Korbach

Poker um Top-Immobilie

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- Korbach (lb). Wie lange bleiben die Schaufenster neben Woolworth leer? Der Vermieter Cerberus pokert noch mit den Grundeigentümern um die Höhe des Erbbauzinses.

Der Schriftzug „Greko“ prangt nur noch als verblasster Schatten an der Fassade. Über 40 Jahre war die Filiale von „Grzesiks eigener Konfektion“ (Mönchengladbach) in der Korbacher Fußgängerzone zu Hause. Der Mietvertrag ist ausgelaufen, in den Verhandlungen über eine Verlängerung mit dem Vermieter, dem US-Finanzinvestor Cerberus Capital Partners, sei man sich nicht einig geworden, sagt Geschäftsführer Horst Grzesik.

„Ich würde es aber nicht ausschließen, dass wir nach Korbach zurückkehren“, so Grzesik. Doch bislang sei die Suche nach neuen Räumen erfolglos geblieben: „Es bestehen bei den für uns interessanten Flächen noch langfristige Verträge.“ Das Mönchengladbacher Unternehmen hat derzeit noch sieben Filialen, unter anderem in Gummersbach und Siegburg.

Damit hat der Einzelhandelskomplex in der Bahnhofstraße seinen zweiten großen Leerstand: Schon seit Ende 2009 ist die ehemals zweite Woolworth-Etage verwaist. Insgesamt geht es um 4800 Quadratmeter, für die Cerberus neue Mieter sucht. Und die stehen anscheinend Schlange: Interesse an der Immobilie haben angeblich mehrere große Mode- und Drogerieketten. So sagt es jedenfalls Matthias Schmitz (Berlin), von Cerberus beauftragter Asset Manager und Eigentümervertreter.

Warum die Flächen trotzdem noch nicht vermietet sind? „Der Haken ist: Das Gebäude leidet unter drei Erbbaurechtsverträgen. Die Summe der Zins-Zahlungen ist zu hoch und lässt keine Möglichkeit, einen profitablen Mietpreis zu verlangen“, erklärt Schmitz.

Tatsächlich ist die Gemengelage kompliziert: Die beiden Korbacher Grundbesitzer des 1969 eröffneten Ursprungsgebäudes fixierten mit Woolworth einen Vertrag mit Dauernutzungsrecht über 50 Jahre. Für die Erweiterungsflächen bis Greko in der Bahnhofstraße und zur Rückseite an der Arolser Landstraße wurden mit weiteren Grundeigentümern Erbbaurechtsverträge geschlossen. Die Gebäude darauf errichtete Woolworth Mitte der 70er Jahre in Eigenregie.

Monatlich hatte Woolworth seither Erbbauzins beziehungsweise Dauernutzungsentschädigung zu zahlen. Als Woolworth vor Jahren weltweit in Schwierigkeiten geriet, verkaufte die Gruppe ihre Immobilien an eine Tochterfirma der amerikanischen Cerberus Capital Management. Momentan zahlt Woolworth in Korbach also eine Miete an die Cerberus-Gruppe – und die wiederum bezahlt monatlich Erbbauzins und Dauernutzungsentschädigung an die Korbacher Grundeigentümer.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Dienstag, 26. Juli.

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