Flechtdorfer feiern 75 Jahre Freiwillige Feuerwehr · Wettkämpfe um Gemeinde

Pflichtwehr kämpft gegen Feuersbrunst

Vorfreude auf das Feuerwehrfest: Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Flechtdorf richten am 3. Juni die Wettkämpfe um den Gemeindepokal aus. Zugleich feiern sie in gemütlicher Runde ihr Doppeljubiläum.Foto: Natalie Volkenrath

Diemelsee - Flechtdorf - „Zum Vorspann der Spritze muss jeder bespannte Ortsbürger bereit sein“: Mit diesem Beschluss legt die Gemeinde Flechtdorf 1886 den Grundstein für die Entwicklung der Feuerwehr. Etwas verspätet feiern die Flechtdorfer am Sonntag, 3. Juni, gleich zwei Feuerwehr-Jubiläen.

Die Geburtsstunde des Löschwesens machen die Flechtdorfer an einem Protokoll vom 12. Januar 1894 fest, das wiederum den Gemeindebeschluss vom 16. Februar 1886 zitiert. Dieser besagt, dass ein jeder, der die Spritze in einen Nachbarort fährt, aus der Gemeindekasse bezahlt wird.

Die Organisation des Löschwesens schreitet laut Protokoll 1894 fort: „In diesem Jahr wurde erstmals eine fest benannte Spritzenmannschaft aufgestellt“, schreibt Jörg Schultze im Ortssippenbuch. „Die Feuerwehr war eine Pflichtwehr und der Gemeinde direkt unterstellt.“ Im Originalprotokoll heißt es weiter: „Sämtliche Einwohner sind verpflichtet, sich sofort auf den Ruf Feuer herbei zu beeilen.“ Die Aufgaben bei einer „Feuersbrunst“ sind somit für „Spritzenmeister“ ebenso geregelt wie für andere Bürger. Bei Verstoß werden Strafgelder verhängt.

Verspätete Feier

„Wir feiern das 125-jährige Bestehen des Löschwesens sowie das 75-jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr verspätet, weil wir bis Ende 2010 mit dem Umbau des Gerätehauses beschäftigt waren und 2011 Schützenfest feierten“, erläutert Joachim Josefowitz, Vorsitzender des Feuerwehrvereins. Die Ausrichtung der Wettkämpfe um den Gemeindepokal am 3. Juni (siehe Kasten) sei ein passender Anlass, um beides nachzuholen.

Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr datieren die Flechtdorfer auf Dezember 1933. 39 Gründungsmitglieder rufen die Wehr ins Leben und wählen Wilhelm Scherf zum ersten Wehrführer. Wie bei zahlreichen anderen Wehren, die in den vergangenen Jahren ihr 75-jähriges Bestehen feierten, geht die Gründung auf ein von den Nationalsozialisten erlassenes Gesetz vom 15. Dezember 1933 zurück. Getreu der Devise „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ hält es zur Bildung freiwilliger Feuerwehren an.

1934 bekommen die Flechtdorfer laut Schultze eine Motorspritze, einen Mannschaftswagen, einige Schläuche sowie einen Zuschuss für Uniformen und die Unterbringung der Geräte im Schulwirtschaftsgebäude.

Vom Anhänger zum Auto

Den Tragkraftspritzenanhänger (TSA), der bis 1962 im Einsatz ist, hegen und pflegen die Flechtdorfer bis heute. Beim Wettkampf um den Gemeindepokal 2009 in Adorf treten sie zur Freude aller Diemelseer mit der alten Pumpe und in historischer Einsatzkleidung an (Foto).

1962 ersetzt ein stärkerer TSA das Gerät, bevor die Flechtdorfer Anfang der 70er-Jahre ihr erstes Feuerwehrfahrzeug, ein TSF, bekommen. 1972 ziehen Feuerwehrleute und Fahrzeug in das neue Gerätehaus im frisch eröffneten Dorfgemeinschaftshaus ein. Das TSF-W, mit dem die Aktiven heute unterwegs sind, fahren die Diemelseer seit 1995.

