestelle Friedrichstraße könne sie in der Nähe am Paul-Zimmermann-Sportplatz oder an der Waldmannsbreite gleich in Linie 1 zusteigen. Die geht am Hauptbahnhof nahtlos in Linie 4 über und führt dann direkt Richtung Louis-Peter-Straße, Friedhof und Krankenhaus.

Stadt: Alternativen nutzen

In einem anderen Fall, bei einem Bewohner aus der Schlesischen Straße, habe er empfohlen, einfach die Haltestelle auf der anderen Straßenseite zu nutzen, berichtet Vahland. Fortan sei der Fahrgast ohne Umwege auf der Busschleife zum Ziel gelangt. Fazit des Ordnungsamtsleiters: „Es ist viel Flexibilität im Fahrplan.“

Für Ruth Wagner kommt allerdings die Alternative mit Linie 1 am Paul-Zimmermann-Sportplatz nicht in Frage. „Dann kann ich auch gleich zum Bahnhof laufen“, sagt die agile 83-Jährige: „Ich bin ja noch gut zu Fuß.“ Andere Korbacher Senioren hätten da aber weitaus mehr Schwierigkeiten.

Ob die Stadt nach der Auftaktphase noch mal Änderungen am Stadtbus-Fahrplan vornimmt? „Ein solches System ist nie in Stein gemeißelt“, sagt Carsten Vahland salomonisch. Wenn, dann sollten Änderungen aber nicht sprunghaft erfolgen, sondern bei einem allgemeinen Fahrplanwechsel im Winter.

Insgesamt seien die Rückmeldungen aus der Bevölkerung zum neuen Korbacher Stadtbussystem aber erfreulich, resümiert Vahland. Mittlerweile gebe es bereits Anfragen von heimischen Betrieben, um für ihre Kunden Stadtbustickets anzubieten - statt Wartezeiten. Zudem seien die Busse im neuen Liniennetz verlässlich und ohne nennenswerte Verspätungen unterwegs.

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