Nach Umzug der Zentrale nach Kassel sucht die Hilfsorganisation Käufer für Gebäude am Ziegelgrund

Ora-Standort steht nicht zur Disposition

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Transparente Fassade: Nachdem die Fensterbaufirma Winowa Bauelemente Ende 2002 den Geschäftsbetrieb eingestellt hatte, erwarb Ora (damals: Deutscher Hilfsfonds) den Gebäudekomplex im Korbacher Gewerbegebiet am Ziegelgrund.

Korbach - Für 650 000 Euro wird die frühere Zentrale von Ora International am Ziegelgrund als Büroimmobilie angeboten. Am Standort Korbach will die Hilfsorganisation aber festhalten

Das Gebäude steht zum Verkauf, der Standort aber nicht zur Disposition: So fasst Jochen Hackstein, der stellvertretende Ora-Vorstandsvorsitzende, die Situation zusammen. Zum 1. Januar dieses Jahres hatte das vor 32 Jahren als „Deutscher Hilfsfonds“ in Lelbach gegründete, christlich geprägte Hilfswerk seine Zentrale nach Kassel verlagert. Dort sollen vor allem Firmen und Großspender als potenzielle Unterstützer von „Social Business“-Projekten in der Entwicklungshilfe akquiriert werden.

Logistik-Standort

Vom Korbacher Büro aus wird weiterhin die Logistik koordi-niert, erklärt Hackstein auf Anfrage. Vier Mitarbeiter kümmern sich dort um die Vorbereitung und Organisation der rund 30 Hilfstransporte, die jährlich mit Sachspenden in die verschiedenen Projektländer starten. Für diesen Zweck sei das Gebäude nach dem Umzug von rund einem Dutzend Mitarbeitern an die Fulda jetzt einfach zu groß.

Wie groß, wird auf der Internetseite einer Korbacher Immobilienfirma beschrieben, die das Objekt im Gewerbegebiet anbietet: „Die Immobilie wurde im Jahre 1990 auf einem zirka 9364 Quadratmeter großen Grundstück in hochwertiger, massiver Bauweise erstellt. Der Gebäudekomplex besteht aus vier Gebäudeteilen mit einer Gesamtnutzfläche von 1486 Quadratmetern, davon können 552 Quadratmeter als Büro oder Ausstellungsfläche genutzt werden.“

„Eine Frage der Zeit“

Vollmundig wird weiter geworben: „Diese einzigartige Gewerbeimmobilie kann durch die hervorragende Architektur vielseitig für Ihre Zwecke genutzt werden und besticht vor den Toren der Stadt mit einer sehr guten Verkehrsan-bindung.“ Vielversprechend, aber bis jetzt nicht erfolgreich verlief das Geschäft in den vergangenen neuneinhalb Monaten. Zwar gebe es „einige Interessenten“, und man stehe auch in Verhandlungen, berichtet Hackstein. Daraus habe sich bis dato jedoch noch kein konkretes Kaufangebot ergeben. „Eine Frage der Zeit“, gibt er sich optimistisch. Ideal wäre es, wenn der neue Besitzer einen Teil der Immobilie wieder an die Hilfsorganisation zurückvermieten würde. Dies sei allerdings keine Bedingung, betont Hackstein. Sollte der neue Eigentümer das komplette Gebäude selbst nutzen, müsste Ora nach einem neuen Domizil für das „Büro Korbach“ suchen.

Hintergrund

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) ?beurteilt, wie soziale und ?karitative Nichtregierungsorganisationen in Deutschland ihre Spendengelder verwenden. Für das Bezugsjahr 2012 beziffert das DZI die Gesamteinnahmen von Ora International auf rund 7,4 Millionen Euro, davon werden 7,36 Millionen Euro als Sammlungseinnahmen (Spenden, Patenschaftsbeiträge) angegeben.

Den Anteil der Werbe- und Verwaltungskosten, den Ora davon beansprucht, wird als angemessen (Kategorie: 10 bis 20 Prozent) beurteilt. Das DZI ist seit 1957 eine gemeinnützige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Industrie- und Handelskammertag sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege sind Träger der Stiftung.(tk)

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