18 Aktive, 27 Jugendliche

„Wir haben durchschnittlich vier Einsätze im Jahr“, berichtet Wehrführer Klaus Albrecht, „wobei sich das Einsatzfeld von Brandeinsätzen hin zu technischen Hilfeleistungen gewandelt hat“. Bei Verkehrsunfällen unterstützen die Flechtdorfer zum Beispiel die Nachbarn aus Adorf.

Hand in Hand arbeiten beide Wehren auch beim größten Brandeinsatz für die Flechtdorfer in den vergangenen Jahren: dem Müllbrand auf der Deponie im Herbst 2010. Darüber hinaus fordern die Brandmeldeanlagen in Deponie und Altenheim die Einsatzkräfte Jahr für Jahr.

Albrecht zählt derzeit 18 Einsatzkräfte und 27 Mitglieder in der am 15. März 1973 gegründeten Jugendfeuerwehr. Dem Verein gehören laut Josefowitz rund 40 Flechtdorfer an.

Das Vorstandsteam um Vorsitzenden Joachim Josefowitz komplettieren sein Stellvertreter Andreas Gatz, Schriftführer Wolfgang Gatz, Kassierer Lars Weinreich und Otto Gatz als Vorsitzender der Alters- und Ehrenabteilung. Die Wehrführung bilden Klaus Albrecht und Marion Brand, die als stellvertretende Wehrführerin und Jugendwartin fungiert, sowie der stellvertretende Jugendwart Christoph Köchling.

Umbau in Eigenleistung

Albrechts Vorgänger in der 75-jährigen Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr waren die Wehrführer: Wilhelm Scherf (1933 bis 1953), Christian Pohlmann (1953 bis 1969), Wilhelm Heinemann (1969 bis 1971), Wilhelm Gottmann (1971 bis 1974), Karl Thiele (1974 bis 1988), Günter Radtke (1988 bis 1997) und Wolfgang Gatz (1997 bis 2011).

Abseits der Einsatzfahrten nennen die Flechtdorfer den Umbau des Gerätehauses als wichtigstes Projekt der jüngeren Vergangenheit. „Als das DGH im Zuge der Dorferneuerung saniert wurde und sowohl ein neues Dach als auch eine neue Fassade bekam, war es sinnvoll, sich anzuschließen“, erklärt Wolfgang Gatz.

Aus der großen Garage machen die Flechtdorfer in Eigenleistung ein kleines, aber feines Quartier mit Garage, Schulungsraum samt Küche, Umkleiden und sanitären Anlagen. 2010 ziehen sie ein und haben wieder mehr Zeit für gesellige Aktivitäten: Dazu zählen nicht nur die Wettkämpfe und das Fest am 3. Juni, sondern auch das traditionelle Kartoffelbraten sowie Ausflüge und Fahrten mit der Jugendfeuerwehr. (nv)

Zeitplan

Um die Gemeindepokale ringen die Einsatzkräfte und Jugendlichen der Freiwilligen Feuerwehren in Diemelsee am Sonntag, 3. Juni, in Flechtdorf. Auf dem Sportplatz losen die Organisatoren um 9.30 Uhr die Startreihenfolge aus. Die Wettkämpfe beginnen um 10 Uhr. Zum Auftakt füllen die Senioren ihre Fragebögen aus, die Jugendmannschaften sind um 10.30 Uhr an der Reihe. Die praktischen Übungen starten für die Senioren um 10.30 Uhr, für die Jugendlichen um 11 Uhr. Die Siegerehrung ist für 15 Uhr geplant. Anmeldungen nimmt Vereinsvorsitzender Joachim Josefowitz unter Telefon 05633/1791 sowie E-Mail joachim.josefowitz@t-online.de entgegen. Im Anschluss an die Wettbewerbe laden die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Flechtdorf ein, mit ihnen in gemütlicher Runde zwei Jubiläen zu feiern (siehe weiteren Text). Für das leibliche Wohl ist gesorgt.(nv)

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