Korbach/Frankfurt

„Niemand ist davon nicht betroffen“

- Korbach (tk). Weltweit protestierten am vergangenen Samstag Hunderttausende gegen die Macht der Banken. 5000 Demonstranten versammelten sich in der Finanzmetropole Frankfurt. Mit dabei: Andy Gheor­ghiu aus Korbach.

Der 36-jährige Verwaltungsfachangestellte hat seine Eindrücke zu Papier gebracht und im Internet veröffentlicht (http://content.yudu.com/Library/A1udcy/RememberRememberthe1/). Die „närrisch-poetische Sicht eines Gezählten“ steht als Überschrift auf der ersten von acht DIN-A4-Seiten. „Es ging um nicht weniger, als dass an einem Tag Menschen in verschiedenen Orten auf diesem Planeten auf die Straße gehen sollten, um kundzutun, dass sie nicht länger bereit sind, für die Machenschaften der Finanzwelt und die Korruption der Politik ihren Kopf hinzuhalten und ihren Buckel krumm zu machen.“

Spontan habe er sich an jenem Morgen dazu entschlossen, zusammen mit einem Arbeitskollegen nach Frankfurt zu fahren, zu „meiner ersten Demo“, wie Gheorghiu drei Tage später erzählt. Gedanken über die politische Situation macht er sich schon geraume Zeit. Für ihn steht fest: Ratingagenturen, Investmentbanker mit Zockermentalität, macht- und ratlose Politiker ebnen den Weg für eine „neue feudale Weltordnung“. Dass Unbehagen und Unmut über die weitestgehend unkontrollierte Macht der Banken (Wut-)Bürger nahezu aller Altersgruppen, Bildungs- und Einkommensschichten hinter der Losung „Empört Euch!“ (siehe Hintergrund) versammelt hat, konstatieren inzwischen auch deren gewählte Vertreter.

EU-Kommissionspräsident Barroso zeigte Verständnis für die „Frustration und Empörung“ der Demonstranten. Mancher Akteur des Finanzsektors habe sich „vollständig unverantwortlich“, manchmal sogar „kriminell“ verhalten. EU-Ratspräsident van Rompuy nannte die Sorgen der Menschen „legitim“. Angela Merkel ließ über ihren Sprecher verlauten: „Die Kanzlerin kann auch persönlich verstehen, dass die Menschen auf die Straße gehen.“ Namhafte Sozial- und Politikwissenschaftler widersprechen Bürgerrechtler und Ex-Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck, der die kapitalismuskritischen Proteste als „albern“ bezeichnet hatte. Entsteht hier eine neue soziale Bewegung?„Niemand ist davon nicht betroffen“, sagt Gheorghiu.

Der Protest soll am Samtag (22.10.) weitergehen. Nach Angaben des globalisierungskritischen Bündnisses Attac finden Kundgebungen und Aktionen in mindestens zwölf deutschen Städten statt. Auch in Frankfurt ist wieder eine Demonstration angemeldet. Treffpunkt: 12 Uhr, Rathenauplatz.

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