Reaktivierung der Bahnstrecke: Vöhler diskutieren mit Experten über den Bau von Bahnhofsparkplätzen

Parlamentarier verärgert über Kosten

+
Bald soll der Zug wieder durch Herzhausen fahren: Bahnsteig und Park-and-ride-Platz sind aber weiter nördlich vorgesehen als der alte Parkplatz. Über Bau und Unterhaltung der Anlagen rund um die Bahnhöfe wird noch diskutiert.

Vöhl - Eine lange Liste von Fragen hatte der Ältestenrat der Vöhler Gemeindevertreter vorbereitet: Am Montag stellten sich Experten von Bahn, NVV, EWF und dem Landkreis den Fragen der Parlamentarier rund um die Reaktivierung der Bahnstrecke und die damit verbundenen Kosten für Vöhl.

Elfmal in 38 Minuten soll die Bahn auf der Strecke zwischen Korbach und Frankenberg halten - viermal davon in der Großgemeinde Vöhl. Während die Bahn die Kosten für die Gleisanlagen übernimmt, soll die Kommune für Park- und Bushalteplätze und deren Instandhaltung aufkommen.

Die Verantwortung für diese Kosten sah die Gemeinde Vöhl bisher beim Landkreis, der aber fordert nun die Gemeinde auf, zu bezahlen (wir berichteten). Die Gesamtkosten werden auf 753 000 Euro geschätzt, nach Abzug der Zuwendungen blieben für die Gemeinde rund 96 000 Euro. In der Gemeindevertretersitzung in Vöhl Anfang September vertagten die Parlamentarier die Entscheidung. Zu viele Fragen seien offen.

In einer Sondersitzung am Montagabend sollten diese Fragen nun geklärt werden: Ist eine abgespeckte Form des Parkplatzbaus möglich? Was wird aus dem Bus- und AST-Verkehr? Wie sehen die rechtlichen Pflichten der Gemeinde überhaupt aus?

Kritik am Landkreis

Der Gemeindevorstand hatte dazu Experten der Bahn, des NVV, des EWF und des Landkreises geladen. Anette Blumberg (NVV) und Hans-Martin König (Bahn) stellten das Projekt vor, präsentierten Pläne und Zeichnungen für die geplanten Anlagen und für die Sanierung von Tunnel und Brücken im Rahmen der 16 Millionen Euro teuren Reaktivierung. „Nicht die Strecke, sondern die Stationen sollen die Highlights sein“, befand Anette Blumberg. Und deswegen empfehlen Bahn und NVV der Kommune den Bau von entsprechenden Park-and-ride-Anlagen und Buswendeplätzen. Denn erst mit der Anbindung an die Buslinien ergebe die Reaktivierung Sinn.

Ob es nicht statt der teuren Parkanlagen auch ein Grünstreifen tue?, fragte Karl-Wilhelm Brüne von der CDU. „Der Bahnhof ist die Visitenkarte des Ortes“, so Blumberg. Außerdem müsse das Gelände von der Gemeinde im Winter geräumt werden und dafür seien ausgebaute Parkplätze geeigneter.

Und damit kamen Parlamentarier und Experten zum nächsten Thema: der Instandhaltung. Rund 4000 Euro pro Bahnhof würde der Winterdienst die Gemeinde im Jahr kosten, hatten Ulrich Müller (FWG) und Karl Brüne (CDU) errechnet. „Zu viel“, fanden beide. Gerhard Henkel (Grüne) bezweifelte derart hohe Kosten: „Das könnte der Bauhof doch auf dem Weg zur Räumung der anderen Straßen erledigen“, befand er. „Mit dem Winterdienst müssen wir uns wohl abfinden“, erklärte Heinrich Heidel (FDP), die Verantwortung für die Kostenübernahme beim Bau habe die Gemeinde aber nicht. Schließlich habe der Landkreis bei der Entscheidung für die Reaktivierung betont, für die Gemeinden entstünden keine Kosten. Peter Dreier vom Landkreis entgegnete: „Es ist üblich, dass Park-and-ride-Anlagen in der Verantwortung der Gemeinde bleiben.“ Das sei vom Landkreis nie anders kommuniziert worden. Heidel widersprach.

Neuer Busverkehr

Auf die Frage nach dem Einfluss auf den Bus- und AST-Verkehr antwortete Dr. Olaf Winter von der EWF: Der Linienverkehr mit dem Bus 555 zwischen Korbach und Frankenberg werde weitgehend zurückgefahren, er verlaufe parallel zur Bahnstrecke - für Schüler würden Regelungen gefunden. Diese „freien“ Kilometer sollen für den Ausbau der Linie 556 genutzt werden, die vor allem Touristen bisher zur Hauptsaison über Basdorf zur Staumauer bringt. Sie soll künftig täglich fahren und einen Anschluss zur Bahnlinie in Herzhausen haben. Auch die Linie 520 (Bad Wildungen - Frankenberg) soll gestärkt werden.

Für Schülergruppen, die auf den Hessenstein wollen, soll ein Bedarfsverkehr eingerichtet werden. „Gruppen könnten künftig eventuell bis zur Burg gebracht werden“, so Dr. Winter. Eine Entscheidung über die finanzielle Beteiligung trafen die Parlamentarier nicht, die ist für die Sitzung am 28. Oktober geplant.

Kommentare