Anspruchsvoller Abend „Alla Polacca“ mit Duo Piotr Plawner/Piotr Salajczyk

Polnisches Duo zeigt Meisterschaft

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Korbach. - Aufmerksame Zuhörer erleben einen anspruchsvollen Abend mit zwei meisterlich aufspielenden Musikern aus Polen.

„Alla Polacca“, bei dieser Bezeichnung wird vielen Klassikfreunden und Beethovenfans zuerst der Finalsatz des Tripelkonzerts in den Sinn kommen, schließlich trägt das ausgiebige Rondo diese Satzbezeichnung.

Das Duo Piotr Plawner/Piotr Salajczyk stellte in Korbach sein Programm mit polnischen Komponisten aus 200 Jahren unter diesen Titel und begann mit größtmöglicher Nähe zu Ludwig van Beethoven. Der schlesische Komponist Joszef Elsner hatte zur selben Zeit in Wien studiert und bewegte sich bei seiner melodienseligen Sonate in F-Dur stilistisch in musikalischer Nähe zur ersten Schaffensperiode des überragenden Komponisten seiner Generation.

Dramatische Verdichtung und größtmögliche Spannung standen in Elsners musikalischer Agenda, dessen volkstümliche Themen Piotr Salajczyk im Allegro mit leichter Hand munter ausspinnen konnte, nicht unbedingt an erster Stelle. Insofern fehlte zunächst, zumindest für entsprechend vorbelastete Hörer, ein entscheidendes Element. Doch mit seiner dramatischen Steigerung in der Mitte geriet das tänzerische Andante/Allegretto zum spannungsvollen Abschluss der Sonate des Pioniers der polnischen Klassik, der mit seiner Verwendung volkstümlicher Themen den nächsten Generationen den Weg zur eigenständigen Tonsprache gewiesen hatte.

Interpreten nicht geschont

Hochgradige Intensität mit allerhöchsten Anforderungen an beide Musiker bestimmte dagegen das musikalische Geschehen bei Ignaz Paderewskisa-Moll-Sonate. Denn der Klaviervirtuose hatte beim Komponieren der schwermütigen Harmonien weder den Violinisten noch den Begleiter an den Tasten geschont und dieses Gipfelwerk der Romantik mit zahlreichen Schwierigkeiten, langen Trillern und anderen raffinierten Tempowechseln gewürzt. Vergleichbare Virtuosität auf vier Saiten hatte es lange nicht mehr in Korbach gegeben, in diesem Punkt waren sich die Kenner schon in der Pause einig.

Mit der ungleich populäreren G-Dur-Sonate folgte zur Eröffnung des zweiten Teils eine allgemein bekannte Vergleichsgröße, mit thematischen Parallelen zu den vorhergehenden und nachfolgenden Werken. So kehrten in der leichtfüßigeren Schwermut des Allegretto und dem gezupften Intro zum Blues Elemente wieder, bei denen Piotr Plawner schon bei Paderewski seine Meisterschaft gezeigt hatte.

Der diffizile „Taniec Slowanski“ (Slawischer Tanz) von Grazyna Bacewitz mit seinen grotesken Akzenten war in seinem schwebenden Gestus dagegen klar der Tonsprache Ravels verpflichtet. Elegische Intensität mit impressionistischen Schwingungen, die nahtlos in Triller übergehen, kennzeichnen die Eröffnung von Karol Szymanowskis „Notturno und Tarantella“. Auf die mit technischen Finessen gespickte Eröffnung folgten nicht minder anspruchsvolle Temposteigerungen, mit deren souveräner Bewältigung Piotr Plawner das zum Teil weit angereiste Publikum in der Korbacher Stadthalle in Bann zog. Beifall in dieser anhaltenden Intensität ist auch eher die Ausnahme als die Regel in Kammermusikveranstaltungen, jedenfalls in Korbach.

Übertragung am 30. Juni

Die beiden Musiker bedankten sich mit Ignaz Paderewskis melancholischer Melodie für die aufmerksame Begeisterung der Zuhörer an einem gut besuchten Kammermusikabend.

Das Konzert wurde vom Hessischen Rundfunk mitgeschnitten. Die Aufzeichnung wird am 30. Juni ab 20.05 Uhr auf hr2 ausgestrahlt.

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