Basdorfer Schauspieler begeistern Publikum mit bissiger Komödie

„Nur nicht böse sein, liebe Vöhler“

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Vöhl-Basdorf - Den ersten Lacher gibt es, noch bevor der Vorhang überhaupt gelüftet ist: „Nehmt nicht alles so ernst, liebe Vöhler“, rufen die Basdorfer Moderatoren ihrem Publikum etwas zerknirscht entgegen. Eine Art Warnung also – die wohl vor allem bei den Basdorfern die Vorfreude nochmal steigen lässt.

Und tatsächlich: Kaum ist der Vorhang im Basdorfer Dorfgemeinschaftshaus dann wirklich geöffnet, beginnt ein heiterer Kampf der Dörfer. „Hast du einen Vöhler im Haus, dann ziehen die Mäuse freiwillig aus“, stellen die Schauspieler fröhlich fest. Und: „Lieber Ratten, dick und fett, als 'nen Vöhler Mann im Bett.“ Das Publikum johlt, und auch die Vöhler scheinen genug Humor mitgebracht zu haben, um den Theaterabend zu überstehen. Vor allem wohl deswegen, weil die Basdorfer auch auf eigene Kosten witzeln, was das Zeug hält.

„Michel“ ist der Star

Heimlicher Star der Komödie, die die Laienspielgruppe am Samstagabend auf die Bühne zaubert, ist Michel. Das wird dem Publikum schnell klar. Roman Wagemann spielt einen (vermeintlich) Taubstummen. Und während seine Ensemblemitglieder mit Wortduellen die Gunst des Publikums erlangen, gelingt es Michel mit Gesten, Stürzen und einem Trainingsanzug aus den 1990er-Jahren. Während er fast drei Stunden lang stumm die Theke des Tante-Emma-Ladens bewacht, spielt sich im Nebenraum der Rest der Komödie ab – im Wohnzimmer von Geschäftsführerin Gudrun (grau meliert und wunderbar aufgelegt: Janine Frede). Die hat es auf den Vöhler Bürgermeister abgesehen. Der wird von Stefan Schluckebier mit so viel Charme und Schwung gespielt, dass selbst Vöhls wahrer Bürgermeister Matthias Stappert im Publikum fröhlich vor sich hin lacht.

Nun hat der Bürgermeister, der gleichzeitig als größter „Machomist“ im Ort bekannt ist, aber vor allem eine Sorge: Er will möglichst vielen Röcken hinterherjagen (wie dem von einer gut gelaunten und engagierten Sarah Mitze) – was ihn zuweilen in unmögliche Situationen bringt – und seine beiden Söhne unter die Haube bringen. Ausgerechnet in Basdorf.

Versöhnliches Happy End

Ungünstig, dass er just in dieser Situation eine neue Glocke anschafft, die den Vöhlern künftig Glück und den Nachbarn Unglück läuten soll. Ein Verwirrspiel beginnt: In dessen Verlauf schlüpft ein gehörnter Ehemann in Frauenkleidung (dafür bekommt Dirk Henkler reichlich Applaus und die Gunst des Publikums), Gudruns Töchter in Dirndl (schön schrill: Celina Schiller und Jacqueline Sach) und die Söhne des Bürgermeister in Lederhosen und blonde Perücken (in ihrem Debüt: Dominik Sach und Kevin Rosen-stengel). Tratschbase Walli (schön frech: Karina Henkler) räumt den Tante-Emma-Laden aus. Und Hennig Göbeler, der die ersten beiden Akte schlafend auf dem Sofa verbringt, läuft im dritten schließlich zur Hochform auf: Als Dieter Bohlen castet er die Einwohner der Dörfer beim „Supertalent“ und trifft so gekonnt Ton und Dialekt des Pöbelpromis, dass ihm das Publikum zu Füßen liegt.

Es folgt ein versöhnliches Happy End, der Bürgermeister stellt das Unglücksläuten ein, und in Basdorf verlässt kein Zuschauer böse den Saal – sondern köstlich amüsiert. (resa)

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