„825 Jahre Stadtrechte“: Würdige Feierstunde mit Ausblick auf klangvollen Titel

Ouvertüre für die Hansestadt

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Korbach - Im Jubiläumsjahr darf sich die Kreisstadt auf einen weiteren amtlichen Titel freuen - Hansestadt. Dies wurde in der Feierstunde für 825 Jahre Stadtrechte deutlich.

„Hansestadt, das ist am Laufen, und ich werde es auch positiv begleiten“, erklärte Werner Koch, Staatssekretär im Wiesbadener Innenministerium, vorm Publikum im Sitzungssaal des Rathauses. Über 150 Korbacher kamen zur Feierstunde am Donnerstagabend, um ein historisches Datum ins Rampenlicht zu rücken: Im April 1188, also vor 825 Jahren, erhielt die Stadt im Herzen des Waldecker Landes das Soester Stadtrecht.

„Stadtluft macht frei“, dieses geflügelte Wort beschworen sowohl Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich als auch der stellvertretende Parlamentschef Heinz Merl bei ihren Ansprachen zum denkwürdigen Ereignis. Denn selbst wenn das Bonmot von der „Stadtluft“ tatsächlich erst aus der Zeit der preußischen Reformen im 19. Jahrhundert (Stein, Hardenberg, Humboldt) stammt, beschreiben doch Historiker damit auch das Credo mittelalterlicher Städte.

Privilegien und Macht

Stadtrechte sicherten wichtige Privilegien - ob Marktrechte, Gerichtsbarkeit, Befestigung oder Münzrecht. Und sie machten die begünstigten Städte freier vom Einfluss adliger Territorialherren. So diente die Verleihung besonderer Rechte im Umkehrschluss auch dazu, strategische Macht zu gewinnen für diejenigen, die das Stadtrecht huldvoll zu vergeben hatten. Im Falle Korbachs war das der Bischof Bernhard II. von Paderborn - auf Wunsch des Waldecker (Schwalenberger) Grafen Widukind.

Die Urkunde von 1188 an Korbach war also ein „Ereignis, das die Entwicklung unserer Stadt bis in die heutigen Tage wesentlich mitbestimmt hat“, untermauerte Rathauschef Friedrich. Und daraus resultiere bis heute auch ein besonderer Geist der Korbacher, mit Bürgerstolz und Tatkraft fürs Allgemeinwohl.

Genau diese Tugenden nehmen auch die Menschen in Soest für sich in Anspruch, schilderte Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer: „Denn Sie haben nicht irgendein Stadtrecht erhalten, sondern ein ganz besonderes - nämlich unseres“, erklärte der Soester Bürgermeister mit Augenzwinkern.

Korbach ist demnach eine „Tochterstadt“ von Soest, und in der westfälischen Mutterstadt ist auch eine Straße nach Korbach benannt. Derweil hatte das Soester Stadtrecht im hohen Mittelalter weithin Einfluss, vor allem in Handels- und Hansestädten. Auch das lübische Stadtrecht (Lübeck, Bremen, Hamburg) beruht stark auf Soester Muster.

Dabei haben die Korbacher einen Vorteil gegenüber ihrer Mutterstadt: Wann genau die berühmte Soester „Kuhhaut“, also das Pergament, auf dem die Statuten fixiert waren, tatsächlich niedergeschrieben wurden, darüber herrscht bis heute wissenschaftliches Rätselraten.

Ältere Rechte als Marburg

Für Korbach existiert zwar die Originalurkunde der Stadtrechte nicht mehr. Doch aus Abschriften ist zumindest klar, dass sie 1188 oder spätestens 1189 verliehen wurden (wir berichteten). Bei allen unterschiedlichen Interpretationen der Historiker ist Dr. Ulrich Hussong (Marburg) der festen Überzeugung, dass der 14. April 1188 das Datum der Verleihung war.

Brillant schilderte Hussong, Leiter des Marburger Stadtarchivs, in seinem Festvortrag die Bedeutung und Entwicklung des Korbacher Stadtrechts. Und er setzte Korbach auch in Vergleich mit anderen Städten im größeren hessischen Umkreis. Korbach nahm dabei eine ähnliche Entwicklung wie Kassel, während Marburg, Fritzlar, Frankenberg und andere Städte erst rund 100 Jahre später Stadtrechte erhielten.

In der spätmittelalterlichen Blütezeit des 15. Jahrhunderts bot Korbach mit seinen damals rund 2500 Einwohnern ein weithin beeindruckendes Bild. Es gab sogar Überlegungen, das Bistum von Paderborn aufzulösen und in Korbach neu zu gründen, wie Domkapitular Gisbert Wisse erklärte. Er trug zum Stadtrechtsjubiläum die Gedanken und Glückwünsche des Erzbischofs Hans-Josef Becker vor - „in herzlicher Verbundenheit“ nach Paderborn.

In Anerkennung ihrer Tatkraft für die Stadt überreichte Staatssekretär Werner Koch an die Korbacher Bürger zur Feierstunde die Freiherr-vom-Stein-Ehrenurkunde. So wartet Korbach im Jubiläumsjahr nur noch auf eine Urkunde aus Wiesbaden, auch den historisch belegten Titel „Hansestadt“ künftig amtlich tragen zu dürfen.

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