Debatte um Grundschulen in Rhena, Eppe, Freienhagen: Blick hinter die Kulissen

Panne, die nicht Schule machen sollte

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Astrid-Lindgren-Schule in Rhena: Selbst Eltern rechneten zumindest ab 2017 mit dem „Aus“. Nunmehr entwickeln sie Ideen für eine weitere Zukunft.

Korbach - Bürgernähe, Information, Transparenz? Die Debatten um die Grundschulen des Landkreises in Rhena, Eppe und Freienhagen liefern ein politisches Beispiel, das keineswegs Schule machen sollte.

Mit bürgernaher Politik ist es ähnlich wie in einer Familie: „Kinder, wir müssen reden.“ Das Problem kommt auf den Tisch, wir von allen Seiten beleuchtet, Argumente hier und da – und schließlich fällt eine Entscheidung.

Die mag bitter ausfallen, doch sollte sie am Ende einer Reise stehen, an der möglichst viele teilgenommen haben. Denn nichts ist schlimmer, als vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.

Die aktuelle Diskussion um die Grundschulstandorte in Rhena, Eppe und Freienhagen lief anders: Mitfahrgelegenheiten waren im Kreishaus offenbar nicht eingeplant.

Stattdessen gelangte durch den Entwurf des neuen Schulentwicklungsplans mitten in den Herbstferien ein neuer Beschlussvorschlag auf die politische Tagesordnung, der das Aus für die Grundschulen in Rhena und Eppe zum Sommer 2014 und in Freienhagen schon 2013 vorsah.

Anlass ist eine vom Eigenbetrieb für Gebäudemanagement beauftragte Untersuchung: Ein Architekturbüro prüfte im Sommer an insgesamt sieben Grundschulen in Waldeck-Frankenberg, welche Kosten für Sanierung und Brandschutz entstehen.

Das Ergebnis und die Kosten kamen dann Ende Oktober in Schulausschuss und Finanzausschuss des Kreistags: Jeweils über 900 000 Euro für Eppe und Rhena, 600 000 Euro für Freienhagen standen plötzlich an der Tafel. Doch im politischen Kollegium hat bislang niemand die Rechenschritte plausibel im Detail erklärt – weder der Chef des Gebäudemanagements noch Landrat Dr. Reinhard Kubat (SPD) oder Erster Kreisbeigeordneter Jens Deutschendorf (Grüne).

Fehler im Kreishaus

Kaum verwunderlich, dass Eltern an den Schulstandorten und den umliegenden Dörfern Sturm laufen. Sollte der Kreistag für eine Schließung stimmen, „dann brennt der Baum“, kündigte ein Elternvertreter aus Freienhagen eine keineswegs besinnliche Adventszeit an.

Doch selbst bei der verspäteten Gesprächsrunde des Landrats Anfang dieser Woche in Rhena blieb der Kreis eine Lösung der Rechenaufgabe schuldig: „Ich bin kein Baufachmann, ich kann das nicht überprüfen“, ließ Kubat die kritische Kostenfrage offen.

Derweil verweist Vize-Landrat Jens Deutschendorf gleichermaßen auf Gefahren und Verantwortung gegenüber den Schülern – durch mangelnden Brandschutz.

Die Analyse im Hintergrund ergibt indes ein ganz anderes Bild: Die beschworenen Gefahren bestehen in den drei Schulen schon seit Jahren. Demnach hätten sie schon längst geschlossen werden müssen. Vielmehr ist Ende Oktober offenbar im Namen des Landrats schlichtweg ein Papier an die Kreistagsabgeordneten gegangen, das so politisch gar nicht geplant war.

Die Vorlage sei gegen die vorherige Empfehlung der Koalition (SPD/ Grüne) und des Kreisausschusses, bestätigt der SPD-Fraktionschef im Kreistag, Reinhard Kahl, auf WLZ-FZ-Nachfrage.

Da ist im Kreishaus offenbar eine gründliche Panne unterlaufen, die nicht nur Eltern, Lehrer und Schüler auszubaden haben – sondern auch die Fraktionen im Parlament. Statt die Panne dann im Gespräch mit den Betroffenen einzuräumen, bringt sich die Kreisspitze immer mehr in Erklärungsnot. Eines ist durch den Protest der Eltern inzwischen erreicht:

Bei der Abstimmung über den neuen Schulentwicklungsplan (2013 bis 2017) am 19. Dezember im Kreisparlament soll es nicht mehr konkret um eine Schließung der drei Schulen gehen. Ein Zweites hat der Kreis eher unbewusst bewirkt – und sich damit zusätzliche Probleme eingehandelt: Voller Elan entwickeln die Dörfer nunmehr Ideen, wie sie ihre Schulstandorte für die Zukunft erhalten können – und zwar auch über das Jahr 2017 hinaus.(jk)

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