Schweinsbühler feiern am 5. Mai 100 Jahre DRK · Hilfsbereitschaft ist bis heute Devise

Ortsverein ist ein „Dorfverein“

Geburtstagsgesellschaft: Das 90-jähriges Bestehen des DRK-Ortsvereins feiern die Schweinsbühlerinnen um Vorsitzende Dagmar Bauer (r.) am 29. September 2002. Fotos: pr

Diemelsee-Schweinsbühl - „100 Jahre DRK-Ortsverein“ feiern die Schweinsbühler am 5. Mai. Den Begriff Ortsverein nehmen die Damen wörtlich. „Unser Verein ist ein Verein für das Dorf“, betont Vorsitzende Dagmar Bauer.

„Aktiv mitarbeiten und stets Hilfsbereitschaft zeigen“: Unter dieser Devise gründen zwölf engagierte Frauen 1912 den „Vaterländischen Verein“. „Der Verein überstand Kriege und Nachkriegszeiten“, heißt es im Ortssippenbuch Schweinsbühl knapp zu den Jahren bis 1954. 1954 schließen sich die Mitglieder des „Vaterländischen Vereins“ dem Deutschen Roten Kreuz, Kreisverband Korbach, an. Der DRK-Ortsverein entsteht. Erste Vorsitzende ist Anna Zölzer.

Um sich weiterzubilden und die Geselligkeit zu pflegen, treffen sich die Frauen einmal im Monat. Fortbildungen wie Erste-Hilfe-Kurse, bei denen der Überlieferung zufolge auch einmal ein Ferkel wiederbelebt wird, sowie Wanderungen und Fahrten gehören fortan zum Jahresprogramm.

Von Nachbarn und Alten

Auf die erste Vorsitzende Anna Zölzer folgen Senta Arnold (1960 bis 1964), Erna Becker (1964 bis 1982) und Hildegard Schäfer (1982 bis 1996). „Erna Becker und Hildegard Schäfer haben das Vereinsleben geprägt“, berichtet Dagmar Bauer, die seit 1996 an der Spitze des DRK-Ortsvereins steht. Unter Erna Beckers Regie etablieren sich zum Beispiel die Nachbarschaftstreffen mit den Ortsvereinen Rhena und Neerdar. „Die Frauen haben sich im Wechsel in jedem Ort getroffen und sich ausgetauscht“, erklärt Dagmar Bauer. Bei einem gemeinsamen Essen und Sketchen oder mit dem DRK-Ballett verbringen sie gesellige Stunden. „Hildegard Schäfer hat diese Tradition hochgehalten. Als die Rhenaer ihre Aktivitäten eingestellt haben, war es damit aber vorbei.“

Zu dieser Zeit entsteht eine weitere Institution, der Alten-Club Rhenetal. Von 1974 bis 2004 lädt Anni Schneider einmal im Monat nach Schweinsbühl oder Benkhausen ein. „Im Andenken an sie, die so viel für das DRK getan hat, haben wir den Alten-Club 2005 wieder ins Leben gerufen“, erläutert Dagmar Bauer und fügt lächelnd hinzu: „Da sich die Schweinsbühler aber nicht als Alte, sondern als Senioren sehen, organisieren wir im Frühjahr und im Herbst jeweils einen Seniorennachmittag für alle Bürger ab 60 Jahren.“ Die Diemelseer kommen zu Vorträgen oder Nachmittagen in gemütlicher Runde zusammen.

Gute Gemeinschaft

„Wir versuchen mit all unseren Aktivitäten, das Dorfleben aufrechtzuerhalten“, hebt die Vorsitzende hervor. Der Begriff Ortsverein ist in Schweinsbühl somit wörtlich zu nehmen. Die derzeit 27 Frauen sehen ihren Verein weniger als Verein des DRK-Kreisverbandes, sondern als „Dorfverein“. Damit stellen sie sich in die Tradition der Gründerinnen, die sich in schweren Zeiten zusammengetan hatten, um sich zu unterstützen. „So soll es auch bleiben“, blickt Dagmar Bauer voraus.

Heute zeigt sich die Hilfsbereitschaft beispielsweise in folgenden Punkten: Die Schweinsbühler kaufen für ihre älteren Nachbarn ein. Seit vielen Jahren organisieren die DRK-Damen die Weihnachtsfeier für das ganze Dorf. Sie unterstützen andere Vereine bei deren Festen. Grünanlagen und Friedhof werden gepflegt. „Wir versuchen auch weiterhin Kurse wie Erste-Hilfe-Lehrgänge anzubieten.“

Auf dem Terminkalender stehen des Weiteren die Jahreshauptversammlung, Wanderungen, Fahrten und Besichtigungen. „Jeder kann Ideen einbringen“, erklärt Dagmar Bauer. Neben ihr gehören ihre Stellvertreterin Heike Henning, Schriftführerin Mechthild Schäfer, Kassiererin Waldtraut Wilke sowie die Beisitzer Margret Zölzer, Hilde Schäfer und Doris Schultze zum Vorstand. „Wenn wir etwas vorschlagen, macht der Rest des Vereins mit“, lobt die DRK-Vorsitzende, die zugleich Ortsvorsteherin ist, den guten Zusammenhalt im kleinen Diemelseer Ortsteil.

Aktive Nachwuchswerbung

Wie zuvor das 50-, 80-, und 90-jährige Bestehen feiern die DRK-Mitglieder auch den 100. Geburtstag ihres Vereins. „Wenn wir es schon einmal geschafft haben, bis hierhin zu kommen, wollen wir das auch genießen“, berichtet Bauer mit Blick auf das Programm. Damit der Ortsverein auch künftig weiterbesteht, werben die Mitglieder um Nachwuchs: „Wenn junge Frauen ins Dorf kommen, sprechen wir sie direkt an und die meisten treten auch bei, weil wir – obwohl Männer nicht ausgeschlossen sind – der Frauenverein im Dorf sind.“ Ob Frauen oder Männer, ob DRK oder ein anderer Verein – wichtig ist für die Zukunft des Dorfes vor allem, dass die Schweinsbühler weiterhin zusammenhalten und sich gegenseitig unterstützen.

Festakt

Das 100-jährige Bestehen des DRK-Ortsvereins feiern Schweinsbühler und Gäste am Samstag, 5. Mai, ab 10 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus. Auf Sektempfang und Begrüßung folgt ein kurzer Gottesdienst mit Pfarrer Karl-Heinz Bäcker. Vorsitzende Dagmar Bauer blickt auf die Vereinsgeschichte zurück. Grußworte und Ehrungen runden das Programm ab. Nach dem offiziellen Teil stärken sich die Gäste am Buffet, der frühere Schweinsbühler Lehrer Erbroth spielt mit seiner Stubenmusik auf. Der heimische Männergesangverein unterhält.(nv)

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