Willinger Bergwacht feiert Umzug und 15. Geburtstag mit „Tag der offenen Tür“

In neuer Wache sind noch Plätze frei

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Bergretter präsentieren sich: Beim Schnuppertag 2010 stellt das Team der Willinger Bergwacht sich vor, um weitere Helfer zu gewinnen.

Willingen - „Bei jedem Wetter, in jedem Gelände“: Unter diesem Motto präsentieren die Willinger Bergretter beim „Tag der offenen Tür“ am 14. Juli ihre Arbeit und vor allem ihre neue Wache - das schönste Geburtstagsgeschenk zum 15-jährigen Bestehen der Bereitschaft.

Die Mitglieder der Deutschen Bergwacht haben sich der ehrenamtlichen Bergrettung verschrieben. Als der Ski- und Radtourismus im Upland zunimmt, gründet sich 1996 die Bereitschaft Willingen als ehrenamtlicher Fachdienst des Deutschen Roten Kreuzes (siehe Stichwort).

15 Jahre später müssen die Aktiven um Bereitschaftsleiter Frank Köster Einsatzrucksäcke, Skiausrüstung, Motorradhelme für die Rettungsfahrten mit dem Quad und andere Ausrüstungsgegenstände allerdings erst einmal zusammenpacken. Da der bisherige Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat, müssen sie die Wache räumen und in neue Räume ziehen.

„Wir hätten gern selbst gebaut“, berichtet Köster. Allerdings sei es schwer gewesen, in Willingen ein geeignetes Grundstück zu finden. Darüber hinaus habe Geld im Haushalt gefehlt. Einen Neubau bekommen die Bergretter aber trotzdem: Die Vertreter des DRK-Kreisverbandes einigen sich mit dem Westheimer Michael Finger, dem Teile der ehemaligen Willinger Tennishalle gehören, auf einen Anbau unmittelbar vor der Kletterhalle. Köster: „Wir mussten nur die Außenmaße einhalten und alles Übrige wurde nach unseren Wünschen gebaut. Für eine Mietoption war das die beste Lösung.“

„Alles so, wie wir es wollten“

Die Bauarbeiten starten im August 2011. „Der Einzug hat sich leider von November 2011 auf Februar 2012 verzögert“, erläutert Köster. „Wir sind also mitten in der Wintersaison umgezogen, daher feiern wir den Einzug und das 15-jährige Bestehen der Bergwacht erst jetzt.“ Sein Dank gilt dem ehemaligen Vermieter, der den Vertrag kurzfristig noch über den Jahreswechsel verlängert habe.

Ihre neue Unterkunft präsentieren die Bergretter beim „Tag der offenen Tür“, der am 14. Juli um 10 Uhr beginnt. Unter der Adresse „Zur Hoppecke 9 b“ finden sich auf 170 Quadratmetern Schulungs- und Aufenthaltsraum mit Küche, zwei Schlafräume, Umkleiden, sanitäre Anlagen, Fahrzeughallen, Hygieneraum und Lager. „Die meisten Räume erscheinen klein, aber wir haben trotzdem gewonnen, indem wir alles so einrichten konnten, wie wir es wollten“, betont Köster. Die sechs Schlafplätze seien zum Beispiel bei Lehrgängen nützlich. Derzeit verleihen die Maler der Außenfassade noch den letzten Schliff.

„Jeder leistet 800 Stunden“

Zugleich wollen die Bergretter am 14. Juli für ihre ehrenamtliche Arbeit werben, denn sie suchen dringend neue Helfer. „Mit 86 Einsätzen war der Winter 2012 zwar ruhig, aber auch dann ist die Skirettung ehrenamtlich nicht zu stemmen“, erklärt Köster. Derzeit sind im Upland elf Bergretter aktiv. Während der Skisaison erhalten sie seit 2009 hauptamtliche Unterstützung durch die Skiwacht (siehe Stichwort).

Insgesamt rückte die Bergwacht 2012 bislang 105-mal aus. In Frühling und Sommer müssen vor allem verunglückte Mountainbiker versorgt werden. „Bei uns leistet jeder Helfer rund 800 Stunden im Jahr“, verdeutlicht Köster.

Mehr Einsätze in der Woche

Sorge bereitet dem Usselner vor allem, dass sich die Einsätze unter der Woche häufen. Während an den Wochenenden auch Mitglieder der Bergwacht Bad Wildungen und des Technischen Hilfswerks im Upland Dienst leisten, kann Köster von montags bis freitags nur auf seine elf Aktiven zurückgreifen. „Inzwischen arbeitet jedoch niemand mehr vor Ort und im Gegensatz zu den Feuerwehren haben wir keine Nachbar-Bergwacht, die einspringen kann“, beschreibt er zwei weitere Probleme.

„Unser Aufgabengebiet halte ich aber nach wie vor für sehr interessant“, wirbt Köster um Verstärkung. Neben der neuen Wache zeigen die Bergretter beim „Tag der offenen Tür“ daher ihre komplette Ausrüstung. Eine Vorführung der „Höhenrettung Waldeck-Frankenberg“, der Bergretter und THW-Mitglieder angehören, steht ebenfalls auf dem Programm. Verlosung, Hüpfburg und Kinderschminken (14 bis 17 Uhr) runden das Angebot ab.(nv)

Stichwort: Bergwacht

Um bedrohte Pflanzen in den Alpen zu schützen, gründet Fritz Berger 1920 in München die Deutsche Bergwacht. Inzwischen sind die Männer und Frauen in der rot-blauen Einsatzkleidung mit dem Edelweiß auf der Brust vor allem für die Bergrettung verantwortlich. Die erste hessische Bereitschaft Heppenheim schließt sich 1959 dem Deutschen Roten Kreuz als ehrenamtlicher Fachdienst an. Die 1996 gegründete Bergwacht Willingen gehört zum DRK-Kreisverband Korbach-Bad Arolsen. Skirettung, Rettung aus unwegsamem Gelände, Höhen- und Luftrettung, Personensuche und Naturschutz zählen zu den Aufgaben der elf Aktiven um Bereitschaftsleiter Frank Köster. Während der Wintersaison unterstützen zwei Vollzeitkräfte der Skiwacht die Bergretter. (nv)

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