Personelle Konsequenzen nach Unfall im Altenheim

Pflegedienstleiterin suspendiert

Korbach - Nach einem tragischen Unfall im städtischen Altenpflegeheim sind die Ursachen offenbar weitgehend aufgeklärt. Konsequenzen hat die Stadt zudem beim Personal im „Haus am Nordwall“ gezogen: Die Pflegedienstleiterin wurde entlassen.

Mitte Mai war eine Bewohnerin aus ihrem Rollstuhl nach vorne gekippt und mit dem Kopf gegen einen Metallpfosten gestoßen. Die Frau wurde wegen ihrer Kopfverletzung zunächst im Krankenhaus behandelt und kam am gleichen Tag ins Pflegeheim zurück. Am folgenden Tag verschlechterte sich ihr Zustand, sie wurde erneut in die Klinik gebracht – wo sie nach einer Operation später starb. Heimaufsicht und Staatsanwaltschaft wurden eingeschaltet, im Altenheim gab es Sofortmaßnahmen. Eine Mitarbeiterin im Pflegedienst hatte die Bewohnerin mit dem Rollstuhl über eine Rampe geschoben, aber die schwerstpflegebedürftige Frau „offensichtlich nicht ordnungsgemäß gesichert“, erklärt Christian Jostes auf WLZ-Anfrage. Der Korbacher Krankenhausgeschäftsführer ist in Personalunion auch Chef des angegliederten Altenheims. Bei den Ermittlungen ging es auch um die Frage, ob die Bewohnerin „nur“ nach vorne kippte – oder vielleicht komplett aus dem Rollstuhl fiel. In der Klinik wurde nämlich eine Fraktur am Bein festgestellt. Die spätere Autopsie ergab indes, dass es sich um eine ältere Fraktur handelte, schildert Jostes. Zwischen dem Unfall und dem späteren Tod der Patientin habe es somit keinen direkten medizinischen Zusammenhang gegeben. Offen blieb derweil, warum die Bewohnerin im Rollstuhl auf dem Weg über eine Rampe im Flur nicht angeschnallt war. Dies hätte den Unfall verhindern können. Bei der Untersuchung habe sich herausgestellt, dass die Mitarbeiterin des Pflegedienstes offenbar nicht ausreichend eingewiesen war, erläutert Jostes. Inzwischen ist die Leiterin des Pflegedienstes suspendiert worden, bestätigen Bürgermeister Klaus Friedrich und Geschäftsführer Jostes. Die Führungsaufgabe im Pflegedienst sei kommissarisch neu besetzt. Die Rampe für Rollstühle im Altenheim ist noch immer gesperrt. Bauliche Veränderungen sollen an dieser Stelle mehr Sicherheit bringen. Abseits des tragischen Unglücks gibt es im städtischen Altenpflegeheim auch wirtschaftliche Veränderungen. Der Kostendruck in den Einrichtungen ist allgemein hoch, um nicht in rote Zahlen zu rutschen.Verhandlungen mit der Gewerkschaft ver.di stehen laut Jostes kurz vor dem Abschluss.Demnach soll die Vergütung befristet bis Sommer 2017 auf einen Tarif für „Soziale Dienste“ umgestellt werden. Für die Beschäftigten bedeute dies rund fünf Prozent Gehaltsverzicht aufs Jahr. Im Gegenzug soll ein Kündigungsschutz bis Ende 2017 fixiert werden. Von Jörg Kleine

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