Korbach

Ein Pionier im Operationssaal

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- Korbach (vj). Er war der wohl bekannteste deutsche Arzt in den 1920er-Jahren: Die erste praktische Anwendung der sogenannten Lumbalanästhesie hat August Bier berühmt gemacht.

„Ein starker Schlag mit einem Eisenhammer gegen das Schienbein wird nicht als Schmerz empfunden“ – der Selbstversuch, den der Kieler Oberarzt August Bier mit seinem Assistenten August Hildebrandt am Abend des 24. August 1898 durchführte, verlief erfolgreich. Dabei hatte zunächst alles mit einem Misserfolg begonnen: Eine Spritze, die nicht auf die Punktionsnadel passte, hatte verhindert, dass Hildebrandt Bier eine Kokainlösung in den Rückenmarkskanal injizierte. Spinalflüssigkeit floss ab, die Kokainlösung ging daneben.

Daraufhin bot Hildebrandt an, den Versuch an ihm zu wiederholen. Nun passte alles, der Unterkörper des Assistenten blieb etwa 45 Minuten lang vollständig betäubt. 1846 war zum ersten Mal die Vollnarkose mittels Äther angewendet worden. Wenig später hatte Friedrich von Esmarch die Chloroformnarkose eingeführt. Doch beide Narkosearten erwiesen sich als nicht ungefährlich. Die Medizin bemühte sich daher weltweit um die Entwicklung regionaler Narkosetechniken. 1884 entdeckte Carl Koller die betäubende Wirkung von Kokain. In der Folge experimentierten Ärzte in den USA, in Frankreich und in Deutschland mit der Injektion von Kokainlösungen als Mittel zur örtlichen Betäubung. In Kiel erhielt August Bier durch Heinrich Quincke und seine Entwicklung der Lumbalpunktion eine wichtige Anregung. August Bier schloss, „es müsse möglich sein, durch eine Hohlnadel (…) auch Kokainlösung zu injizieren, um damit die schmerzleitenden Nerven zwischen dem Gehirn und dem Unterkörper zu blockieren“.

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