Arndt Brüne möchte bisheriges RAG-Erholungsheim in Willingen umnutzen

Der Plan: Jugend- und Sporthotel „Belvedere“

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Willingen - Das Thema sorgt in Willingen seit Wochen für Diskussionen: Der neue Besitzer des früheren RAG-Erholungsheims, Arndt Brüne, will in dem Haus ein Jugend- und Sporthotel einrichten. Im Gespräch mit der WLZ stellte er seine konkreten Pläne vor.

Das Gebäude thront hoch über Willingen auf einem rund 18 000 Quadratmeter großen Gelände. Der Weltcup-Ort liegt den Besuchern zu Füßen. Der Blick schweift weit hinaus in die Upländer Bergwelt.Im Haus stehen insgesamt rund 40 Zimmer mit etwa 100 Betten zur Verfügung: 26 Doppel-, neun Galerie- und die bisherigen Personalzimmer. Es gibt einen großzügigen Frühstücksraum, attraktive Aufenthaltsbereiche, Veranstaltungsräume, die Haus-Bar, die komplett eingerichtete moderne Küche und die Frühstücksküche.

Vielfältiges Angebot

Außerdem steht eine Vielzahl von Freizeit- und Wellness-Angeboten bereit, beispielsweise die Kegelbahn, ein Billard- und Kickerraum, eine Infrarot-Sauna, finnische Sauna, ein Dampfbad, Fitness- und Ruheräume, eine Lehrküche, ein Bastelraum und eine kleine Bücherei. „Bei meinen ersten Besuchen hier im Haus habe ich jedes Mal neue Räume entdeckt“, lacht Arndt Brüne.Auf dem Gelände befinden sich eine Hütte, die als Seminarraum genutzt wurde, 25 Pkw-Stellplätze für Gäste und 15 Personalparkplätze. Vom parkähnlichen Garten (mit Fischteich) führt ein Pfad in Richtung Ritzhagen und Sonnenhang.

„live. fresh. young“

Arndt Brüne möchte das bisherige Erholungsheim in Zukunft als Jugend- und Sporthotel nutzen. Ein passender Name wurde schon gefunden: „Belvedere“, das bedeutet „schöne Aussicht“. Das Logo verdeutlicht die Ausrichtung: „live. fresh. young“. Angedacht ist ein Mittelklassehotel, mit dem der neue Besitzer schwerpunktmäßig die Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ansprechen will – junge Wanderer, Nordic Walker, Biker, Skifahrer, später eventuell auch Schulklassen. „Die Wander- und Bikestrecken gehen in unmittelbarer Nähe vorbei“, verweist er auf einen Standortvorteil.

Der 28-Jährige will das Haus über klassische Reisevermittler anbieten (angedacht sind unter anderem TUI und Neckermann), außerdem über einen niederländischen Skireiseveranstalter und ein dänisches Unternehmen, in Zukunft außerdem über Jugendreiseveranstalter, die Willingen bisher nur bedingt oder gar nicht im Portfolio haben. Wichtig ist ihm ferner die Direktvermarktung über die eigene Homepage und die Nutzung von Internet-Plattformen. So kann er sich vorstellen, Helmkameras für Biker zu kaufen, deren rasante Abfahrten dann im weltweiten Netz platziert werden. Brüne weist darauf hin, dass er im Willinger und Sauerland-Tourismus sowie in der „Grimmheimat Nordhessen“ verwurzelt ist. Als erster Anbieter in der Region will er zudem mit „MeineCard +“ ganz gezielt auf ein jüngeres Publikum zugehen.

Die von Anliegern geäußerten Befürchtungen, dass er sich dem Clubtourismus verschreibt, möchte er entkräften. „Für Clubtour-Veranstalter ist das Haus uninteressant. Die wollen direkt ins Zentrum.“ Es werde auch keine öffentliche Gastronomie geben, versichert er. „Das ist nicht genehmigungsfähig, nicht mein Anliegen und macht auch keinen Sinn.“ Schwerpunktmäßig will er Übernachtung mit Frühstück anbieten. Eine Ausnahme sollen die Jugendreisen sein, denen er Halb- oder Vollpension offerieren will.

