Beratung von Betroffenen für Betroffene · Mitstreiter und Nachfolger gesucht

Das Plus der Selbsthilfegruppen

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Korbacher Selbsthilfegruppen haben sich in einem Arbeitskreis zusammengeschlossen. Die Mitglieder bieten Unterstützung und viel Wissen – und suchen weitere Mitstreiter und Nachfolger, die sich engagieren möchten.

Korbach - Selbsthilfegruppen leisten wichtige Arbeit - die Tipps, die sie Betroffenen geben, sind Gold wert. Dennoch finden sich kaum noch Menschen, die in den Gruppen Verantwortung übernehmen wollen.

Wer sich in einer Selbsthilfegruppe engagiert, ist am Puls der Zeit: In den Gruppen kommt geballtes Wissen über die jeweilige Krankheit und aktuellste Behandlungsmethoden zusammen - von der großen Erfahrung, die die Mitglieder im Umgang mit ihr gesammelt haben, ganz zu schweigen. Sie besuchen Seminare, Kongresse und Vorträge, um immer auf dem neuesten Stand zu bleiben, und geben all ihr Wissen an andere Betroffene und deren Angehörige weiter.

„Vor allem nach der ersten Diag­nose fühlen sich viele Patienten allein gelassen, da sind Gespräche für die Betroffenen und ihre Angehörigen ganz besonders wichtig“, weiß etwa Hannelore Schultze, die seit 16 Jahren der Parkinson-Selbsthilfegruppe Korbach/Bad Arolsen vorsitzt. Doch obwohl die Zahl der Betroffenen nicht zurückgeht, kommen immer weniger in die Selbsthilfegruppen, um sich Unterstützung zu suchen, und auch immer weniger wollen in den Gruppen Verantwortung übernehmen, erklären Hannelore Schultze sowie Ursula Wege-Schäfer von der Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe, Christa Ohm von der Frauenselbsthilfe nach Krebs und Fritz Däge von der Selbsthilfegruppe Mobilfunk. „Wer einmal dabei ist, bleibt dabei,“ sagt Ursula Wege-Schäfer. Doch vor allem jüngere Patienten nutzen inzwischen in erster Linie das Internet, um sich über die Krankheit, die bei ihnen diagnostiziert wurde, zu informieren. Da lässt es sich bequem und anonym recherchieren; die Schwelle ist niedrig.

Die Vertreterinnen und Vertreter der Selbsthilfegruppen können das verstehen, warnen allerdings vor den Gefahren, die im Internet lauern: „Es gibt viele unseriöse Beiträge, viel Scharlatanerie, mit der auf Kosten verzweifelter Patienten Geld gemacht wird“, mahnt Christa Ohm: „Wer Informationen im Internet sucht, sollte die Seiten der Selbsthilfegruppen besuchen, dort ist sondiert, was hilft“. Verlässlich sondieren, was hilft - das leisten eben die Mitglieder der Selbsthilfegruppen vor allem vor Ort. Informationen zu Ärzten und Kliniken, zu Rechtsfragen, Kuren und Pflegestufen bieten sie ebenso wie Austausch, zählt Martine Lages von der Fibromyalgie-Gruppe auf. „Aber auch Verständnis und eine gehörige Portion Menschlichkeit gehört zu den vielen Pluspunkten in aktiven Selbsthilfegruppen“, betont Ursula Wege-Schäfer.

Die meisten Korbacher Selbsthilfegruppen haben sich in einem Arbeitskreis zusammengeschlossen. Sie können auch an andere Gruppen verweisen. Wer Unterstützung wünscht oder sich einbringen möchte: Der Arbeitskreis besetzt montags, dienstags, mittwochs und freitags von jeweils 9 bis 11 Uhr einen Infostand im Foyer des Stadtkrankenhauses. Weitere Infos und Ansprechpartner unter www.arbeitskreis-kb-shg.de.

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