Weniger jugendliche Tatverdächtige · Präventionswoche vom 10. bis 15. November

Prävention zeigt Wirkung

Mit Musik und Sport Grenzen überwinden: Mitstreiter der Hamburger Initiative „Crossover“ besuchten im November 2011 im Rahmen der Präventionsarbeit die Louis-Peter-Schule.

Korbach - „Gucken statt ducken“: Unter diesem Leitmotiv stehen seit mehr als zehn Jahren vielfältige Aktionen und Projekte zur Vorbeugung gegen Sucht und Gewalt. Die kommunale Präventionsarbeit kann Erfolge vorweisen: Die Zahl jugendlicher Tatverdächtiger nimmt stetig ab.

Die jüngsten Kapitel der Erfolgsgeschichte dokumentiert der fünfte Präventionsbericht 2014 auf fast 120 Seiten. Carsten Vahland, Leiter des städtischen Ordnungsamtes, stellte den Bericht in der vergangenen Woche den Stadtverordneten vor. Interessierte finden die Dokumentation auf der Internetseite der Stadt (www.korbach.de in der Rubrik „Prävention“). Die Korbacher Polizei macht im Präventionsbericht auf einen positiven Trend in der Kriminalstatistik aufmerksam. Dass die Zahl jugendlicher Tatverdächtiger seit 2007 kontinuierlich abnimmt, führen die Ordnungshüter auch auf „die nachhaltige Präventionsarbeit eines ganzen Netzwerkes von Akteuren“ zurück. Gewalttätiges und kriminelles Verhalten werde in zunehmendem Maße nicht mehr toleriert und schnell sanktioniert. „Couragiertes, frühes Eingreifen als Symbol einer solches Verhalten nicht tolerierenden Gesellschaft trägt letztlich dazu bei, dass sich der potenzielle Täter oder die Täterin tatsächlich überlegt, wie er oder sie sich verhält“, so die Einschätzung der Polizei.

Ein Schwerpunkt der 2001 begonnenen Tätigkeit des Präventionsrates liegt naturgemäß in der Kinder- und Jugendarbeit. „Gemeinsam mit den Korbacher Schulen haben wir damit in den vergangenen Jahren eine ganze Generation in ihrer Entwicklung begleiten können“, heißt es im Vorwort von Bürgermeister Klaus Friedrich. Schnell haben sich aber auch viele Vereine und Verbände der Präventionsarbeit gewidmet und arbeiten mit dem kommunalen Partner zusammen. Dabei fungiert der Präventionsrat oftmals als Berater und Ideengeber oder hilft, wenn eine finanzielle Anschubförderung erforderlich ist. Die Mitglieder sind mittlerweile über zahlreiche Netzwerke mit anderen Akteuren verbunden.

Kontrollen an Wandertagen

Als ein gelungenes Beispiel für die Kooperation zwischen Polizei und Ordnungsamt führte Vahland die gezielten Kontrollen an den sogenannten „Wandertagen“ Christi Himmelfahrt und 1. Mai an. Schon fast traditionell zogen an diesen Feiertagen Jugendliche in Richtung Nieder-Ense und Nordenbeck, um zu wandern. „Leider stand dabei nicht das gemeinsame Wandern, sondern das gemeinsame Trinken teils sehr bedenklicher Alkoholmengen im Mittelpunkt“, heißt es im Bericht von Polizei-Jugendkoordinator Dirk Virnich. Die Entwicklung bis 2009 sei besorgniserregend verlaufen.

Ziel der dann organisierten gemeinsamen Kontrollen war insbesondere, Hochprozentiges für diesen Tag in diesem Umfeld aus dem Verkehr zu ziehen. Die Kontrollen haben dazu geführt, „dass die Teilnehmerzahlen an einschlägigen Treffpunkten sehr stark rückläufig und 2013 kaum noch festzustellen waren“. Die Bemühungen hätten vor allem deutlich gemacht, dass Straftaten, insbesondere Körperverletzungen, die bei diesen Veranstaltungen sonst an der Tagesordnung waren, wirksam verhindert werden konnten.

Der Zusammenhang zwischen gesteigertem Alkoholkonsum und aggressivem Verhalten bildete den Ausgangspunkt für eine Diskussion, die in einem Beschluss der Stadtverordneten mündete: Zum 1. März 2012 wurde die Sperrzeit in Korbach um zwei Stunden verlängert. Sie beginnt seitdem um 3 Uhr statt bis dato um 5 Uhr. Die zunächst probehalber für ein Jahr erlassene Verordnung wurde durch einen erneuten Beschluss beibehalten und gilt bis 2017.

Das Ordnungsamt zieht im Präventionsbericht ein durchweg zufriedenstellendes Fazit. So sei die Zahl der Sachbeschädigungen, die im Kontext mit Kneipenbesuchen auftraten, binnen eines Jahres insgesamt um sieben Prozent, zwischen 3 und 6 Uhr sogar um 50 Prozent zurückgegangen. Für 2013 sei ein erneuter Rückgang zu verzeichnen, sodass im betroffenen Zeitfenster lediglich noch fünf Fälle registriert wurden, berichtete Vahland. Die verlängerte Sperrzeit habe zudem dazu geführt, dass auch weniger handgreifliche Auseinandersetzungen gemeldet wurden.

Präventionswoche 2014

Von der „Rosenkrieg“-Ausstellung zum Thema „Häusliche Gewalt“ über Fachseminare, Projekte in Kindergärten und Konzepte in Schulen gibt der fünfte Präventionsbericht einen umfassenden Überblick über insgesamt fast 40 einzelne Vorhaben und Veranstaltungen in den vergangenen vier Jahren. Die Dokumentation dient zudem als Basis für die 5. Korbacher Präventionswoche, die in diesem Jahr vom 10. bis 15. November vorgesehen ist.

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