Ausdrucksspiel und Waldkindergarten bereichern Angebot der Adorfer Kita

Als Nilpferd durch Fantasiewelt toben

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Entdecken sich selbst (v. l.): Etienne, André, Nina, Maria, Marisa, Tim, Kevin und Ibrahim genießen das Ausdrucksspiel, bei dem sie eine eigene Welt schaffen.

Diemelsee - Adorf - Die einen entwickeln als Feen, Frösche oder (Nil-)Pferde verkleidet Geschichten, andere sind mit „Waldbesen“ und Schnitzwerkzeugen im Unterholz unterwegs: Die Adorfer Kindergartenkinder lernen sich selbst und die Natur derzeit besonders intensiv kennen.

Spielerisches Lernen steht in der evangelischen Kindertagesstätte „Saraphe“ Tag für Tag auf dem Programm. Für Etienne, André, Nina, Maria, Marisa, Tim, Kevin und Ibrahim ist in dieser Woche aber alles irgendwie anders. Die Mädchen und Jungen, die sonst in allen vier Kita-Gruppen spielen und lernen, bilden seit Montag eine eigene Truppe, denn die Vorschulkinder haben Projektwoche. Jeden Morgen treffen sie sich mit Iris Kalhöfer im Turnraum. Die Wirmighäuserin ist Expertin für die Methode „Jeux Dramatiques“, eine besondere Form des Theaterspiels. Sie bietet das Ausdrucksspiel zum Beispiel in Kindergärten und Grundschulen, aber auch in Kursen für Erwachsene an .

Selbstbewusstsein stärken

Wenn die Kinder in selbst gewählte Rollen schlüpfen, Verkleidung und Bühnenbild aus bunten Tüchern, Hüten, aus Matten und Bänken kreieren und das Spiel miteinander entwickeln, erleben sie sich selbst. Emotionale und soziale Kompetenzen stehen laut Iris Kalhöfer im Mittelpunkt. „Die Kinder sollen ihre Gefühle und Bedürfnisse ausdrücken, sich gegenseitig zuhören und ihr Selbstbewusstsein stärken“, erklärt die Expertin. Persönlichkeitsbildung, Toleranz und Akzeptanz sind wichtige Schlagworte.

„Das Ausdrucksspiel tut sowohl Kindern gut, die gern die Grenzen überschreiten, als auch denen, die sehr zurückhaltend sind“, ergänzt Iris Kalhöfer. Gerade weil die Mädchen und Jungen so verschieden sind, hat sie die Geschichten „Irgendwie anders“ und „Das kleine ich bin ich“ ausgesucht, die das Spiel begleiten.

Ob als Indianer, Höhlenbewohner oder Fee in der ersten Geschichte oder als Kuh, Frosch oder Nilpferd in der zweiten Erzählung - mit großer Freude toben die Kinder durch eine Fantasiewelt, die sie selbst schaffen. Eins ist beiden Welten gemein, immer gibt es Wesen, die anders sind als andere und es deshalb schwer haben. Zu guter Letzt begegnet jeder aber neuen, freundlich gesonnenen Wesen. In Adorf klopfen zum Beispiel Schüler der Mittelpunktschule, mit denen Iris Kalhöfer ebenso arbeitet, an die Höhlen und Ställe der Kindergartenkinder. Wenn sie eingelassen werden, lernen sich Vorschul- und Schulkinder bereits kennen; wenn nicht, sagen die Kindergartenkinder bewusst Nein und auch das gehört zur Persönlichkeitsbildung.

Waldtage dank Landjugend

Wertvolle Lernerlebnisse verspricht sich das Kita-Team ebenfalls vom neuen Waldkindergarten: Im Rahmen der bundesweiten Landjugend-Aktion „Ich.Du.Wir. Fürs Land“ hatten die Mitglieder der Adorfer Landjugend im Oktober in einem Stück Gemeindewald, das nicht weit vom Kindergarten entfernt liegt, eine Hütte für den Diemelseer Nachwuchs errichtet. Die Gemeinde unterstützte das Projekt (wir berichteten).

Obwohl die kalte Jahreszeit angebrochen ist, sind Mädchen und Jungen ganz heiß auf die Exkursionen. Wenn es die Witterung zulässt, ziehen sie mit Matschhosen, Anoraks, Mützen und Gummistiefeln ausgerüstet los. „Die Exkursionen gehören zum täglichen Freispielangebot“, erklärt Irmtraud Nierenköther. „Ab dem Frühjahr wollen wir dann gruppenübergreifende Waldtage anbieten“, berichtet die Erzieherin. Ein Frühstück in der Natur und freies Spielen sollen im Mittelpunkt stehen.

Sitzecke erwünscht

Das freie Spiel genießen die Mädchen und Jungen schon bei ihren Ausflügen in vollen Zügen: Mit „Waldbesen“ fegen sie den Boden, bauen aus langen Ästen ein Zelt mit weichem Moosboden oder sausen ihre selbst angelegte Waldrutsche hinunter. Selbst eine Toilette mit Donnerbalken haben Kinder und Erzieher eingerichtet. In ihrer Hütte sammeln die Diemelseer ihr „Schnitzwerkzeug“ sowie interessante Fundstücke. „Alles aus dem Wald in der Sammelstelle zu lassen, ist eine unserer Regeln“, erläutert Irmtraud Nierenköther. Damit die Kinder die Natur und damit auch sich selbst in Zukunft noch ein bisschen besser kennen lernen können, wünschen sich die Diemelseer jetzt nur noch eine kleine Sitzecke.

Hintergrund

„Spiel ist die Tür zum Herzen“: Unter diesem Titel steht ein Schnupperkurs für „Jeux Dramatiques“, zu dem vor allem Erzieher und Lehrer herzlich eingeladen sind.

Iris Kalhöfer bietet die Ausbildung im März in Kassel zusammen mit Ulrike HaversDietrich, der zuständigen Fachreferentin für Nordhessen an. Interessierte melden sich bei Iris Kalhöfer in Wirmighausen unter Telefon 05633/1596.(nv)

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