Für vier Tage Bundestagsabgeordneter: Karsten Zolna aus Korbach nimmt an Planspiel teil

Polit-Profis in spe üben im Plenarsaal

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Korbach/Berlin - Unter der Kuppel des Bundestages geht es hitzig zu: wie die Großen debattieren über 300 Jugendliche beim Planspiel „Jugend und Parlament“. Mit dabei: Karsten Konrad Zolna (17) aus Korbach.

Vier Tage lang war er der 40-jährige Diplom-Verwaltungswirt „Bruno Brandt“ aus Berlin-Mitte: Beim Planspiel „Jugend und Parlament“ schlüpfte der 17-jährige Schüler Karsten Konrad Zolna aus Korbach in die Rolle eines fiktiven Bundestagsabgeordneten. „Brandt“ ist erstmals Mitglied des Deutschen Bundestages und gebürtig aus Hannover. Während des Studiums wohnte er mit Freunden in einer Wohngemeinschaft in Ost-Berlin und lernte so die Unterschiede zwischen dem westlichen und dem östlichen Teil Deutschlands kennen. Brandt ist ein volksnaher, hochmotivierter und engagierter Politiker und bereits seit seiner Jugend Mitglied bei der „Arbeitnehmerpartei Deutschlands“ (APD).

Die Fraktionen im Planspiel orientierten sich zwar politisch an den fünf echten Fraktionen, um den Spielcharakter zu verdeutlichen, erhielten aber auch diese andere Namen. Die „Christliche Volkspartei“ (CVP) und die „Liberale Reformpartei“ (LRP) bildeten die Regierungskoalition. Die „Arbeitnehmerpartei Deutschlands“ (APD), die „Ökologisch-Soziale Partei“ (ÖSP) und die „Partei der sozialen Gerechtigkeit“ (PSG) saßen dagegen auf den Oppositionsbänken.

Wer welcher Fraktion angehörte, das wurde ausgelost.„Ich hatte viel Losglück, denn für mich war es relativ einfach sich in die Rolle einer Person zu versetzen, mit dessen politischen Ansichten ich mich auch im echten Leben identifizieren kann“, sagt der Jungpolitiker, der in seiner Freizeit in der Korbacher SPD mitarbeitet und die Jusos Korbach leitet.

Bayer wird Vorzeige-Linker

„Interessant wäre es aber auch gewesen, in eine Rolle mit einer anderen politischen Gesinnung zu schlüpfen“, sagt Zolna. So sei es einem eigentlich konservativen Jugendlichen aus Bayern passiert, dass er zum 58-jährigen protestantischen Pfarrer aus Thüringen mit einer linken Ideologie wurde. „Da war der Schock anfangs ziemlich groß, mit der Zeit konnte er sich aber immer besser mit der Rolle anfreunden und wurde sogar fast zum Vorzeige-Linken“, erzählt Zolna schmunzelnd.

Am zweiten Tag begann die eigentliche Arbeit: Drei Gesetzesentwürfe brachte die Bundesregierung ein, nämlich zum Thema Transparenz im Internet, zum Pflegezeitgesetz und zur Pkw-Maut. Das Thema anonyme Bewerbungen im öffentlichen Dienst griff eine Bundesratsinitiative auf.

„Da ich mich in den Verkehrsausschuss eingewählt hatte, habe ich mich mit dem Gesetzesentwurf zur Pkw-Maut beschäftigt“ berichtet Zolna. Der Informationsdienst des Deutschen Bundestages versorgte die Jungpolitiker mit Stapeln von Blättern an Statistiken und Informationen. „Da hatten wir wirklich was zu tun, die nächsten Stunden waren wir mit Lesen und Diskutieren beschäftigt, denn wir mussten genau wissen, wie wir in den Ausschüssen sowie in der Plenardebatte argumentieren und entscheiden sollten.“

Der dritte Tag stand vollkommen im Zeichen der Ausschusssitzungen. Zuerst aber fand die erste Lesung unter der Leitung von Bundestagsvizepräsident Eduard Oswald im Plenarsaal statt. Dem Korbacher fällt dabei auf, dass der Plenarsaal im Fernsehen viel größer aussieht als in der Realität. In der ersten Lesung wurde aber noch nicht debattiert, die Abgeordneten beschlossen, dass zunächst die Ausschüsse über jeweiligen Gesetzesentwürfe beraten.

Im Verkehrsausschuss wurde der Gesetzesentwurf zur Pkw-Maut Schritt für Schritt besprochen. Dabei stellte Karsten schnell fest, dass man als Oppositionspolitiker ohne eine Mehrheit kaum Chancen hat, seine Forderungen durchzusetzen: „Wir haben viele Verbesserungsvorschläge eingebracht, aber alle wurden von den Koalitionsfraktionen geschlossen abgelehnt. Jegliche Argumente der Opposition, egal wie sinnvoll sie auch waren, stießen auf taube Ohren.“

Hoffen auf Abweichler

Am letzten Tag folgte dann die zweite und dritte Lesung aller Gesetzesvorlagen. Die Oppositionsparteien hofften auf den ein oder anderen Abweichler aus den Regierungsfraktionen. Es folgten hitzige Debatten. Als letztes kam der Antrag zur Pkw-Maut an die Reihe. Bei der entscheidenden Abstimmung gab es zwar viele Abweichler, jedoch bekam die Regierung trotzdem genügend Stimmen für das Gesetz zusammen.

Nach einer Podiumsdiskussion mit den echten Fraktionsvorsitzenden, moderiert von Ulrich Deppendorf, zum Thema „Schreckensvision gläserner Bürger“ beendete Bundestagspräsident Norbert Lammert das Planspiel.

Mit neuen Erkenntnissen und positiven Erfahrungen trat Zolna den Heimweg an: „Die Tage hier in Berlin waren sehr anstrengend, aber auch sehr lehrreich. Es war interessant zu sehen, wie auch die Arbeit hinter den Kulissen des Bundestages aussieht.“

Jugend im Parlament

Bei der Veranstaltung „Jugend und Parlament“, die im Juni im Deutschen Bundestag in Berlin stattfand, schlüpften 312 Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet in die Rollen von Bundestagsabgeordneten. Das Ziel des Planspiels ist es die Verfahrensweise des Deutschen Bundestages kennenzulernen. Innerhalb von vier Tagen werden so realitätsnah wie möglich vier fiktive Gesetzesentwürfe durch das Gesetzgebungsverfahren gebracht. Dazu werden den Teilnehmern zu Beginn fiktive Rollen zugelost. Mit neuem Namen, neuer Biographie und neuer politischer Gesinnung ausgestattet, starteten die neuen Abgeordneten ihre parlamentarische Arbeit.(r)

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