Stadtverordnete wollen mit Parkdecksanierung so lange wie möglich warten

Plan für 2016: Parkplatz ohne Oberdeck

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Sanierungsbedürftig und kein Schmuckstück: 1976 wurde das Parkdeck an der Kalkmauer errichtet.

Korbach - Restlaufzeit maximal zwei Jahre: Solange geben Gutachter dem sanierungsbedürftigen Parkdeck, bis es abgerissen oder grundlegend erneuert werden muss. Bis dahin soll ein schnell umsetzbarer Plan für den Bau eines ebenerdigen Parkplatzes an diesem Standort erarbeitet werden.

Für diese Vorgehensweise haben sich die Stadtverordneten in ihrer Sitzung am Donnerstag einstimmig ausgesprochen. Erst am Ende der Debatte hatte Bürgermeister Klaus Friedrich erklärt, dass der Betrieb des 1976 errichteten Parkdecks nach Einschätzung des Gutachters noch zwei Jahre ohne grundlegende Sanierung möglich wäre.

Doppeldecker in „Z“-Form

In ihrem jüngsten Untersuchungsbericht vom 9. September 2013 hatten die Gutachter auf den maroden Zustand des Bauwerks aufmerksam gemacht: Fortgeschrittene Korrosion an tragenden Teilen, statische Defizite der Betondecke, permanent undichte Fugen an der Rampe, Risse im Fahrbahnbelag. Die Experten kamen zu dem Schluss: „Eine Sanierung und Verstärkung des Parkdecks ist (...) unverzichtbar und kurzfristig durchzuführen.“

Die Kosten für eine Sanierung beider Ebenen inklusive der WC-Anlage beziffert das Stadtbauamt nach einer groben Schätzung auf rund 716 000 Euro. Ein Neubau des Doppeldeckers in „Z“-Form wäre als zweigeschossige Stahlverbundkonstruktion ohne besondere gestalterische Elemente und Fassadenverkleidung für rund 2,4 Millionen Euro zu haben. Für die ebenerdige Parkplatz-Variante müsste mit knapp 1,1 Millionen Euro Baukosten gerechnet werden, hatte Bauamtsleiter Stefan Bub­lak in den vorangegangenen Ausschuss- sitzungen ausgeführt.

Für Bauchschmerzen sorgte bei den Stadtverordneten eine Begleiterscheinung der Parkplatz-Variante: Ebenerdig könnten an der Kalkmauer maximal nur 100 Abstellflächen markiert werden. Bisher passen 141 Autos ins Parkdeck. „40 wichtige Parkplätze gingen verloren. Das Echo der Geschäftsleute ist eindeutig: Ablehnung“, berichtete Manfred Figge (CDU) von entsprechenden Gesprächen mit Anliegern. Sein Fraktionskollege Andreas Ruppert meldete grundsätzliche Bedenken an. Sich jetzt schon auf nur eine Variante festzulegen, sei nicht zu empfehlen. Bei genauerer Betrachtung erscheine auch der Bau eines neuen Parkdecks im Kostenvergleich nicht abwegig, erklärte Ruppert. Schließlich verbuche die Stadt jährlich Einnahmen von 80 000 Euro aus der Bewirtschaftung des Parkdecks. Wer diese Summe auf eine Betriebszeit von 20 Jahren hoch-, und die dann nicht mehr nötigen, jährlichen Gutachterkosten abrechnet, lande bei den kalkulierten Neubaukosten.

FDP-Fraktionschef Arno Wiegand bekräftigte, dass die in ersten Planskizzen des Stadtbauamts vorgesehenen Stichstraßen auf dem Parkplatz denkbar ungeeignet seien, um den Verkehr zu lenken. Allerdings sei zu befürchten, dass bei anderen Lösungen noch weniger Abstellflächen zur Verfügung stünden.

Schnelle Reaktion für Fall X

Maik Hartwig (Freie Wähler) plädierte für die ebenerdige Variante, „auch wenn dadurch Parkplätze wegfallen“. Er brachte den seit langem von seiner Fraktion verfolgten Plan ins Spiel, zentrumsnahe Wohnmobil-Stellplätze auszuweisen. Dies sollte bei der Planung mitbedacht werden. Grundsätzlich müsse bei der Frage der Sanierung mit Blick auf die Haushaltslage nach der Devise verfahren werden: „Solange schieben, bis es aus wirtschaftlichen oder rechtlichen Gründen nicht mehr zu vermeiden ist“.

Dafür sprach sich auch Helmut Schmidt (SPD) aus. „Das Parkdeck fällt nicht sofort zusammen. Wir verstehen den Beschluss als Auftrag an die Verwaltung, für den Fall X, wenn Gefahr für die Benutzer droht, eine schnelle Reaktion vorzubereiten.“ Dann wäre der Bau eines Parkplatzes als bestmög-liche Lösung zu betrachten.

Daniel May (Bündnis 90/Die Grünen) wies auf die städtebauliche Option hin, die sich mit einer Neugestaltung des Areals böte. Der alte Verlauf der Stadtmauer sei dann wieder herstellbar. May schlug zudem vor, den bereits vorhandenen, aber nur von wenigen Autofahrern benutzten Parkplatz „Hinter dem Kloster“ in eine Planung zu integrieren.

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