Adorf

Ortsvorsteher dank „Papstwahl“

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- Diemelsee-Adorf (nv). Blonder Stoppelhaarschnitt, gewinnendes Lächeln, sympathisch und zugleich direkt – so kennen die Diemelseer Hans Hiemer. Nach 22 erlebnisreichen Jahren an der Spitze des Adorfer Ortsbeirats tritt der 58-Jährige zur Kommunalwahl am 27. März nicht mehr an.

Ist er nicht gerade einmal im Urlaub, vergeht kein Tag, an dem Hans Hiemer nach Feierabend nicht mit seinem weißen Golf unterwegs ist, um sich für die Belange der Adorfer starkzumachen. „Ich bin aber nur ein Neuntel des Ortsbeirats, quasi der Vereinsvorsitzende“, räumt er in aller Bescheidenheit ein.

Wenn Hiemer auf die fünf Legislaturperioden seit seiner Wahl 1989 zurückblickt, ist es das Wir-Gefühl in der Bürgervertretung, das ihn besonders bewegt. Dafür gibt es einen guten Grund: „Ich war lange Zeit völlig unpolitisch“, berichtet Hiemer, dessen Herz in jungen Jahren vor allem für den Fußball schlägt. Als er und seine Nachbarn als Anlieger der Mannesmannstraße 1987 Gebühren für den Straßenbau zahlen sollen, übernimmt er im Widerspruchsverfahren jedoch die Rolle des Anlieger-Sprechers.

„Nicht nur maulen, sondern mitmachen, hat der damalige Ortsvorsteher Otto Witsch damals zu mir gesagt“, erinnert sich Hiemer. Gesagt, getan: „Da die Aufstellung für den Ortsbeirat seinerzeit über Parteien erfolgte, trat ich 1988 der SPD bei.“ Bei der Kommunalwahl am 12. März 1989 erringen die Sozialdemokraten fünf der neun Sitze im Adorfer Ortsbeirat, vier gehen an die Bürgerliste. Als Rolf Behle, der das Ortsvorsteheramt vom erkrankten Otto Witsch übernommen hat, den Posten aus persönlichen Gründen niederlegt, gehen die Genossen in „Hiemers Hütte“ in Klausur. „Das war ähnlich einer Papstwahl“, schmunzelt Hiemer. Als Jürgen Küthe als letzter möglicher Kandidat zurückzieht, entscheidet sich der Neuling kurzerhand – „ohne Rücksprache mit der Familie“ – das Amt zu übernehmen.

Im Gegensatz zu vielen Waldeck-Frankenbergern, die im Vorfeld der Kommunalwahl nur noch wenig Interesse an den Ortsbeiräten signalisieren, hat er jedoch keineswegs das Gefühl, nichts mehr bewegen zu können. „Ich trete zurück, weil ich mich gern verstärkt in der Fraktionsarbeit einbringen und vor allem mehr Zeit für meine Familie haben will.“
 

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