Korbach

Ohne Zivis kann es richtig teuer werden

+

- Korbach (bs). Wenn im Sommer die Wehrpflicht ausgesetzt wird, fallen im Kreis 194 Zivildienstplätze weg. Ob der neue Freiwilligendienst die Lücke füllen kann, ist fraglich.

Noch gibt es im Landkreis Waldeck-Frankenberg insgesamt 83 Zivildiensteinrichtungen mit 194 anerkannten Zivildienstplätzen. Davon sind aktuell 98 Plätze mit Zivildienstleistenden belegt. Während es derzeit bundesweit noch über 62 000 Zivis gibt, sind für den Bundesfreiwilligendienst (BFD) nur 35 000 Plätze im Gespräch.

Dass alle Zivildienstleistenden durch Freiwillige ersetzt werden, ist daher unwahrscheinlich. Hinzu kommt, dass die neuen Freiwilligen auch Aufgaben in den Bereichen Sport, Kultur und Integration übernehmen sollen. Das geht aus einem Papier des Familienministeriums hervor. Viele bislang nach dem Zivildienstgesetz anerkannte Einrichtungen im Bereich Soziales und Gesundheit könnten darum künftig leer ausgehen.

Die Wohlfahrtsverbände erwarten deshalb, dass ein Mix aus Freiwilligen und Hauptamtlichen den Wegfall der Zivis abfedert – und das könnte teuer werden. Unter anderem auch für den Landkreis Waldeck-Frankenberg. Denn der ist zu manchen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch verpflichtet. So muss auch in Zukunft eine angemessene Schulbildung für behinderte Kinder sichergestellt werden. Dazu gehört eben auch deren Betreuung im Unterricht, bislang ein typischer Job für Zivis.

Sollte für die Begleitung behinderter Kinder kein Ersatz auf freiwilliger Basis gefunden werden, müssten mehr hauptamtliche Integrationskräfte als sogenannte „Schulassistenz“ eingestellt werden, prognostiziert Nina Jonescu, Leiterin der Paul-Zimmermann-Schule in Korbach. Die Einrichtung für praktisch Bildbare hat derzeit noch vier anerkannte Zivildienststellen. „Ich denke nicht, dass wir unsere Zivis voll durch den Freiwilligendienst ersetzen können“, so die Schulleiterin.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Dienstag, 1. Februar.

Kommentare