Adorf

Pillen, Post und Currypulver: 150 Jahre Apotheke in Adorf

- Drei Gesuche und vier Bitten braver Bürger halfen zunächst nichts. Erst als sich schließlich am 28. Februar 1852 die Gemeinden Adorf, Rhenegge, Heringhausen, Stormbruch, Ottlar, Rattlar, Giebringhausen, Schweinsbühl, Sudeck, Benkhausen, Flechtdorf und Wirmighausen gemeinsam und deutlicher fordernd an die Fürstlich Waldeckische Regierung wandten, erlaubte die Obrigkeit, dass eine Filialapotheke in Adorf eingerichtet werden kann.

Eine der ersten Landapotheken der Region

Mit der für eine Landapotheke langen Geschichte seines Hauses hat sich Dr. Ulrich Seidel eingehend beschäftigt. Er pachtete am 1. Oktober 1977, genau 125 Jahre nach dem offiziellen Gründungsdatum, die Apotheke an der Hauptstraße.Die Umwidmung des vermutlich um 1790 erbauten Bauernhauses wird 1852 in der "Beilage zum Fürstlich Waldeckischen Regierungsblatt" angekündigt: "Die Umgebung von Adorf wird unterrichtet, daß die von den Herren Kümmell und Kunkell in Adorf errichtete Apotheke mit dem 1. October 1852 eröffnet wird."

Knapp vier Jahre später, am 30. August 1856, erhält der Apotheker Leonhardi die Erlaubnis, die Apotheke selbstständig zu führen und alleinverantwortlich 13 Gemeinden zwischen Korbach und dem Upland zu versorgen. "Dieses damalige Versorgungsgebiet ist fast identisch mit der heutigen Gemeinde Diemelsee", berichtet Dr. Seidel.

Wieder vier Jahre später steht der nächste Wechsel an. Am 29. Juni 1860 erwirbt Eduard König aus Friedewald die Konzession und führt dann die Apotheke 16 Jahre lang. Da die Umsätze nicht berauschend sind, muss König einen zweiten Job annehmen. Ab Juni 1863 steht er der "Kaiserlichen Postagentur" in Adorf vor. "Diese Personalunion Apotheker-Postagent ist neben anderen Zuerwerbsmöglichkeiten, etwa Branntweinverkauf, im 19. Jahrhundert nicht selten", erklärt Dr. Seidel. Auch der Mengeringhäuser Apotheker David Schütte habe beide Tätigkeiten ausgeübt.

Der Gesundheitszustand der damaligen Diemelseer galt zwar als robust. Aber wenn ansteckende Krankheiten oder die Folgen von Unfällen, die bei der schweren Arbeit häufig vorkamen, mit Medikamenten oder Verbandsstoffen behandelt werden mussten, war eine Apothke im Dorf schon ein außerordentlicher Luxus. Dementsprechend selten konnte man ihn sich leisten.

Davon berichtet auch der in Adorf geborene "Ober- und Geheime Postrat" in Hannoverschen Diensten, Albert Schluckebier. In dessen handschriftlichen "Jugend- und Lebenserinnerungen" fand Dr. Seidel einen Beleg: "Bei dem erfreulichen Gesundheitszustande der Dorfbewohner konnten Arzt und Apotheker natürlich keine Seide spinnen, obwohl sie neben Adorf auch die meisten Uplanddörfer versorgten. Dr. Engelhardt hatte deshalb Muse genug, sich der edlen Musica zu widmen, eine Liedertafel zu gründen."

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