Mitarbeiter der Krankenhäuser in Korbach und Bad Arolsen protestieren

Pflegekräfte fordern mehr Personal

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Unter dem Motto: „Der Deckel muss weg“ fordern Beschäftigte des Korbacher Krankenhauses, die Personalnot durch eine „ordentliche Finanzierung“ der Kliniken zu beseitigen. Bei der Protestaktion wurde jeder einzelne Arbeitsplatz, der laut Verdi-Berechnung fehlt, mit einer Ziffer kenntlich gemacht.

Korbach/Bad Arolsen - Hoher Arbeitsdruck, immer weniger Zeit für den einzelnen Patienten, große Verantwortung: Chronischer Personalmangel in Krankenhäusern geht auf Kosten der Gesundheit – auch der Pflegerinnen und Pfleger, beklagt Verdi. Mehr als 200 von ihnen haben am Mittwoch in Korbach und Bad Arolsen protestiert.

Anlass für die aufsehenerregende Aktion vor dem Haupteingang des Korbacher Stadtkrankenhaus lieferte der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Krankenhausreform. Demnach würde dem Korbacher Krankenhaus nur mit einer auf drei Jahre befristeten Vollzeitstelle aus der Personalnot „geholfen“. Von „Mogelpackung“ und „einem Skandal“ spricht deshalb die Betriebsratsvorsitzende Annette Boldt, die rund 630 Beschäftigte vertritt. Denn nach Berechnungen der Gewerkschaft Verdi fehlen an deutschen Krankenhäusern insgesamt 162000 Stellen, davon 70000 in der Pflege.

Patienten zeigen Verständnis

Statistisch ist das Korbacher Krankenhaus somit in einer Größenordnung von 76 Stellen unterbesetzt, bezogen auf alle Abteilungen, also auch Physiotherapie, Verwaltung oder Technik. Weil es aber bisher keine gesetzliche Regelung zur Personalausstattung gibt, kann dieser Engpass durch einen entsprechend veränderten Personalschlüssel überbrückt werden. Ziel der bundesweiten Protestaktion ist es deshalb auch, die Gesundheitsminister des Bundes und der Länder zu einer solchen verbindlichen Regelung zu drängen, wie es sie in den 1990er-Jahren bereits gab.

Auswirkungen des Personalmangels auf die medizinisch notwendige Versorgung und Betreuung des einzelnen Patienten haben sich bisher nicht ergeben. Dass die Pflegerinnen und Pfleger aber unter enormem Druck stehen, bleibt auch den ihnen anvertrauten Kranken nicht verborgen. „Die Patienten haben großes Verständnis, mitunter sogar Mitleid mit den Pflegekräften“, berichtet Annette Boldt. Die meisten zeigten sich deshalb auch solidarisch, wenn auf die Misere öffentlich aufmerksam gemacht werde.

Die Leitung des Korbacher Stadtkrankenhauses unterstützte die gestrige Protestaktion. Geschäftsführer Christian Jostes zeigte ebenso wie weitere 75 Teilnehmer eine von bundesweit ausgeteilten 162000 symbolischen Ziffern.

Wie viele dieser Stellen im Krankenhaus Bad Arolsen fehlen, darauf wollen sich Pflegedienstdirektorin Kathy Mähler und die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Martina Wehrmann öffentlich nicht festlegen. Im Gespräch mit WLZ-FZ machen sie jedoch deutlich, dass die derzeit geltenden Grundlagen zur Bemessung der Personalstärke an Krankenhäusern nicht an den tatsächlichen Anforderungen im Klinikbetrieb ausgerichtet sind.

Überstunden und mangelnde Attraktivität des Pflegeberufes sind die Folge, wie Mähler und Wehrmann übereinstimmend erklären. Allein 120 Pflegekräfte versorgen die Patienten des Krankenhauses, das zur Gesundheit Nordhessen Holding zählt. An der Schule der Klinik bestehen 45 Ausbildungsplätze. Doch die Attraktivität lässt nach, und die Ausgebildeten können sich mittlerweile die Stellen aussuchen, wie Kathy Mähler feststellt: „Das führt dazu, dass wir bald nicht mehr genug Pflegekräfte bekommen können.“

Wenn auf der politischen Ebene nicht ausreichend gegen die Unterfinanzierung unternommen werde, verschärfe sich die Situation der Kliniken. Ziel sei die bestmögliche, qualitätsvolle Versorgung der Patienten. Die musste gestern wegen der Kundgebung nicht leiden: Diese fand als „aktive Mittagspause“ statt.

„Um den Arbeitsalltag und die Patientenversorgung einigermaßen zu stemmen, arbeiten die meisten Kolleginnen und Kollegen mittlerweile über ihre Belastungsgrenzen hinaus“, beschreibt Uwe Patzer die Situation im Frankenberger Kreiskrankenhaus. Nach Ansicht des Betriebsratsvorsitzenden haben sich die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Die menschliche Zuwendung, die nicht nur für Patienten, sondern auch für eine zufriedenstellende Arbeit der Pflegekräfte äußerst wichtig sei, bleibe dabei sehr häufig auf der Strecke.

Von Thomas Kobbe und Armin Haß

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