In einem guten Zustand

Der neue Besitzer möchte das Haus im Oktober/November 2014 in Betrieb nehmen, sofern die Gemeinde die planungsrechtlichen Voraussetzungen schafft. „Das Gebäude ist insgesamt in einem guten Zustand“, betont er. Einige kleinere technische Verbesserungen erscheinen ihm jedoch erforderlich. Mit Blick auf die Sorgen der Anlieger will er den Haupteingang, der bis jetzt zum Tal hin ausgerichtet ist, in den höheren seitlichen Bereich verlegen. Entsprechend soll auch die Rezeption ihren Platz in Zukunft ein Stockwerk höher finden und die Tagesbar in den hinteren Bereich verlegt werden. Im Souterrain sind ein Schuhputz- und Bikeraum (mit Werkbank) sowie ein Skikeller geplant.

Altbau abbrechen

Arndt Brüne denkt darüber nach, den Altbau in absehbarer Zeit abzubrechen. „Er erfüllt nicht die gleichen Qualitätsstandards wie der neuere Teil und stört die schöne Optik.“ Der junge Unternehmer beziffert das Gesamtinvestitionsvolumen für den Kauf, die Modernisierung und den späteren Abriss des alten Gebäudeteils auf 1,8 bis zwei Millionen Euro. Am Montagabend hat er sein Vorhaben der Gemeindevertretung vorgestellt.

Hintergrund: Ruhrkohle-Erholungsheim

Das Ruhrkohle-Erholungsheim wurde Anfang der 1950er-Jahre in exponierter Lage hoch über Willingen gebaut. In den 1980er-Jahren reifte die Idee zu dem großen Neubau, der 1991 fertiggestellt wurde und seitdem das Bild bestimmt. Im Vorfeld der damaligen Baumaßnahme wurde der Bebauungsplan geändert. Anstelle der Gästebeherbergung wurde ein „Sonderbaugebiet Erholungsheim“ ausgewiesen. Das bedeutete in der Konsequenz, dass das Haus für Mitarbeiter des Konzerns und ihre Angehörigen bestimmt war und die Unterbringung keinen kommerziellen Zweck verfolgte.

Nach der Trennung des RAG-Konzerns, aus dem 2007 zwei eigenständige Unternehmen hervorgingen – die RAG Aktiengesellschaft und „Evonik Industries AG“ – wurden auch die betriebseigenen Erholungsheime aufgeteilt. Das Haus im westfälischen Niedersfeld blieb bei der RAG, das Willinger Erholungsheim ging in den Besitz von „Evonik“ über, wurde jedoch an die RAG verpachtet, die es bis Ende Januar 2014 betrieben hat.Arndt Brüne hat das Gebäude Ende März / Anfang April gekauft und möchte hier ein Jugend- und Sporthotel einrichten. Voraussetzung hierfür ist eine erneute Änderung des Bebauungsplans. Kernpunkt: Die Zweckbestimmung „Erholungsheim“ müsste durch „Erholungshotel“ ersetzt werden. Sollte die Gemeindevertretung den Bebauungsplan nicht ändern, entsteht für Arndt Brüne kein Risiko, da es sich um einen Kaufvertrag mit aufschiebender Wirkung handelt.

Zur Person: Arndt Brüne

Arndt Brüne ist geprägt vom Upländer Unternehmergeist. Der 28-Jährige hat in Willingen seinen Realschulabschluss gemacht. Der Kochlehre in „Göbel‘s Landhotel“ schlossen sich eine Ausbildung zum Hotelkaufmann in Rotenburg (Fulda) und die Weiterbildung zum Tourismusbetriebswirt in Marburg an, wo er auch seine Ausbildereignungsprüfung ablegte. Er sammelte berufliche Erfahrung als Selbstständiger im „Lucky“, als einer der Betriebsleiter im Willinger Brauhaus und kümmerte sich zuletzt im „Best Western Hotel“ um Marketing und Verkauf. Er gehört zu den Gesellschaftern des Brauhauses und der neuen Graf-Stolberg-Hütte. Arndt Brüne ist seit 2011 Gemeindevertreter. Er ist Mitglied der Fremdenverkehrs- und der Kurbetriebskommission, des Expertengremiums vom „Sauerlandtourismus“ und des Willinger Ortsbeirats. Falls er mal Zeit hat, spielt er gern Schach, liest und läuft.Arndt Brüne hofft, dass sich seine „Belvedere“-Pläne verwirklichen lassen, zeigt aber durchaus Verständnis für die Ängste und Bedenken der Anwohner, die er gern zerstreuen möchte. „Ich will das Konzept nicht mit aller Gewalt durchsetzen“, betont er. Allerdings sieht er auch nach Gesprächen mit verschiedenen sozialen Institutionen keine adäquate Alternative zu einer touristischen Nutzung.

Von Ulrike Schiefner

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